Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.05.2011

14:42 Uhr

125 Jahre Coca-Cola

Vom Geheimgebräu zum Weltgetränk

VonKatja Ridderbusch

Es begann mit einer Tinktur aus Kokablättern, Kolanüssen, ätherischen Ölen und Wein. Dieser Tage feiert Coca-Cola sein 125-jähriges Jubiläum. Es gibt Grund zu feiern: Der Konzern steht so gut da wie lange nicht mehr.

Das perlt: Coca-Cola ist seit Jahrzehnten eine der bekanntesten Marken der Welt. Quelle: dpa

Das perlt: Coca-Cola ist seit Jahrzehnten eine der bekanntesten Marken der Welt.

AtlantaDas Reich des Phil Mooney ist ein Keller, klimatisiert und neonlampenhell. Ein Labyrinth aus Regalen, Metallschränken und Schubladentürmen, in denen mehr als 100.000 Exponate lagern: Dokumente, Grafiken, Gemälde, Blechschilder, Aschenbecher, Sandwicheisen. Und: Flaschen, viele bauchige Flaschen. Alle mit dem berühmten, geschwungenen Schriftzug.

Phil Mooney ist Chefarchivar von Coca-Cola. Sein Reich befindet sich am Firmensitz in Atlanta. In diesen Tagen empfindet Mooney, der seit 34 Jahren über die kostbaren Memorabilia wacht, besonderen Stolz. Denn am 8. Mai feiert Coca-Cola seinen 125. Geburtstag.

Nur ein Dokument wird der Besucher im Firmenarchiv von Coke vergeblich suchen: das Originalrezept der braunen Brause, die wohl geheimste Formel der Welt. "Bestimmte Dinge", sagt Mooney und lächelt mit flinken, blitzblanken Augen, "sind besser in einem Safe aufgehoben." Und dort soll die Formel angeblich auch lagern, im Keller der Sun Trust Bank in Atlanta.

An seinem Geburtstag steht Coca-Cola so gut da wie lange nicht mehr. Im ersten Quartal steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um 40 Prozent auf 10,5 Milliarden Dollar, den Nettogewinn um 18 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar. Bereits das Jahr 2010 hatte Coke Wachstum beschert. "Es war ein gutes Quartal für Coca-Cola", sagt Jack Russo, Analyst beim US-Investmenthaus Edward Jones. "Die Erwartungen an Coke sind hoch."

Die Wahrheit über Coca-Cola

Unglaubliche Mengen

Kein Wunder: Jedes Jahr werden auf der Welt 145 Milliarden Liter Cola-Produkte getrunken. Das entspricht der Menge an Kraftstoff, die der Ölriese Shell verkauft, oder der doppelten Menge an Abwässern, die die Stadt Düsseldorf jährlich produziert (inklusive Regenwasser).

Die Zähne

Cola-Junkies erkennt man am Gebiss. Das Getränk gehört zum Schlimmsten, was man seinen Zähnen antun kann. In einem Liter sind 106 Gramm Zucker, so viel wie 35 Würfel.

Warum Zähneputzen nichts hilft

Der Anteil an Phosphorsäure macht alles schlimmer, denn die Substanz greift die Zähne an. Putzen hilft kaum, vor allem nicht direkt nach dem Genuss. Denn dann ist der Zahnschmelz schwach, die Bürste schabt ihn ab, Karies hat freie Bahn.

Wer wie viel trinkt

Deutsche trinken jährlich 40 Liter davon, Amerikaner 200 Liter.

Legendenbildung

In 125 Jahren, die das Getränk auf dem Buckel hat, ist ein wahrer Katalog an Märchen, Legenden und Fabeln entstanden, vom physikalischen Unsinn bis zur Verschwörungstheorie. Angesichts des gewaltigen Ausstoßes und der großen, mit Koffein und Zucker aufgeputschten Zielgruppe ist klar, dass nicht alles stimmt, was über Cola kursiert.

Zersetzt Cola Fleisch?

Quatsch ist zum Beispiel, dass die Brühe in der Lage sei, Fleisch zu zersetzen – und also auch die Magenwand auflöst. Zahlreiche Experimente von interessierten Nutzern haben gezeigt, dass selbst nach nächtelangem Einlegen das Fleisch noch da ist. Wenn auch weniger appetitlich als vor der Behandlung (aufgedunsen und grau).

Explosive Mischung

Richtig ist hingegen, dass Mentos und Cola eine explosive Mischung machen. Auch hier haben geschätzte zehn Millionen Versuche mit anschließender Sauerei eine klare Kausalität offen gelegt: Schmeißt man Mentos rein, schießt Cola raus. Allerdings handelt es sich weniger um einen chemischen, als vielmehr einen physikalischen Prozess. An der runden Oberfläche des Kaubonbons lagert sich Kohlensäure ab, bis die Fontäne spritzt (mit Cola Light funktioniert’s besser, weil mehr Kohlensäure drin ist).

Schwache Knochen

Es stimmt auch, dass Cola die Knochen schwächt. Manche sagen, es liegt am Phosphat, andere sagen, es liegt am Koffein. Eine Studie der Uni Harvard hat gezeigt, dass Sportlerinnen sich fünfmal so oft die Knochen brechen, wenn sie viel Cola trinken. Auch in Zukunft wird Coca-Cola also nicht nur das Geschäft der Zahnärzte, sondern auch der Orthopäden fördern. Experten von Goldman Sachs rechnen jedenfalls mit weiter wachsenden Geschäften des Konzerns. Cola-Junkies wird's freuen.

Die Geschichte von Coca-Cola begann in Jacob's Pharmacy in Downtown Atlanta. Hier braute der Apotheker, Bürgerkriegsveteran und Morphinist John Pemberton im Jahr 1886 eine Tinktur aus Kokablättern, Kolanüssen, ätherischen Ölen und Wein, die er zunächst "French Wine Coca" taufte. Doch als die Prohibition über Atlanta kam, musste Pemberton ohne Wein auskommen. Übrig blieb: Coca-Cola. Den mit Sodawasser vermischten Sirup schenkte er in marmornen Brunnen aus, als Medizin gegen Müdigkeit, Kopfschmerzen, Impotenz und Depressionen. Nach Pembertons Tod im Jahr 1888 erwarb der Drogist Asa Candler die Rechte an dem Rezept und gründete 1892 die Coca-Cola Company.

"Was Coca-Cola seit seinen Anfängen so einzigartig macht, ist die Werbung", sagt Mark Pendergrast, Autor der Firmenbiografie "Für Gott, Vaterland und Coca-Cola". Die Kampagnen seien originell, mit Gespür für den Zeitgeist. Bereits 1913 war Coca-Cola das am meisten beworbene Produkt in den USA. Seit 1929 wird Coke auch in Deutschland abgefüllt.

Doch erst der Zweite Weltkrieg machte den Softdrink zu einer globalen Marke. 248 Coca-Cola-Angestellte zogen mit der US-Armee durch Europa und Asien und bauten Abfüllanlagen. So konnte der damalige CEO Robert Woodruff das patriotische Versprechen geben, dass jeder GI, wo auch immer er kämpfe, eine Flasche Coca-Cola für fünf Cent erwerben könne - das war der ursprüngliche Preis für ein Glas in Pembertons Apotheke.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Nachwuchs

06.05.2011, 19:16 Uhr

Obwohl ich fast nur Coca-Cola trinken, war nach meiner Erinnerung der Geschmack in den 50/60er Jahren viel besser. Mein Wunsch: Man kehrt zu damals zurück. Auch habe ich den Eindruck von mangelnder gleichbleibender Qualität ( 1 l schmeckt manchmal anders als aus 1,5 bzw. 2 l Flaschen ).

Account gelöscht!

06.05.2011, 22:41 Uhr

Man trinkt auch nicht aus der Flasche, sondern aus gekühlten Gläsern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×