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21.08.2013

19:05 Uhr

Immobilienkonzern

IVG darf unter den Schutzschirm

Einen Tag nach dem Antrag auf einen gerichtlichen Schutzschirm hat das hoch verschuldete Immobilienunternehmen IVG grünes Licht bekommen. Der Vorstand darf das Unternehmen jetzt unter Aufsicht sanieren.

IVG-Zentrale in Bonn: Das hoch verschuldete Immobilienunternehmen will sich in einem sogenannten Schutzschirmverfahren sanieren. dpa

IVG-Zentrale in Bonn: Das hoch verschuldete Immobilienunternehmen will sich in einem sogenannten Schutzschirmverfahren sanieren.

BonnDas hoch verschuldete Immobilienunternehmen IVG darf unter einem gerichtlichen Schutzschirm einen neuen Anlauf zur Sanierung unternehmen. Nach Angaben des Unternehmens vom Mittwochabend in Bonn hat das Amtsgericht Bonn dem Antrag der IVG Immobilien AG auf eine Sanierung in Eigenverwaltung unter Nutzung eines sogenannten Schutzschirmverfahrens stattgegeben.

Die IVG hatte am Dienstag ein Schutzschirmverfahren nach dem neuen deutschen Insolvenzrecht beantragt. Damit hat es weitere drei Monate Zeit, eine Sanierungslösung auszuverhandeln, ohne dass die Gläubiger die Reißleine ziehen können. Das Gericht gab dem Antrag auf eine Sanierung in Eigenverwaltung statt. Damit bleibt der Vorstand um Wolfgang Schäfers handlungsfähig, der Rechtsanwalt Piepenburg übernimmt nur die Oberaufsicht.

Die fünf Gläubigergruppen hatten sich zuvor nicht auf ein gemeinsames Konzept zur Entschuldung einigen können. "Die Vorstellungen in Einzelfragen lagen zu weit auseinander. Der Antrag ist unausweichlich geworden", konstatierte Vorstandschef Wolfgang Schäfers am Dienstag. Er gab sich zuversichtlich, die IVG nach den Regeln des Insolvenzrechts retten zu können. Diese erleichtern einen Tausch von Schulden in Eigenkapital, der die Gläubiger zu den neuen Eigentümern des Unternehmens macht.

Die IVG hatte sich mit schuldenfinanzierten Projekten wie dem Büro- und Geschäftskomplex "The Squaire" am Frankfurter Flughafen verhoben. Dabei ist sie der einzige deutsche Immobilienkonzern von europäischem Rang. In London ist die IVG am Büroturm "Gherkin" (deutsch: Gurke) beteiligt, der zu einem Wahrzeichen des Bankenviertels der Finanzmetropole geworden ist.

Diese Unternehmen haben das Schutzschirmverfahren genutzt

Ablauf

Das Unternehmen hat im Schutzschirmverfahren maximal drei Monate Zeit einen Insolvenzplan aufzustellen. Der muss dann vom Gericht und vom Sachwalter abgenickt werden.

Voraussetzungen

Voraussetzung für das Schutzschirmverfahren ist, dass eine Zahlungsunfähigkeit droht oder das Unternehmen überschuldet ist. Das Unternehmen darf aber nicht bereits zahlungsunfähig sein und die angestrebte Sanierung muss aussichtsreich sein. Ein Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt oder Steuerberater muss bescheinigen, dass diese Voraussetzungen erfüllt sind.

Suhrkamp

Einer der prominentesten Unternehmen, die das Schutzschirmverfahren genutzt haben, ist der Traditionsverlag Suhrkamp. Im Mai schlüpfte er unter den Schirm, Anfang August folgte dann der Eintritt in die Insolvenz. Laut Sanierungsplan soll die Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden, um den Einfluss der Gesellschafter zu reduzieren. Die Streitereien unter den Unternehmenseignern gelten als Grund für die Schieflage des Unternehmens.

Loewe

Der Fernsehgerätehersteller Loewe hat Mitte Juli Gläubigerschutz beantragt und schlüpfte unter der Schutzschirm. Nun hofft er auf die Hilfe asiatischer Investoren, um binnen der drei Monate 50 Millionen Euro aufzutreiben. Findet Loewe unter dem Schutzschirmverfahren keinen neuen Geldgeber, steht das Ende bevor.

Centrotherm

Im Juli 2012 hatte der Maschinenbauer als eines der ersten Unternehmen ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt. Es folgte ein Insolvenzverfahren. Anfang Juni 2013 hob das Amtsgericht Ulm das Verfahren auf, die Sanierung des Unternehmens geht weiter.

Hein Gericke

Im August 2012 beantragte Hein Gericke die Aufnahme in ein Schutzschirmverfahren. Mithilfe eines Sanierungskonzeptes wollte der Händler von Motorrad-Zubehör alle 288 Arbeitsplätze im In- und Ausland sichern.

Solarwatt

Solarwatt musste im Juni 2012 das Schutzschirmverfahren beantragen. Das Unternehmen war überschuldet. Zunächst vollzog das Unternehmen einen Schuldenschnitt und setzte das Grundkapital auf null herab. Der bereits vorher beteiligte BMW-Erbe Stefan Quandt bot schließlich ein Gesellschafterdarlehen von fünf Millionen Euro an und hält heute 90 Prozent der Anteile.

IVG Immobilien

Die Immobilienfirma hat am 20. August 2013 ein Schutzschirmverfahren begonnen. Grund: Eine Einigung über einen Forderungsverzicht mit einer Vielzahl an Gläubigern war nicht zustande gekommen.

"Der Weg zu einer Einigung der Gläubiger und zu einer gesundeten IVG führt nunmehr über eine alternative Route", sagte Schäfers. Am Ziel und am Sanierungskonzept ändere sich nichts. Schnelle Notverkäufe seien nicht zu erwarten. Schäfers hatte eine Abkehr vom riskanten Geschäftsmodell seiner Vorgänger versprochen und wollte den Konzern konservativer aufstellen. Die Schulden von rund 4,6 Milliarden Euro waren dazu aber zu hoch. Nach den vorerst gescheiterten Plänen sollten die Schulden der IVG auf 2,35 Milliarden Euro sinken.

Das Schutzschirmverfahren gibt Unternehmen, die noch nicht zahlungsunfähig sind, denen aber die Pleite droht, drei Monate Zeit, sich ohne Zugriff der Gläubiger zu sanieren. Es ist seit eineinhalb Jahren Teil des Insolvenzrechts. Zuletzt hatte unter anderem der Fernsehgeräte-Hersteller Loewe diesen Weg der Sanierung gewählt. Meist mündet das Schutzschirmverfahren aber in eine normale Insolvenz. Das Amtsgericht Bonn muss nun einen Sachwalter bestellen, der den Vorstand bei der Sanierung beaufsichtigt. Für dieses Amt war zuletzt der Sanierungsexperte Horst Piepenburg gehandelt worden.

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