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10.05.2017

22:24 Uhr

+++ Liveblog zur VW-Hauptversammlung +++

Management mit mehr als 99 Prozent der Stimmen entlastet

Der Dieselskandal ist immer noch dominantes Thema beim Autobauer Volkswagen. Auf der Hauptversammlung haben Aktionäre die Aufarbeitung durch die Konzernspitze kritisiert. Der Liveblog zum Nachlesen.

Der VW-Vorstandschef und der Chefaufseher verteidigten am Mittwoch vor der Hauptversammlung ihre Arbeit. dpa

Matthias Müller (links) und Hans Dieter Pötsch

Der VW-Vorstandschef und der Chefaufseher verteidigten am Mittwoch vor der Hauptversammlung ihre Arbeit.

HannoverDer Vergleich in den USA steht, die Gewinne sprudeln wieder bei Volkswagen - Europas größter Autobauer ist dennoch weit davon entfernt, Dieselgate hinter sich zu lassen. Denn der Betrug bei Abgaswerten von Millionen Autos bleibt allgegenwärtig bei der Hauptversammlung des Autobauers an diesem Mittwoch. Vorstandschef Matthias Müller und Chefaufseher Hans Dieter Pötsch mussten sich ihren Aktionären stellen. Die Ereignisse in Hannover im Liveblog zum Nachlesen.

+++ Pötsch schließt VW-Hauptversammlung +++
Um 22 Uhr schließt Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch die Hauptversammlung von Volkswagen. Genau zwölf Stunden hat das Aktionärstreffen gedauert - immerhin eine gute Stunde weniger als im Vorjahr. Auch ein Hinweis darauf, dass die Dieselaffäre den Konzern nicht mehr ganz so stark im Griff hat. 2018 geht die Hauptversammlung vielleicht noch schneller zu Ende.

+++ Vorstand entlastet, Kleinaktionäre ohne Chance +++
Mit großer Mehrheit hat die Volkswagen-Hauptversammlung Vorstand und Aufsichtsrat entlastet. Topmanager und oberste Kontrolleure bekamen mehr als 99 Prozent der Stimmen. Die Kleinaktionäre hatten mit ihren Gegenanträgen keine Chance, sich gegen die großen Anteilseigner wie die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen durchzusetzen.

+++ Zahlreiche VW-Aktionäre haben das Eignertreffen verlassen +++
Das Interesse an der Hauptversammlung nimmt merklich ab. Am späten Nachmittag sitzen nur noch wenige Hunderte Aktionäre in Messehalle 3. Tausende haben das VW-Eignertreffen schon wieder verlassen.

+++ Governance-Experte sieht große Probleme +++
Christian Strenger ist in Deutschland so etwas wie der Grandseigneur für gute Unternehmensführung. Der frühere Chef der Deutsche-Bank-Investmenttochter DWS hat sich nicht nur bei Volkswagen, sondern bei vielen Unternehmen den Ruf als ehrbarer Streiter für eine saubere Corporate Governance erworben. Bei VW sieht er die größten Probleme bei Hans Dieter Pötsch, dem Aufsichtsratschef und früheren Finanzvorstand. Wegen einer möglichen Verstrickung in die Dieselaffäre sieht er bei ihm entscheidende Interessenkonflikte. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen den Aufsichtsratschef auch wegen des Verdachts auf Marktmanipulation. Für Christian Strenger gibt es nur eine Konsequenz: „Bis zur endgültigen Klärung der Verantwortlichkeit aus der Dieselaffäre bestünde zumindest begründeter Anlass, sein Amt ruhen zu lassen.“

+++ Rednerliste wird geschlossen +++
„Ich sehe mich dazu veranlasst, die Rednerliste um 16 Uhr zu schließen“, sagt Hans Dieter Pötsch. Wer eine Frage stellen möchte, solle sich jetzt noch ganz schnell auf die Rednerliste setzen lassen. Der Aufsichtsratschef setzt damit das nächste Mittel ein, um die Hauptversammlung rechtzeitig beenden zu können.

+++ Kleinaktionär muss schweigen +++
„Herr Klein, Sie reden jetzt schon mehr als acht Minuten. Wenn Sie nicht bald zum Ende kommen, werde ich das Mikrofon abschalten lassen." Doch der Kleinaktionär macht weiter, er hört nicht auf zu reden. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch macht Ernst mit seiner Drohung, das Mikrofon wird tatsächlich abgeschaltet. „Herr Klein, bitte nehmen Sie wieder Platz.“ Aktionär Manfred Klein aus Saarbrücken bleibt nichts anderes übrig – er muss das Sprecherpodium räumen. Und auch beim nächsten Kleinaktionär ist Pötsch unerbittlich. Wieder wird nach Mikro nach acht Minuten abgestellt. So kommt der Chefaufseher seinem Ziel näher, die Hauptversammlung wirklich vor Mitternacht beenden zu können.

+++ Pötsch verkürzt die Redezeit +++

Die Rednerliste auf der VW-Hauptversammlung ist zu lang geworden. Die Aktionäre reden zu viel, Hans Dieter Pötsch muss das Aktionärstreffen auf jeden Fall vor Mitternacht beenden. Sonst würden alle Beschlüsse vom Mittwoch ungültig. Pötsch bedient sich deshalb kurz nach 15 Uhr eines bewährten Mittels: Die Redezeit wird für jeden Aktionär auf fünf Minuten begrenzt. Das soll dafür sorgen, dass die Hauptversammlung wirklich pünktlich zu Ende gehen kann. Pötsch weiß genau, was er tut: Auch im vergangenen Jahr hatte er die Beschränkung der Redezeit durchgedrückt. Kurz vor Mitternacht ging die Versammlung zu Ende.

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Die Dieselaffäre ist in der Gewinnrechnung von Volkswagen abgegolten. Doch ad acta legen können die Wolfsburger den Skandal nicht: Die große Belastung für die Konzernkasse kommt erst noch. Müssen Sparten verkauft werden?

+++ Hermes fordert Veröffentlichung von Jones-Day-Bericht +++
Der einflussreiche Aktionärsberater Hermes EOS appelliert an die Konzernspitze, in Absprache mit der US-Justiz zumindest eine Zusammenfassung der Ermittlungsergebnisse von Jones Day zu veröffentlichen. Nur so könne verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden. Die Anteilseigner könnten auch nur so bewerten, ob der Konzern die richtigen Konsequenzen aus der Abgasmanipulation ziehe, die vor gut eineinhalb Jahren von den US-Umweltbehörden öffentlich gemacht worden war. Hermes-Manager Hans-Christoph Hirt macht eine „fragwürdige Unternehmenskultur“ bei VW für Dieselgate verantwortlich und verlangte eine unabhängige Prüfung. „Wir haben große Bedenken hinsichtlich der Zusammensetzung und der Effektivität des Aufsichtsrats.“

+++ Deka lässt Volkswagen nicht vom Haken +++

Die Fondsgesellschaft Deka Investment wirft Volkswagen massive Versäumnisse bei der Aufklärung des Dieselskandals vor. Die Vorfälle im Zusammenhang mit der millionenfachen Manipulation von Abgaswerten und die Art, wie das Unternehmen damit umgehe, trügen nicht dazu bei, das Vertrauen wiederherzustellen, kritisiert Fondsmanager Andreas Thomae . Er bemängelte insbesondere, dass der Konzern die Untersuchungsergebnisse der US-Kanzlei Jones Day nicht veröffentlicht habe. „Dass die Ergebnisse immer noch unter Verschluss sind, lässt vermuten, dass sie VW nicht gefallen.“

Thomae forderte den Aufsichtsrat auf, Schadensersatzansprüche zu prüfen, sollte sich herausstellen, dass ehemalige Vorstände schon früher von den Manipulationen gewusst haben. „Herr Pötsch, das ist Ihre Pflicht und Ihre Verantwortung“, sagte der Fondsmanager an die Adresse von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. „Verspielen Sie unser Vertrauen nicht endgültig.“

VW überflügelt Toyota

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+++ Pötsch gibt Kapitalpräsenz bekannt +++
Die Kapitalpräsenz auf der Hauptversammlung liegt bei 54,7 Prozent für alle ausgegeben Aktien. Bei den stimmberechtigten Stammaktien sind es sogar mehr als 90 Prozent.

+++ VW will Aktionäre mit Currywurst versöhnlich stimmen +++

Volkswagen serviert den Aktionären 2900 Currywürste aus der eigenen Metzgerei. Martin Murphy

Currywurst

Volkswagen serviert den Aktionären 2900 Currywürste aus der eigenen Metzgerei.

Die VW-Currywurst stand am Mittwoch im Zentrum der Speisekarte: 2900 Currywürste aus der eigenen Metzgerei habe der Konzern für die Anteilseigner im Angebot, sagte ein VW-Sprecher. Jährlich stellt der Konzern mehrere Millionen Currywürste her. Dazu kämen für die Anteilseigner 4500 Bouillon-Würstchen und 1100 Krakauer, außerdem 12.000 Laugenbrezeln. Und auch Getränke sind da, nämlich 5600 Liter Kaltgetränke und 3400 Liter Kaffee.

+++ Müller verbreitet Optimismus +++
Der Konzernchef kündigt in Hannover den großen Wandel für den Konzern an. „Das Rad müssen wir nicht neu erfinden, alles andere schon“, sagt Müller. Volkswagen werden die anstehenden Veränderungen bewältigen können. „Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir die Weichen gestellt für die größte Transformation in der Geschichte von Volkswagen.“ Es gibt Applaus aus den Reihen der Anteilseigner. Offensichtlich gibt es keine Zweifel daran, dass VW Digitalisierung und Batterieantrieb in den Griff bekommt.

+++ VW wird den Diesel nicht aufgeben +++
Trotz aller Hinwendung zum Elektroauto: Volkswagen will die Verbrennungsmotoren und speziell den Diesel nicht aufgeben. Die Verbrenner der neuesten Generation sind aus Sicht des Wolfsburger Konzerns auf absehbare Zeit unverzichtbar. „Sie sind sparsam und emissionsarm. Das gilt – allen lauten Diskussionen zum Trotz – auch und gerade für den Euro-6-Diesel“, sagte Müller auf der Hauptversammlung.

+++ Müller: Volkswagen will elektrisch werden +++
Volkswagen will in den kommenden Jahren zu einem durch und durch elektrisch geprägten Konzern werden. Das Unternehmen hat in den vergangenen fünf Jahren rund drei Milliarden Euro in alternative Antriebstechnologien investiert. Diese Summe wird in den nächsten fünf Jahren verdreifacht. „Allein bis Ende 2018 bringen wir so konzernweit mehr als zehn neue elektrifizierte Modelle auf den Markt. Bis 2025 kommen dann mehr als 30 rein batterieelektrische Fahrzeuge hinzu“, kündigt Konzernchef Matthias Müller auf der Hauptversammlung an.

+++ Müller: 4,7 Millionen Diesel umgerüstet +++
Volkswagen hat weltweit knapp die Hälfte der manipulierten Dieselmotoren aus dem Konzern umgerüstet. Insgesamt seien es bislang 4,7 Millionen Fahrzeuge, sagte Konzernchef Matthias Müller auf der Hauptversammlung. In Deutschland seien es 1,7 Millionen Autos.
Müller kündigte zudem an, dass Volkswagen im laufenden Jahr besser abschneiden will als im Vorjahr. 60 Modelle sollten 2017 auf den Markt kommen. „Auch deshalb sind wir trotz aller Herausforderungen zuversichtlich, dass 2017 noch besser wird als 2016“, sagte Müller.

+++ Vorstandschef zeigt sich zufrieden mit seiner Bilanz +++

Vorstandschef Matthias Müller zeigte in einer Präsentation, wie weit der Konzernumbau aktuell fortgeschritten ist. Martin Murphy

Die VW-Bilanz

Vorstandschef Matthias Müller zeigte in einer Präsentation, wie weit der Konzernumbau aktuell fortgeschritten ist.

+++ Müller: Erwarte weitere Konflikte mit dem Betriebsrat +++

„Dieser Weg ist anstrengend. Er verursacht Reibung. Und manchmal kracht es auch“, sagte Konzernchef Matthias Müller vor den Aktionären. Alle Beteiligten seien sich jedoch bewusst, was auf dem Spiel stehe. Die ersten Erfolge könnten an den guten Zahlen des ersten Quartals abgelesen werden. Die lange schwächelnde Hauptmarke VW hatte ihre Ertragskraft zu Jahresbeginn deutlich gesteigert. Müller strukturiert Volkswagen seit Bekanntwerden des Dieselskandals neu, um den Wolfsburger Konzern fit für die Elektromobilität, autonomes Fahren und neue Mobilitätsdienste zu machen.

+++ Pötsch: Kein Abschlussbericht von Jones Day +++
Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch machte vor den Aktionären erneut klar, dass die Ergebnisse der Ermittlungen von Jones Day nicht veröffentlichen werden: „Um es klar zu sagen: Einen schriftlichen Abschlussbericht von Jones Day gibt es nicht und es wird ihn auch nicht geben.“ Pötsch argumentierte damit, dass Volkswagen aus rechtlichen Gründen daran gehindert sei, einen solchen Bericht zu veröffentlichen.

Die Kosten des Dieselskandals für Volkswagen

Teure Folgen

Für die jüngste Einigung mit US-Klägern in Sachen Dieselskandal muss der Volkswagen -Konzern eine weitere milliardenschwere Last schultern. Mindestens 1,2 Milliarden Dollar (umgerechnet 1,1 Milliarden Euro) muss der Konzern rund 80.000 Besitzern großer Dieselautos in den USA mit umweltbelastenden Drei-Liter-Motoren an Schadenersatz und für den Rückkauf eines Teils der Fahrzeuge bezahlen. Die Kosten könnten nach Gerichtsangaben auf umgerechnet bis zu 3,7 Milliarden Euro steigen, sollten die US-Umweltbehörden die Reparatur eines Großteils der Wagen nicht abnehmen. VW selbst geht davon aus, dass die Reparaturen genehmigt werden.

Knapp vier Milliarden Euro müssen die Wolfsburger bereits für Strafen und Bußen in den USA hinblättern. VW hat mitgeteilt, dass dies die bisherigen Rückstellungen übersteigt und die Ergebnisse 2016 belasten könne. Bisher hat der Konzern 18,2 Milliarden Euro für den Skandal um weltweit millionenfach manipulierte Abgaswerte bei Dieselautos zur Seite gelegt. Doch abschließend sind die Kosten noch nicht zu beurteilen. Analysten schätzen, dass der Skandal am Ende zwischen 25 und 35 Milliarden Euro kosten könnte. Die größte Unsicherheit geht von den vielen Anlegern aus, die VW vorwerfen, sie zu spät über Dieselgate informiert zu haben und deshalb Schadenersatz fordern.

Vergleich mit US-Kunden zu größeren Motoren

Kurz vor Weihnachten klopfte VW mit den US-Umweltbehörden einen Kompromiss über die Schadenersatzansprüche für etwa 80.000 Diesel-Wagen mit 3,0-Liter-Motoren fest. Ein Viertel der Geländewagen von Audi, VW und Porsche soll zurückgekauft und weitere knapp 60.000 umgerüstet werden, sobald die Behörden die Freigabe für die technische Lösung erteilen. Die Höhe der Kosten bezifferte Volkswagen nun mit etwa 1,2 Milliarden Dollar. Zuvor waren sie auf eine Milliarde Dollar geschätzt worden. Schultern muss die Kosten die Tochter Audi, weil sie die 3-Liter-Motoren entwickelt hat. Der nächste Gerichtstermin zur vorläufigen Genehmigung ist für den 14. Februar angesetzt.

Strafzahlung in den USA

Mit dem US-Justizministerium einigte sich Volkswagen Anfang Januar auf eine Strafzahlung von 4,3 Milliarden Dollar. Das ist deutlich mehr, als andere Autobauer für Verfehlungen in den USA hinlegen mussten, und auch mehr, als Analysten erwartet hatten.

Vergleich mit US-Kunden zu kleineren Motoren

Im Oktober einigte sich VW mit Hunderten Sammelklägern, Behörden und US-Bundesstaaten über die Höhe der Entschädigung für Käufer von Autos mit den kleineren 2,0-Liter-Dieselmotoren. Das kostet den Konzern bis zu 15,3 Milliarden Dollar (14,5 Milliarden Euro). Der größte Teil entfällt auf den Rückkauf der bis zu 475.000 Fahrzeuge, für den gut zehn Milliarden Dollar reserviert sind. Die tatsächlichen Kosten hängen aber davon ab, wie viele Dieselbesitzer ihre Wagen zurückgeben. Bis vor Weihnachten hatten 104.000 Besitzer in den Rückkauf eingewilligt. Eine Alternative ist die Reparatur der Fahrzeuge. Bisher hat VW die Genehmigung für die Umrüstung von rund 70.000 Autos mit 2,0-Liter-Motor.

Zahlreiche US-Bundesstaaten wollen zudem zivilrechtlich versuchen, einen höheren Schadensersatz durchzusetzen, weil sie mit dem Vergleich nicht zufrieden sind. Dabei geht es um Hunderte Millionen Dollar.

Entschädigung für US-Händler

Seinen rund 650 US-Händlern zahlt VW insgesamt 1,21 Milliarden Dollar Entschädigung, weil sie seit fast einem Jahr keine Dieselautos mehr verkaufen durften. Der Vereinbarung zufolge kauft VW unverkäufliche Diesel-Autos von den Händlern zurück, hält an Bonuszahlungen fest und verzichtet für zwei Jahre auf geforderte Umbauten.

Rückrufe in Europa

Ein großer Brocken ist auch die Umrüstung der rund 8,5 Millionen Dieselautos in Europa. Kostenschätzungen reichen von gut einer bis drei Milliarden Euro.

Entschädigung auch in Europa?

Bundesweit klagen Autobesitzer vor mehreren Gerichten wegen überhöhter Stickoxidwerte auf Rückabwicklung des Kaufs oder Schadensersatz. Allein vor dem Landgericht Braunschweig sind knapp 226 solcher Klagen anhängig. Die auf Verbraucherschutzverfahren spezialisierte Onlineplattform MyRight, die mit der US-Kanzlei Hausfeld zusammenarbeitet, reichte zu Jahresbeginn die erste Musterklage ein. Eine finanzielle Entschädigung der Kunden in Europa lehnt VW ab, obwohl sich Forderungen nach einem ähnlichen Vergleich wie in den USA mehren. Sollten diese dennoch fällig werden, könnte das Volkswagen wegen der viel größeren Zahl betroffener Kunden im Vergleich zu den USA finanziell ruinieren, fürchten Experten. Der Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler geht von einem Wertverlust in einer Größenordnung von 500 Euro je Fahrzeug aus.

Vergleich in Kanada

Kanadischen Kunden zahlt VW 2,1 Milliarden kanadische Dollar an Schadenersatz für Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung

Aktionärsklagen

Weltweit sieht sich Volkswagen zudem mit milliardenschweren Schadensersatzklagen von Investoren und Kleinaktionären konfrontiert. Die Inhaber von Aktien und Anleihen werfen Volkswagen vor, zu spät über das Ausmaß des Abgasskandals informiert zu haben und wollen einen Ausgleich für Kursverluste durchsetzen. Zu den Klägern gehören große US-Pensionsfonds, der Norwegische Staatsfonds, aber auch der Versicherungskonzern Allianz und die Dekabank. Auch die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen klagen wegen Kursverlusten von Pensionsfonds. Beim Landgericht Braunschweig liegen mehr als 1500 Klagen über insgesamt 8,8 Milliarden Euro vor. Dazu soll es ein Musterverfahren vor dem OLG Braunschweig geben. Anlegerklagen muss sich VW auch in den USA stellen.

Teure Anwälte

Die Scharen an Anwälten, die Volkswagen weltweit wegen des Dieselskandals beschäftigt, kosten ebenfalls viel Geld. Der Autoexperte Pieper geht von bis zu einer Milliarde Euro aus, sein Kollege Ellinghorst schätzt die Anwaltskosten auf mehrere hundert Millionen. Auch gegnerische Anwälte muss VW bezahlen – zum Beispiel 175 Millionen Dollar an Juristen, die in den USA die 475.000 Auto-Besitzer mit manipulierten 2,0-Liter-Motoren vertreten hatten.

Quelle: Reuters

+++ Pötsch: Dieselkrise ist noch nicht vorbei +++
Volkswagen hat zwar einen großen Teil der Dieselkrise hinter sich gelassen, doch erledigt ist die Affäre damit noch lange nicht. „Die Dieselkrise hat das Jahr 2016 noch maßgeblich geprägt“, sagt VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

+++ Deutlich weniger Aktionäre dabei +++

Am Buffett ging es zunächst ruhiger zu als in den Vorjahren. Martin Murphy

Geringere Teilnehmerzahlen

Am Buffett ging es zunächst ruhiger zu als in den Vorjahren.

Für die Hauptversammlung haben sich etwa 5000 Aktionäre bei Volkswagen angemeldet. Das ist deutlich weniger als vor einem Jahr, als es noch rund 7000 waren. Der Hintergrund: Die Dieselaffäre verliert langsam ihren Schrecken, auch bei den Aktionären. Das Interesse an der Hauptversammlung nimmt ab, weil der Konzern langsam aus der Dauerkrise herauskommt.

+++ Hoher Aufwand für die Hauptversammlung +++
140 Lkw-Ladungen wurden nach Hannover gebracht, neun Aufbau- und vier Abbautage sind notwendig für die eintägige Veranstaltung. Für die IT wurden 10.000 Meter Kupfer- und Glasfaserkabel verlegt, dazu kommen 48.000 Meter Kabel für die Lichttechnik, 5500 Meter Strom-Hauptanschlusskabel, 1730 Scheinwerfer und 125 stationäre Displays.

Kommentare (2)

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Frau Annette Bollmohr

10.05.2017, 16:26 Uhr

@Herr Hofmann Mark, 10.05.2017, 14:37 Uhr

Jedenfalls bin ich, im Gegensatz zu Ihnen, im Niveau nicht so tief gesunken, dass ich hier fremde Leute duze.

Sowas ist bei uns normalerweise nur in Schule und Kindergarten üblich.

Herr Marc Hofmann

10.05.2017, 17:14 Uhr

Ach die Anette, was hast Du blos für ein Problem?

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