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05.03.2013

16:32 Uhr

In eigener Sache

Oppenheim-Banker will nicht Chef gewesen sein

VonOliver Stock

Matthias Graf von Krockow zählte einst zum Spitzenpersonal des altehrwürdigen Bankhauses Sal. Oppenheim. Derzeit sitzt er im Kölner Landgericht auf der Anklagebank. Nun spielt der Banker seine Bedeutung herunter.

Der ehemalige Sal. Oppenheim-Banker Matthias von Krockow im Kölner Landgericht. dpa

Der ehemalige Sal. Oppenheim-Banker Matthias von Krockow im Kölner Landgericht.

Manchmal bringen die Finanzkrise und ihre Folgen ungeahnte Einsichten: Bei Matthias Graf von Krockow ist das jetzt passiert. Nicht so, wie man so denkt. Aber anders: Der Mann, der einst zum Spitzenpersonal des altehrwürdigen Bankhauses Sal. Oppenheim zählte, sitzt derzeit auf der Anklagebank im Saal 210 des Kölner Landgerichts, weil unter seiner Führung das Bankhaus viel von seiner Altehrwürdigkeit verlor und schließlich an die Deutsche Bank notverkauft werden musste.

Wie viel von Krockow und seine Kollegen dazu beigetragen haben und wie viel nicht - das genau ist Gegenstand des Verfahrens, für das sich Richter und Anwälte erst einmal 76 Verhandlungstage in ihre Terminkalender eingetragen haben. Das ist viel Zeit und verlangt volle Konzentration, die von Krockow auch gewillt ist aufzubringen.

Ein Anfang jedenfalls ist gemacht: Der Graf hat sich offenbar gleich am ersten Verhandlungstag in die Lektüre von Handelsblatt Online vertieft. Und was musste er feststellen? Er wird dort nicht nur als ehemaliger Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter betitelt, sondern auch noch als „Bankchef“. Das geht nun gar nicht, befand er und war sich schnell mit seinem Anwalt einig, dass man gegen diese Unterstellung beherzt vorgehen müsste.

Deswegen schreibt der Anwalt im Auftrag seines Mandanten über die Führungscrew bei Sal Oppenheim an das Handelsblatt: „Alle vier waren persönlich haftende Gesellschafter unter gleicher Stimmberechtigung.“ Von Krockow sei deren Sprecher, nicht aber deren Chef gewesen. Es sei unzulässig, ihn so zu bezeichnen, weswegen dem Grafen jetzt Unterlassungsansprüche zustünden.

Diese Einlassung eröffnet tatsächlich neue Einsichten. Zumindest bis zum Verkauf der Bank hatte er unseres Wissens nichts dagegen, wenn ihn mal einer als „Chef“ bezeichnete. Beiträge dieser Art blieben unkorrigiert. Außerdem dürfte er als erster Banksprecher in die Geschichte der Finanzkrise eingehen, der denen mit Vertragsstrafe drohen möchte, die ihn Chef nennen. Wir beim Handelsblatt glauben: Der Kulturwandel in der Branche ist wirklich unübersehbar.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

05.03.2013, 17:25 Uhr

OPPENHEOM BANKSTER, ich denke man wird sich "arrangieren" da der Justiz die Arbeit zuviel wird, befuerchte ich.
Als "Banker" braucht man in dieser BRD nicht allzuviel Angst zu habenn leider, aber so isses nun mal !

Thomas-Melber-Stuttgart

05.03.2013, 17:39 Uhr

Die Aufgabenverteilung ergibt sich doch aus dem Geschäftsverteilungplan und der Geschäftsordnung des Vorstandes. Zudem wird wohl auch der Bankaufsicht gemeldet worden sein.

RumpelstilzchenA

05.03.2013, 18:34 Uhr

Wie im Kindergarten: Keiner will´s gewesen sein.

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