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22.03.2013

18:19 Uhr

Immobilienkonzern

Gagfah-Aktie profitiert von neuem Chef und schwarzen Zahlen

Die Anleger des Immobilienkonzerns Gagfah setzen ihre Hoffnungen in den neuen Chef des Konzerns. Auch der solide Jahresgewinn ließ die Gagfah-Aktie am Freitag deutlich steigen.

Das Immobilienunternehmen Gagfah schreibt wieder schwarze Zahlen. dpa

Das Immobilienunternehmen Gagfah schreibt wieder schwarze Zahlen.

FrankfurtDer US-Finanzinvestor Fortress kommt seinem lange ersehnten Ausstieg aus dem Wohnungskonzern Gagfah wieder näher: Denn die Aussicht auf einen neuen Chef, Fortschritte bei der milliardenschweren Refinanzierung und ein solider Jahresgewinn trieben die Gagfah-Aktie am Freitag um bis zu 6,5 Prozent auf 9,60 Euro. Damit war das Papier größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax. Je mehr sich der Kurs von Deutschlands größter börsennotierter Wohnungsgesellschaft erholt und dem Nettovermögenswert (NAV) von 13,31 Euro je Aktie annähert, desto eher dürfte der amerikanische Mehrheitsaktionär seine Anteile auf den Markt werfen und den Rückzug antreten. Dann käme er zumindest mit einem blauen Auge davon.

Denn Fortress hatte Gagfah im Herbst 2006 an die Börse gebracht. Zwar gönnte sich die Beteiligungsgesellschaft jahrelang üppige Quartalsdividenden. Mit der Aktie – ausgegeben zu 19 Euro – ging es seither jedoch steil bergab, was Fortress wenig Spielraum ließ. Noch immer hält der Investor gut 60 Prozent der Anteile, während Konkurrenten wie Deutsche Wohnen und GSW ihren angelsächsischen Alteignern einen lukrative Ausstieg ermöglicht haben. Sie notieren längst über ihrem NAV. Bei Gagfah hat sich der Abschlag inzwischen zumindest auf etwa 30 Prozent reduziert, Ende 2011 war die Lücke noch gut doppelt so groß.

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Für den Rest der Wegstrecke wurde jetzt der GSW-Chef abgeworben: Thomas Zinnöcker übernimmt das Ruder bei der Gagfah zum 16. April. Damit sind alle Top-Posten bei Gagfah mit deutschen Immobilienexperten besetzt und nicht mehr mit Statthaltern von Fortress. Zinnöcker soll die Gagfah, deren Ruf durch Rechtsstreitigkeiten und Berichte über den schlechten Zustand der Wohnungen gelitten hat, wieder in ruhiges Fahrwasser führen. Er erklärte am Freitag: „Die zentralen Herausforderungen der Vergangenheit sind weitgehend gelöst. Ich möchte nun ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufbauen.“

Zinnöckers wichtigste Aufgabe ist es, die Refinanzierung abzuschließen. Nachdem unlängst ein neuer Kreditgeber für die Dresdner Tochter Woba gefunden wurde, ist Gagfah nun auf der Zielgeraden bei der Refinanzierung von zwei Milliarden Euro Schulden auf Konzernebene und kann dabei nach eigenen Angaben sogar vom niedrigen Zinsniveau profitieren. Für den Großteil der Kredite seien Grundsatzvereinbarungen mit den Banken unterzeichnet worden. Der übrige Teil, voraussichtlich etwa 700 Millionen Euro, werde in eine Verbriefungsstruktur (CMBS) gepackt, erklärte Finanzchef Gerald Klinck. Auch dafür gebe es etliche Investoren. Die Schulden auf Konzernebene müssen bis spätestens August refinanziert werden. Erst wenn diese Hürde genommen ist, sollen wieder Quartalsdividenden fließen, die auf Druck der Banken vor einiger Zeit gestrichen wurden.

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Unter dem Strich schaffte Gagfah 2012 die Rückkehr in die schwarzen Zahlen: Der Gewinn lag bei 47,7 Millionen Euro nach einem Verlust von 17,9 Millionen ein Jahr zuvor, weil negative Bewertungseffekte ausblieben. Das in der Branche maßgebliche operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (FFO) war allerdings mit 96,7 (2011: 113,6) Millionen Euro rückläufig, weil Gagfah zuletzt schrumpfte und im Restbestand auch keine höheren Mieten durchsetzen konnte.

Die Berliner Konkurrentin GSW war da erfolgreicher. Ihr spülte der rasante Anstieg der Mietpreise in der Hauptstadt ein FFO von 64 Millionen Euro in die Kasse, ein Plus von 14 Prozent. Außerdem ist der Konzern anders als Gagfah auf Expansionskurs, allein im vergangenen Jahr kamen 7000 Wohnungen neu hinzu. „Wir wollen weiter zukaufen, vorzugsweise Pakete in einer Größenordnung von 2000 bis 4000 Einheiten“, sagte Finanzchef Andreas Segal der Nachrichtenagentur Reuters. Das soll das FFO 2013 auf 73 bis 78 Millionen Euro treiben. Für 2012 bekommen die Aktionäre abermals eine Dividende von 90 Cent je Papier.

Von

rtr

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