Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2015

18:58 Uhr

Ilva

Italien übernimmt Kontrolle bei Stahlhersteller

Der italienische Stahlhersteller Ilva ist in einen Umweltskandal verwickelt und schwer verschuldet. Seit 2013 wird der Konzern von einem Sonderverwalter geleitet. Nun hat die Regierung die Kontrolle komplett übernommen.

Das Werk in Tarent steht seit Jahren im Zentrum des Skandals. Es soll mit dem Ausstoß von giftigem Rauch und Staub für eine erhöhte Zahl an Krebs- und Atemwegserkrankungen in der Region verantwortlich sein. AFP

Das Werk in Tarent steht seit Jahren im Zentrum des Skandals. Es soll mit dem Ausstoß von giftigem Rauch und Staub für eine erhöhte Zahl an Krebs- und Atemwegserkrankungen in der Region verantwortlich sein.

LondonDie italienische Regierung hat die Kontrolle über den krisengeschüttelten Stahlhersteller Ilva komplett übernommen. Industrieministerin Federica Guidi unterschrieb am Mittwoch entsprechende Anweisungen, wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr.

Das in einen Umweltskandal verwickelte größte Stahlwerk Europas wird bereits seit 2013 von einem Sonderverwalter geleitet, der von der Regierung eingesetzt wurde. Damals wurde Ilva vorgeworfen, am wichtigsten Standort Taranto in Süditalien den Ausstoß giftiger Stoffe nicht gestoppt zu haben. Zudem schreibt das Werk jeden Monat einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe. Die Jobs der etwa 16.000 Mitarbeiter sind deswegen in Gefahr.

Im vergangenen Jahr hatte der weltgrößte Stahlhersteller ArcelorMittal zusammen mit dem italienischen Mischkonzern Marcegaglia eine Übernahmeofferte für Ilva abgegeben. Auch der heimische Stahlproduzent Arvedi zeigte sich interessiert.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Ob die Gebote immer noch aktuell sind, war zunächst unklar. Die Regierung erklärte im Dezember, Ilva innerhalb von zwei bis drei Jahren verkaufen zu wollen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×