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08.01.2008

17:39 Uhr

Im Profil: Howard Schultz

Der Abgebrühte

VonMartin Roos

Howard Schultz hat Starbucks groß gemacht. Jetzt kriselt es und der 54-jährige Amerikaner kehrt wieder an die Spitze der US-Kaffeekette zurück. Aktien-Anleger begrüßten die Nachricht am Dienstag.

Starbucks-Gründer Howard Schultz soll den Fall der Kaffeehauskette stoppen. Foto: ap

Starbucks-Gründer Howard Schultz soll den Fall der Kaffeehauskette stoppen. Foto: ap

DÜSSELDORF. Es ist ein sonniger Frühlingsmorgen. Ein amerikanischer Geschäftsmann namens Howard Schultz verlässt sein Hotel in Mailand. Sein Ziel: die Haushaltswarenmesse. Doch an der Espressobar an der Ecke bleibt er stehen, schnüffelnd nach dem Kaffeege-ruch, der ihn schließlich in die Bar hineinzieht. Kleine braune Porzellantassen klappern, die Espressomaschine dampft, der Barmann lächelt freundlich.

Es ist der Augenblick, von dem Schultz später immer wieder erzählt, die Geburtsstunde seiner Idee. Nicht mehr der abflusswasserartige Pulverkaffee sollte durch sämtliche Kehlen Amerikas rinnen, sondern Kaffee, der duftet und schmeckt. Die Idee einer weltweiten US-Kaffeehauskette war geboren.

Das war 1983. Starbucks ist inzwischen börsennotiert, hat mit über 14 000 Filialen in 43 Ländern zuletzt umgerechnet rund 6,4 Milliarden Euro umgesetzt, steht im Markenwert gleich neben Coca-Cola und McDonald’s und präsentiert so etwas wie die Kaffeehausmassenkultur des 21. Jahrhunderts.

Schultz, ein smarter Beau, der auf Hollywoods roten Teppichen eine blendende Figur als Filmstar machen würde, wechselte im Jahr 2000 von der Konzernspitze in den Aufsichtsrat. Dort sah er sich auch an, wie Jim Donald seit 2005 die operativen Geschäfte führte. Die liefen zuletzt immer schlechter. An der Börse verlor Starbucks in den vergangenen zwölf Monaten fast 50 Prozent seines Werts, im vierten Quartal sank erstmals in der Firmengeschichte die Zahl der Kunden – coffee to go, Kaffee zum Davonlaufen.

Jetzt hat der 54-jährige Schultz das Ruder von Starbucks, das sich nach dem Steuermann aus Herman Melvilles Roman „Moby Dick“ benannte, wieder übernommen. „In mancher Hinsicht sind wir Opfer unseres Erfolgs geworden“, meint Schultz zum Wachwechsel und meint damit selbstkritisch insbesondere seine überbordenden Expansionspläne. „Starbucks muss sich wieder auf seine Wurzeln besinnen“, sagt Schultz im Blick auf das USA-Geschäft: Qualität statt Quantität, mehr Kundennähe, noch bessere Ausbildung fürs Personal. Die USA sind mittlerweile übersät mit Starbucks-Filialen, die sich die Kunden gegenseitig streitig machen.

Analysten forderten schon vor eineinhalb Jahren einen Strategiewechsel bei Starbucks. Für sie war die Aktie lange Zeit kalter Kaffee. Nach den neuesten Ankündigungen legte sie gestern um neun Prozent zu. Und manche Analysten geben wieder Kaufempfehlungen.

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