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31.01.2011

07:48 Uhr

125 Jahre Automobil

„Die Welt wartet nicht auf deutsche Ideen“

VonCarsten Herz , Martin-Werner Buchenau

Die deutschen Autobauer blicken auf eine ruhmreiche Historie zurück. Zum 125. Geburtstag des Automobils will Bundeskanzlerin Merkel trotzdem keine feierliche Stimmung aufkommen lassen. Mit deutlichen Worten nimmt sie die Autobauer bei der Feierstunde in Stuttgart in die Pflicht.

Angela Merkel besucht Daimler-Chef Zetsche zum 125-jährigen Jubiläum des Automobils, dpa

Angela Merkel besucht Daimler-Chef Zetsche zum 125-jährigen Jubiläum des Automobils,

STUTTGART/FRANKFURT. Daimler-Chef Dieter Zetsche steht im Foyer des Mercedes-Museums in Stuttgart. Der Hausherr erwartet zum Festakt für den 125. Geburtstag des Automobils hohen Besuch. Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt im Hosenkostüm, das Samt-Sakko farblich passend zum roten Teppich.

Ein paar Fotos vor der Prototypen-Studie F800, mit der Daimler zeigt, wohin die automobile Reise gehen soll, das motorisierte Dreirad von Carl Benz im Hintergrund. "Die Geburtsstunde des Automobils war eine Sternstunde", sagt die Kanzlerin später vor 1400 Gästen.

Keine Sternstunde waren die Irrtümer, die große Männer der Politik mit dem Automobil produzierten. US-Präsident Barack Obama etwa schlug bei seiner Amtseinführung die Erfindung des Automobils den USA zu, auch, um die hohen Finanzhilfen zu rechtfertigen.

Ein peinlicher Fehler, erfunden wurde das Auto in Deutschland. Carl Benz reichte am 29. Januar 1886 sein "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" unter der Patentnummer 37435 beim damaligen Berliner Patentamt ein, nur wenige Monate danach montierte sein späterer Mitstreiter Gottlieb Daimler einen Verbrennungsmotor in eine Kutsche. Kaiser Wilhelm II. gab der Idee keine Chance. "Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung", verkündete er. "Ich glaube an das Pferd."

Heute weiß jeder, die Geschichte ging anders aus. Die Tour von Benz' Ehefrau Bertha zwei Jahre später von Mannheim nach Pforzheim mit den beiden Söhnen Richard und Eugen mit dem unbequem-ruckeligem und unzuverlässigem Gefährt ihres Mannes markiert den Beginn der spektakulärem Erfolgsgeschichte der Autoindustrie.

Zu Ehren von Carl Benz eröffnete Zetsche die Gala mit Jutta Benz, der Urenkelin des Autopioniers. Benz träumte den großen Traum einer allumfassenden Mobilität. Er fantasierte von Lokomotiven ohne Schienen, die frei über Straßen und Felder rollen. Eine Idee, die die Welt revolutionierte und zum Wegbereiter des 20. Jahrhunderts wurde. Selbstständig bewegen - das ist die Bedeutung des Wortes Automobil.

Die rasante Verbreitung veränderte das Leben und ließ die Entfernungen zwischen Städten und Ländern schrumpfen. Zetsche nennt das in seiner Rede "Wohlstand durch Räder. Die technischen Grundlagen dafür legten vor allem deutsche Tüftler bereits in den ersten Jahrzehnten.

Eine Königsidee liefert etwa Robert Bosch 1902 mit seiner Hochspannungszündung, die den Explosionsmotor auf Touren bringt. Bosch wurde damit zum Pionier im Bau elektronischer Ausrüstungen für Automobile.

Kommentare (3)

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Nörgler

31.01.2011, 10:44 Uhr

Heute weiß jeder, das Auto kann nur eine vorübergehende Erscheinung sein, sollte keine alternative Antriebsform als die mit fossilen Rohstoffen gefunden werden.

Merkel behindert Automobilwirtschaft

01.02.2011, 00:44 Uhr

125-Jahre Automobiler Fortschritt

Autokunden kaufen seit Jahrzehnten Öko-Autos mit Niedrigstverbräuchen in großen Stückzahlen: Mercedes A-Klasse, VW Fox und Golf, Opel Corsa, Ford Fiesta, bMW Mini, Smart ForTwo, Audi A3 und weitere. Diese Autos haben alle bei der verfügbaren Ökomotorisierung unter 5l Verbrauch im NEFZ-Zyklus (entspricht 120g CO2).

Wenn diese sparsamen Autos allerdings im Stau stehen, emittieren sie fast doppelt so viel CO2 (statt 120g etwa 200g CO2). Der Verkehr hat sich seit 20 Jahren in der bRD nahezu verdoppelt, das Strassennetz ist jedoch kaum gewachsen und wir erleben täglich landesweite Stausituationen. Sollte dann nicht zuerst der aus ökologischen und ökonomischen Überlegungen entstandene Dringlichkeitsplan für den Ausbau des Fernstrassennetzes in der bRD umgesetzt werden, damit der Verkehr wieder fliesst?

An der Gesamt- CO2- Emission weltweit haben KFZ einen Anteil von weniger als 15% (laut bMU). Der Anteil der CO2-Emission bei der Stromerzeugung in Großkraftwerken mit fossilen Kraftstoffen beträgt mehr als das Dreifache (laut bMU). Sollten wir dann nicht schnellstmöglich auch in der bRD wieder zur CO2- freien Kernenergie, in der wir mal Technologieführer in Leistung und Sicherheit waren, als Zieltechnologie zurückkehren?

Die schnellstmögliche Rückkehr zur Kernenergie in der bRD ist allein schon aus Wettbewerbsgründen notwendig, da dies in allen führenden industrienationen (USA, Canada, Japan, Russland, China etc.) weltweit bereits geschieht. Der in Deutschland von der “Links-Grünen-Laien“-Politik eingeschlagene Weg der mittelfristigen Abschaltung unserer KKWs führt aus Gründen der stark eskalierenden Energiekosten in kurzer Zeit zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit in der bRD bei der Herstellung aller energieintensiven industrieprodukte und Konsumgüter. Die Folgen für die Arbeitsplätze in Deutschland wären verheerend.

Es führt kein Weg am raschen Ausbau neuer, mit höchsten Sicherheitsstandards ausgestatteten KKWs vorbei. Die Lagerung verbrauchter Kernbrennstäbe in Castor- (cask for storage and transport of radioactive material) -behältern, die z. b. mit einem langfristig nutzbaren Tauschkonzept für strahlengeschädigte behälterwände ausgestattet sind, ist eine von mehreren sinnvollen Möglichkeiten. Auch ein weltweit betriebenes Endlagerprojekt, das über einen internationalen Gemeinschaftsfonds aller Nutzer finanziert werden könnte, ist hier zielführend. Dafür sollte sich die deutsche bundesregierung endlich einsetzen.

Wäre es nicht noch ökologischer, die dann länger verfügbaren fossilen Kohlenstoffressourcen ausschliesslich für den mobilen Verkehr (KFZ, Flugzeuge und Schiffe) und für Produkte der Kohlenstoffchemie (Kunststoffe, Medikamente etc.) zu reservieren, da es hier keine brauchbaren Alternativen gibt, statt diese ökofeindlich bei der Stromerzeugung in Großkraftwerken oder bei der Wärmeerzeugung in Heizanlagen zu verbrennen?

Elektro-Autos und der Stau

01.02.2011, 16:04 Uhr

@ Merkel behindert....

Volle Zustimmung! Es fehlt am notwendigen Ausbau der verkehrs- infrastruktur, für die Frau Merkel zuständig ist. Sie gibt die verkehrsbedingten Steuereinnahmen, ca. 55 Mia. EURO jährlich für zweckfremde Projekte aus, die der Autofahrer einseitig bezahlt (warum eigentlich?) und so steht bald die gesamte Automobilwirtschaft im Stau !

Und alle E-Auto Fans sollten auch mal bedenken, dass E-Autos im Stau - wenn der Antriebsmotor stillsteht - auch belüftet und klimatisiert werden müssen: das kostet mindestens so viel Energie wie während der Fahrt....am wenigsten Energie wird verbraucht, wenn der Verkehr im Verbrauchsminimum (zwischen 90 und 120 km/h) fliesst!

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