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13.04.2012

15:16 Uhr

100 Jahre Titanic

Das Geschäft mit dem Untergang

VonLukas Bay

Vor genau 100 Jahren sank die Titanic im Nordatlantik. Bis heute wird der berühmteste Untergang der Menschheit gnadenlos vermarktet. Regisseure, Städte, Restaurants: Wer am meisten Kapital aus der Katastrophe schlägt.

Der Titanic-Film von James Cameron kehrt zum Jahrestag als 3D-Version in die Kinos zurück.

Der Titanic-Film von James Cameron kehrt zum Jahrestag als 3D-Version in die Kinos zurück.

DüsseldorfAm Wrack der Titanic, 3.745 Meter tief im Nordatlantik, werden Taucher von einem Schild begrüßt: „Jeder der nach uns hierher kommt, möge diesem Schiff seinen Frieden lassen“. Ein frommer Wunsch des amerikanischen Archäologen Robert Ballard, der das Schild 1986 auf einem Tauchgang angebracht hatte. Ihren Frieden hat die Titanic seither trotzdem nicht gefunden. Auch 100 Jahre nach dem Untergang wird die Katastrophe noch offensiv vermarktet.  

Jedes Accessoire wird zu Geld gemacht. Geschäftstüchtige Hersteller verkaufen Seife, Geschirr und sogar die Original-Kohle von der Titanic. Die alte Geschichte vom unsinkbaren Schiff, das an einem Eisberg zerschellt, übt bis heute eine morbide Faszination aus. Dabei wurde kaum eine Tragödie öfter erzählt: In mehr als 3.000 Büchern, mindestens zehn Spielfilmen, unzählbaren Dokumentationen und sogar einer Daily Soap ist der Untergang Kulisse. Seit 100 Jahren sinkt die Titanic immer und immer wieder. 

Zahlen und Fakten zur „Titanic“

Rekord

Die „Titanic“ ist bei ihrem Stapellauf 1911 das größte Schiff der Welt - 269 Meter lang, 28 Meter breit und 53 Meter hoch. Die Maschinenleistung liegt bei 51 000 PS. Der Bau der „Titanic“ kostet zehn Millionen Dollar - das entspricht heute einer Kaufkraft von rund 160 Millionen Euro. In ein Alarmsystem hat die britische Reederei White Star Line nicht investiert. Die „Titanic“ gilt als „unsinkbar“.

Luxusdampfer

Die luxuriöse Ausstattung der Ersten Klasse ist den Erbauern der „Titanic“ besonders wichtig. Nur Millionäre können sich eine Suite leisten. Sie zahlen für die Fahrt von England nach New York 4400 Dollar - das entspricht heute rund 70 000 Euro.

Passagiere

Seit dem Untergang der „Titanic“ gibt es unterschiedliche Angaben über die Anzahl der Reisenden und auch der Toten. Das britische Parlament geht im Jahr 1912 von 2224 Passagieren aus, darunter fast 900 Besatzungsmitglieder. Nach einem Bericht des Parlaments aus dem Jahr 1912 werden 711 Menschen gerettet, 1513 sterben.

Rettungsboote

Auf der „Titanic“ gibt es 20 - für 1200 Personen. Die Zahl der Boote richtet sich damals nicht nach der Zahl der Passagiere, sondern nach dem Schiffsgewicht. Die Reederei hätte noch mehr Boote einsparen dürfen.

Pannen

Die Matrosen im Ausguck der „Titanic“ haben keine Ferngläser - und sehen den Eisberg auch deshalb zu spät. Trotz Eis-Warnung anderer Schiffe beordert der Kapitän keine zusätzliche Eis-Wache an den Bug. Bei der Evakuierung des Schiffes deuten einige Offiziere den Befehl „Frauen und Kinder zuerst“ als „nur Frauen und Kinder“ - einige Rettungsboote werden halb leer ins Wasser gesenkt. Die unteren Decks können ohne Alarmanlage nur schlecht informiert werden. Auch deshalb gibt es unter Dritte-Klasse-Passagieren besonders viele Tote.

Untergang

Die „Titanic“ läuft am 14. April gegen 23.40 Uhr auf Eis, am 15. April gegen 2.20 Uhr versinkt sie. Bis zur letzten Minute spielt die Bordkapelle auf Anweisung heitere Stücke. Alle Musiker sterben.

Kaum Hilfe

Das Schiff „SS Californian“ ist dem Unglücksort besonders nah. Sein Kapitän erfährt aber nichts von dem Notruf, wohl weil sein Bordfunker dienstfrei hat und schläft. Das erste Schiff, das die Unglücksstelle erreicht, ist gegen 4.00 Uhr morgens die „Carpathia“. Da sind alle Passagiere im Wasser lange erfroren.

Wrack

Die Überreste der „Titanic“ werden erst am 1. September 1985 in 3800 Meter Tiefe entdeckt - 13,5 Meilen (knapp 22 Kilometer) von der Position entfernt, die die „Titanic“ bei ihren Notrufen angegeben hat.

Letzte Zeugin

Am 31. Mai 2009 stirbt mit Millvina Dean die letzte Überlebende des Unglücks. Sie war eines von zwei Babys an Bord.

Und meistens singt dazu Celine Dion. Sie hat den Titelsong zur wohl berühmtesten Verfilmung des Untergangs geschrieben: Der tragischen Geschichte von Rose und Jack, gespielt von Kate Winslet und Leonardo di Caprio. Mit 200 Millionen Dollar war Titanic der damals teuerste Film der Kinogeschichte und trotzdem ein wirtschaftlicher Erfolg für Regisseur James Cameron: 1,8 Milliarden Dollar spielte der Film ein. Auch die Musik zum Film brach alle Rekorde. „My heart will on“ eroberte in mehr als 20 Ländern die Nummer Eins – und ist bis heute die erfolgreichste Single der kanadischen Sängerin. 

Zum Jubiläum ist der Film in die Kinos zurückgekehrt – diesmal als 3D-Version. 18 Millionen Dollar hat allein die Überarbeitung gekostet. Zum Vergleich: Der bisher erfolgreichste Film im Jahr 2012, die französische Komödie „Ziemlich beste Freunde“, kostete nur 9,5 Millionen Dollar. Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Produzenten.

Auf dem Kurs der Titanic

Video: Auf dem Kurs der Titanic

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Kommentare (9)

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yoski

13.04.2012, 15:52 Uhr

Die Leichenfledderer haben Hochkonjunktur. Erstaunlich das die rechtliche Situation erlaubt den ganzen Krams der geborgen wurde zu versteigern. Das gehoert denen doch gar nicht sondern den rechtlichen Nachfolgern der White Star Lines oder der Passagiere. Weiss jemand mehr darueber?

Forenfux

13.04.2012, 16:11 Uhr

Was ich mich immer frage; warum hat man nicht wenigstens versucht mit den Rettungsbooten einige Passagiere auf dem vermutlich in der Nähe treibenden Eisberg abzusetzen?

Dann hätte man deutlich mehr Leute retten können.

Account gelöscht!

13.04.2012, 16:47 Uhr

Eisberg != Eisscholle

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