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09.03.2012

09:28 Uhr

Incentives

Ein hohes Gehalt ist nur die halbe Miete

VonKatrin Terpitz

Prämien oder teure Incentive-Reisen motivieren Mitarbeiter nur bedingt. Vor allem junge Leute legen zunehmend Wert darauf, dass ihr Arbeitgeber nachhaltig handelt und eine flexible Lebensgestaltung ermöglicht.

Fitnesskooperationen sind wertvoller als Präsentkörbe. dapd

Fitnesskooperationen sind wertvoller als Präsentkörbe.

DüsseldorfManager Olaf Lang staunte nicht schlecht: „Mit welchem Fitnessstudio kooperiert Ihr Unternehmen denn?“, lautete gleich die erste Frage des hochqualifizierten Bewerbers im Vorstellungsgespräch. Lang war erleichtert, dass er den Namen einer renommierten Fitnesskette nennen konnte.

„Talente sind heute extrem anspruchsvoll und haben hohe Erwartungen an ihren Arbeitgeber“, sagt der Leiter des Beratungsbereichs Talente und Vergütung bei der Unternehmensberatung Towers Watson. Die Kandidaten achteten verstärkt auf das Image eines Arbeitgebers und auf flexible Arbeitsmodelle. „Es geht beileibe nicht nur ums Geld“, betont Lang.

Geld allein macht die Mitarbeiter nicht glücklich. Diese banale Erkenntnis scheint sich noch längst nicht bei allen Arbeitgebern herumgesprochen zu haben. Die meisten Firmen setzen weiterhin vornehmlich auf Boni und Sachprämien oder auf Gruppenevents, um die Motivation ihrer Mitarbeiter hochzuhalten.

Grundregeln für die Büro-Beziehung

Tratsch und Klatsch

Flirten Sie nicht ganz so ungehemmt wie sonst. Jede Firma hat ihren Tratsch und Klatsch und Ihrer beruflichen Reputation wird es nichts nützen, wenn Sie die Medaille für den „Flirt des Jahres“ bekommen.

Zurückhaltung, bitte!

Wenn Sie gezielt auf der Suche nach kurzfristigen Affären sind, so suchen Sie sich lieber ein anderes Spielfeld dafür.

Keine Vorteile

Verschaffen Sie sich durch einen Flirt oder eine Beziehung keine Vorteile am Arbeitsplatz.

Bleiben Sie professionell

Bleiben Sie auch in einer Beziehung professionell und behandeln Sie den anderen im beruflichen Kontext als Kollegen, Einkäufer, Dienstleister oder was auch immer und nicht als Partner. Wenn Sie das nicht schaffen, weil Sie dann zum Beispiel nicht so hart verhandeln können, dann lassen Sie sich in diesen Situationen vertreten oder Sie lassen sich ganz versetzen.

Missverständnisse vermeiden

Lassen Sie besondere Vorsicht und Sorgfalt walten, wenn es sich um einen Flirt und vielleicht mehr mit einem Vorgesetzten oder Untergebenen kommt. Hier ist es besonders wichtig, von vornherein dafür zu sorgen, dass es keine Missverständnisse gibt und sich Dienstliches nicht mit Privatem vermischt.

Händchen halten

Achten Sie auch in einer besonders verliebten Phase auf Ihre Kommunikation und Ihr Verhalten vor Kollegen. Händchen haltenden Kollegen sind nicht unbedingt gerne gesehen.

Auf die Arbeit konzentrieren

Denken Sie daran, dass es Ihre bezahlte Arbeitszeit ist, die Sie im Unternehmen verbringen und dass Sie sich selbst große Probleme bereiten können, wenn Sie zu oft im Gespräch mit Ihrer neuen Liebe gesehen werden. Bedenken Sie auch, dass Ihre E-Mails gelesen werden könnten!

Zum richtigen Zeitpunkt öffentlich machen

Überlegen Sie gut, wann ein geeigneter Zeitpunkt ist, die Kollegen darüber zu informieren, dass Sie nun ein Paar sind. Warten Sie auf jeden Fall einige Zeit ab, bis Sie diesen Schritt tun. Sie beide sollten sich sicher sein, dass Sie nun in einer festen Beziehung sind. Dann ist es auch wichtig, sich dazu zu bekennen, um eventuelle Gerüchte nicht erst aufkochen zu lassen und auch vorzubeugen, dass man Ihnen Interessenskonflikte vorwerfen könnte.

Gefühle sind Privatsache

Sprechen Sie mit Kollegen nicht ausführlich über Ihre Beziehung und Ihre Gefühle – weder in einer frisch verliebten Phasen, noch wenn Sie sich doch trennen sollten. Bleiben Sie professionell, lächeln Sie und biegen Sie das Gespräch in eine andere Richtung, falls die Fragen zu hartnäckig sind.

Kommen und gehen

Achten Sie darauf, nicht zusammen zu kommen und zu gehen, wenn Sie noch kein offizielles Paar sind.

Arbeitsessen oder Date?

Sorgen Sie auch bei sich selbst dafür, dass Ihnen in einer Phase des Kennenlernens klar ist, ob Sie nun ein Arbeitsessen oder ein „Date“ haben.

Betriebsfeste

Weihnachtsfeiern oder andere Betriebsfeste sind keine gute Möglichkeit, nach einigen Gläsern Wein all seinen Mut zusammen zu nehmen und vor der reizenden Kollegin aus der Buchhaltung auf die Knie zu sinken um ihr endlich zu sagen, wie wunderbar sie ist.

Die Zeit nach der Beziehung

Bedenken Sie bei einer Beziehung im beruflichen Umfeld immer deren mögliche Endlichkeit (auch wenn das nicht sehr romantisch ist), schließlich wird inzwischen rund jede zweite Ehe geschieden. Das Haltbarkeitsdatum für Beziehungen ist also zumindest im Durchschnitt noch kürzer. Bedenken Sie einfach die Konsequenzen, was das für Konsequenzen für Sie, Ihren Beruf und Ihre Karriere hat, wenn Sie Ihre Beziehung nun öffentlich machen und diese in sechs Monaten wieder zu Ende ist. Die Erfahrung lehrt, dass Frauen meist den Kürzeren ziehen und mit negativen Folgen rechnen müssen.

Quelle: Nandine Meyden, „Karrierekiller. Versteckte Fallen auf dem Weg nach oben“, Berlin 2011, ISBN: 978-3-430-20118-6

Etwa jeden achten Euro zahlen Unternehmen als leistungsbezogene Prämie aus. Das ergab eine repräsentative Analyse von 305 Betrieben am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit durch die Personalökonomen Dirk Sliwka, Johannes Berger und Claus Herbertz. Erhebliche Unterschiede beobachten die Forscher bei der Art der Boni. Mehr als die Hälfte der Betriebe stellt sie einzelnen Mitarbeitern in Aussicht. Die übrigen Firmen lassen Extras springen, wenn der gesamte Betrieb erfolgreich ist oder – und das ist nur in knapp jedem fünften Unternehmen der Fall – wenn Teams bestimmte Ziele erreichen.

Individuelle und variable Leistungsprämien sind auch unter Tarifbeschäftigten immer verbreiteter. Das Problem: Eine objektive Bewertung ist nur selten möglich. „Die wenigsten Führungskräfte sind in der Lage, differenziert zu urteilen“, meint Hans-Georg Blang, Mitglied der Geschäftsleitung der Kienbaum Vergütungsberatung. Die Folge: „Solche Incentives wirken schnell demotivierend. Denn wer keine Prämie bekommt, ist frustriert und schiebt womöglich Dienst nach Vorschrift“, vermutet Blang.

Tatsache ist: Die Aufmerksamkeit und Anerkennung vieler Chefs fokussiert sich ausschließlich auf überragende Leistungsträger. Ein kurzsichtiger Blick, wie eine Untersuchung der Beratung McKinsey zeigt. Gerade in Zeiten organisatorischer Umbrüche bringt es demnach wenig, vornehmlich Top-Leister mit finanziellen Anreizen zu überschütten. Arbeitgeber übersehen dabei oft, wie bedeutsam gerade die „Normal-Leister“ für den Erfolg des Unternehmens sind.

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