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22.01.2009

20:10 Uhr

Immobilienbranche

Allessandro Puri Negri: Ritter der traurigen Gestalt

VonKatharina Kort

Einst war Alessandro Puri Negri strahlender Held der italienischen Immobilienbranche - dann kam die Krise. Jetzt ist sein Posten alles andere als sicher. Wie eine Lichtgestalt zum Buhmann wurde.

Alessandro Puri Negri, Vorstandsvorsitzender von Pirelli Re, ist unter Druck. Pressebild

Alessandro Puri Negri, Vorstandsvorsitzender von Pirelli Re, ist unter Druck.

MAILAND. Die Zigarette zwischen den manikürten Fingern, die vollen grauen Haare nach hinten gewellt, die dunklen Augen zielgerichtet, so erklärt Carlo Alessandro Puri Negri, Chef der italienischen Immobiliengesellschaft Pirelli Re mit sonorer Stimme seine Welt: Die börsennotierte Tochter des Reifenkonzerns ist Italiens größter Spieler auf dem Markt und gehe dank hoher "Leverage" kaum Risiken ein. Die Immobilienpreise in seinem Lieblings-Einkaufsland Deutschland, seien noch viel zu niedrig, es kann eigentlich nur nach oben gehen. Und Pirelli Re sei so breit aufgestellt, dass mögliche Krisen ihm nichts anhaben könnten. Damit wurde der stets braun gebrannte Puri Negri zum Star der italienischen Immobilienszene, Applaus war ihm sicher.

Ehemalige Mitarbeiter beschreiben ihn als "sympathischen Vulkan von Ideen", der den richtigen Moment im Immobilienmarkt auszunutzen wusste, aber keine Struktur für schwierige Zeiten aufbaute. Und deshalb hagelt es jetzt Buhrufe für den ehemaligen Schauspieler, der erst über Umwege die Rolle des Firmenlenkers übernahm und ungewollt vom Helden zum Ritter der traurigen Gestalt mutierte. Denn im Zuge der weltweiten Finanzkrise heißt "Leverage" wieder Verschuldung und überzeugt Aktionäre nicht. Der Aktienkurs von Pirelli Re liegt mit rund fünf Euro bei weniger als einem Zehntel des Werts vom Frühsommer 2007.

Das bleibt auch für Puri Negri nicht ohne Folgen. Erst im Dezember hat Marco Tronchetti Provera, Chef der Konzernmutter Pirelli, dem Immobilienchef einen neuen, mächtigen Finanzvorstand an die Seite gestellt. "Formal behält Puri Negri seine Macht, aber de facto wird er von einem Tronchetti-Mann kontrolliert", heißt es in Unternehmenskreisen wo längst Gerüchte über einen Abgang von Puri Negri die Runde machen. Aus dem unantastbaren Genie wurde ein "angeschlagener Chef".

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