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09.12.2011

22:08 Uhr

Ölkonzern TNK-BP

Schröder tritt als Aufsichtsrat zurück

Altbundeskanzler Gerhard Schröder verlässt wegen eines Aktionärskonflikts als unabhängiger Aufsichtsrat beim russisch-britischen Ölkonzern TNK-BP. Und er ist offenbar nicht der einzige Kontrolleur, der hinschmeißt.

Altkanzler Gerhard Schröder. dapd

Altkanzler Gerhard Schröder.

Moskau/BerlinDas bestätigte Schröders Büro am Freitagabend. Der SPD-Politiker war im Januar 2009 in den Aufsichtsrat berufen worden.

Dort sollte er mit zwei anderen unabhängigen Direktoren Pattsituationen zwischen den gleich starken Partnern des Gemeinschaftsunternehmens - dem britischen Multi BP und dem russischen Oligarchenkonsortium AAR - verhindern. Der unabhängige Aufsichtsrat James Leng, früher Manager des Bergbaukonzerns Rio Tinto, hat angeblich ebenfalls das Gremium verlassen. Das sagten zwei dem Unternehmen nahestehende Personen.

Die Staatsagentur Ria Nowosti meldete, Schröder und Leng hätten ihren Entschluss in einer Aufsichtsratssitzung am Freitag mitgeteilt. Die Agentur Interfax meldete unter Berufung auf „mehrere Quellen“, die Ursache liege offenbar in einem Aktionärsstreit, in dem die beiden unabhängigen Vertreter nicht Partei ergreifen wollten.

TNK-BP ist ein Gemeinschaftsunternehmen des britischen Konzerns BP und mehreren russischen Milliardären, die sich im Konsortium AAR zusammengeschlossen haben. Die Aktionärsgruppen liegen im Streit, weil BP auch mit dem TNK-BP-Rivalen Rosneft zusammenarbeiten wollte. AAR sieht darin eine Vertragsverletzung und hatte vor einigen Monaten einen milliardenschweren Deal zwischen BP und dem russischen Ölkonzern verhindert. Ein TNK-BP-Aktionär macht BP deshalb für einen Verlust von fast zwei Milliarden Euro verantwortlich.

Schröder leitet weiterhin den Aktionärsausschuss des von Russland dominierten Betreiberkonsortiums der Ostseepipeline Nord Stream mit Sitz in der Schweiz.

Kreisen zufolge sollte der Aufsichtsrat von TNK-BP am Freitag darüber beraten, entweder BP oder AAR wegen einer Vertragsverletzung zu verklagen. Wichtige rechtliche Schritte müssen von dem Gremium gebilligt werden.

Kommentare (4)

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Wutbuerger

09.12.2011, 22:26 Uhr

Sobald es in Rußland ungemütlich wird, ist für Putins Gasableser bestimmt eine gehobene Parteifunktion in der SPD frei. Soll heißen, wir haben ihn bald zurück.

leser

09.12.2011, 23:17 Uhr

was nicht zu vermuten stehen dürfte.

lesers_ps

10.12.2011, 00:12 Uhr

desweiteren:
Schröder hatte den bad boy gegeben: angesichts des Fiaskos, das die Vorgänger-Administration (und es wäre unfair einem Schreiber lediglich Parteigängerschaft zu unterstellen) hinterlassen hatte.

Das war alles andere als ein Witz in die "Fußstapfen einer geistig moralischen Wende" zu treten.

So gesehen, nur so gesehen, war die Schröder-Administration so etwas wie ein Luftholen.

Vielleicht erklärt das Aporien, wie sie heute erscheinen könnten.

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