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05.01.2009

13:20 Uhr

Imperium in Gefahr

Mit harten Ellbogen

VonDirk Heilmann

Anthony O’Reilly ist eine Kämpfernatur. Nach seiner Rugby-Karriere hat der umtriebige Ire eine große Firmengruppe aufgebaut. Nun ist sein Imperium aus Beteiligungen an Medien- und Bergbaukonzernen sowie am Porzellan- und Kristallhersteller Waterford Wedgwood in Gefahr – und mit ihr auch der deutsche Porzellanhersteller Rosenthal.

Die Waterford Wedgwood-Gruppe ist in Gefahr - die Gespäche mit einem neuen Investor ziehen sich hin. Foto: ap ap

Die Waterford Wedgwood-Gruppe ist in Gefahr - die Gespäche mit einem neuen Investor ziehen sich hin. Foto: ap

LONDON. Die Fotos aus den 50er-Jahren zeigen einen kräftigen jungen Mann mit flotter Haartolle, der sich mit einem Leder-Ei unterm Arm entschlossen den Weg freiräumt. Schon mit 18 Jahren gab Anthony O’Reilly, genannt Tony, sein Debüt in Irlands Rugby-Nationalmannschaft. In 29 Länderspielen stand er auf dem Feld, zuletzt 1970.

Wie im Rugby, hat O’Reilly auch im Geschäftsleben stets kräftig die Ellenbogen eingesetzt – und es so geschafft, einer der reichsten Iren zu werden.

Nun ist die Kämpfernatur des inzwischen 72-Jährigen so gefragt wie lange nicht mehr. Sein Imperium aus Beteiligungen an Medien- und Bergbaukonzernen sowie am Porzellan- und Kristallhersteller Waterford Wedgwood ist hoch verschuldet; zugleich sinken Umsätze, Gewinne und die Aktienkurse.

Es brennt lichterloh in O’Reillys Reich. Die Waterford-Wedgwood-Gruppe, zu der auch der deutsche Porzellanhersteller Rosenthal gehört, steht am Abgrund. Bei Independent News & Media, der Zeitungsgruppe mit rund 200 Titeln auf vier Kontinenten, bedroht der zweite Großaktionär, Denis O’Brien, O’Reillys Führungsrolle als Vorstandschef. Und auch das Rohstoffgeschäft haben Finanzkrise und Rezession voll erwischt. Die von seinem Sohn Tony O’Reilly Junior geführte Providence Resources sah sich bereits veranlasst, den Aktionären zu versichern, der Cash-Flow reiche aus, um das Unternehmen am Laufen zu halten.

Der umtriebige Senior, noch heute mit weißen Haaren eines der maßgeblichen Gesichter von Irlands Wirtschaft, sucht nach Auswegen. Von einem Verkauf der britischen Tageszeitung „The Independent“ ist die Rede, ebenso von einem Ausstieg aus der australischen Mediengruppe APN. So könnte O’Reilly die Schulden der Zeitungsgruppe reduzieren.

Bei Waterford Wedgwood ziehen sich Gespräche mit einem neuen Investor hin. Die Banken haben schon mehrfach Zahlungsfristen verlängert. Die jüngste, angeblich endgültige Frist lief am Freitag ab. Das Ringen um eine Lösung geht jedoch weiter – bis Sonntag ohne Ergebnis.

Rosenthal stand vor Weihnachten separat kurz vor der Einigung mit einem Investor, doch seither gab es nichts Neues. Findet sich für die Gruppe keine Lösung, droht die Insolvenz, oder O’Reilly greift noch einmal in seine Reserven.

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