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10.08.2011

11:53 Uhr

11.000 Stellen fallen weg

Energieriese Eon streicht fast jede siebte Stelle

VonTino Andresen

Viele Dax-Konzerne legen zum Halbjahr Rekordzahlen vor. Doch die Energiekonzerne leiden unter dem Atomausstieg. Branchenführer Eon streicht nun massiv Stellen. Auch für Anleger hat der Konzern schlechte Nachrichten.

Baustellenschild vor der Zentrale der Eon-Tochter Ruhrgas: Der Energieversorger will bis zu 11.000 Stellen streichen. Quelle: dpa

Baustellenschild vor der Zentrale der Eon-Tochter Ruhrgas: Der Energieversorger will bis zu 11.000 Stellen streichen.

DüsseldorfDeutschlands größter Energieversorger Eon ist im zweiten Quartal unter dem Strich erstmals seit dem Zusammenschluss von Veba und Viag vor elf Jahren in die roten Zahlen gerutscht und zwar mit 382 Millionen Euro. Und das ist bei weitem nicht die einzige schlechte Nachricht des Konzerns aus Düsseldorf. Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am Mittwoch kassierte er die Prognose für das Gesamtjahr. Statt mit einem bereinigten Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von bisher 10,7 bis 11,4 Milliarden Euro rechnet Eon jetzt nur noch mit 9,1 bis 9,8 Milliarden Euro. Das ist noch weniger als die von Analysten durchschnittlich erwarteten 10 Milliarden Euro. Die Prognose für den bereinigten Überschuss wurde von bisher 3,0 bis 3,7 Milliarden Euro auf jetzt 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro reduziert.

Das Dividendenziel für 2011 hat der Konzern wie von Experten prophezeit auf 1,00 Euro gesenkt, für 2012 auf 1,10 Euro. Eon hatte bisher für beide Jahre mindestens je 1,30 Euro garantiert; das war allerdings vor der Atomkatastrophe in Japan.

Die schlechte Entwicklung hat massive Folgen für die Arbeitnehmer: Eon prüft, weltweit bis zu 11.000 Stellen zu streichen, vor allem im Verwaltungsbereich. Das Düsseldorfer Unternehmen beschäftigt insgesamt noch rund 79.000 Mitarbeiter. Die Überlegungen sollen in den kommenden Wochen konkretisiert werden, die Entscheidungen im Aufsichtsrat im Herbst fallen. Betriebsbedingte Kündigungen schließt Eon explizit nicht aus. Auf Grund einer Betriebsvereinbarung können diese aber frühestens 2013 erfolgen.

Auch Deutschland dürfte betroffen sein: „In den letzten Jahren ist es trotz zahlreicher Anstrengungen nicht gelungen, unsere Verwaltung zu vereinfachen. Wir müssen aber einfachere, transparentere und weniger kostenintensive Strukturen schaffen, wenn wir künftig am Markt bestehen wollen. Wir können uns, nicht nur, aber vor allem in Deutschland keine unnötigen Führungsebenen, Abläufe und Doppelarbeit leisten“, erklärte Teyssen in einer Mitteilung des Konzerns. Der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zufolge soll der Abbau zu 60 Prozent in Deutschland erfolgen.

Schon zuvor war bekannt geworden, dass Eon erwägt, drei Standorte in Hannover, Essen und München zu schließen. Dabei haben die Ruhrgas-Mitarbeiter erst im vergangenen Oktober eine luxuriöse neue Zentrale in Essen für 200 Millionen Euro bezogen. Die Düsseldorfer wollen die Konzernkosten bis spätestens 2015 um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr senken.

Damit schwenkt Eon nach der Atomwende der Bundesregierung auf einen harten Sparkurs ein. Die notwendigen Einsparungen ließen sich durch die Verringerung der Sachkosten allein nicht erreichen, teilte der größte deutsche Versorger mit. Den Konzern drücken Schulden von 33,6 Milliarden Euro.

Kommentare (26)

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watchdog

10.08.2011, 08:05 Uhr

Die Zahlen "schwarz-auf weiss" belegen, dass "gruen" seinen Preis hat. Zudem werden dann bald die Arbeitslosen sich nur noch das Fahrrad leisten koennen, was "Gruen" wiederum freut.

Jean

10.08.2011, 08:16 Uhr

Und Sie dachten alles wäre kostenlos ? Wenn man Geld und Wesen vernichtet, dann muss man auch annehmen, dass dies Konsequenten haben kann. Wenn die Entscheidungsträger wussten, dass die deutsche Ingenieurwesen und Atomindustrie den besten Ruf Weltweit genossen hat...
Es ist einfach alles traurig alles von Ausland zu beobachten.
Jean

simplicianus

10.08.2011, 08:22 Uhr

Die Zahlen belegen nur, welch riskantes Spiel die Atomenergie darstellt. Die Risiken für die Gesellschaft noch gar nicht mit eingerechnet.

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