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23.08.2012

11:59 Uhr

150 Jahre

Opels trauriger Geburtstag

VonLukas Bay

Vor 150 Jahren gründete Adam Opel in Rüsselsheim einen Nähmaschinenhersteller, der rasch zum erfolgreichsten Autobauer Europas wurde. Doch die große Party fällt aus. Heute hat Opel Kurzarbeit beschlossen.

Opels ungewisse Zukunft

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Düsseldorf/RüsselsheimWas war das für ein Fest, am 22. September 1987: Im Rüsselsheimer Theater feierte Opel damals sein 125-jähriges Jubiläum, die Spider Murphy Gang spielte ihre Hits „Skandal im Sperrbezirk“ und „Schickeria“ – und sogar der damalige Kanzler Helmut Kohl schaute in einem Opel Torpedo von 1911 auf einen Besuch vorbei. Hätte Firmengründer Adam Opel, der an diesem Tag 150 Jahre alt geworden wäre, dabei sein können: er hätte mit Stolz auf einen selbstbewussten Konzern geblickt.

Damals - nach sechs ertragsschwachen Jahren - hatte die Zuversicht wieder Einzug gehalten in Rüsselsheim. Mit einem Marktanteil von 15,6 Prozent war man dem großen Rivalen Volkswagen auf den Fersen. Die neuen Modelle Senator B und Omega versprachen eine bessere Zukunft. Heimlich schielte man sogar auf das Premiumsegment, dachte wehmütig an die große Vergangenheit mit Modellen wie dem Kapitän, Admiral und Diplomat. „Wir wollen unsere Produkte auch vor dem Tennis- oder Golfklub sehen“, tönte der damalige Opel-Chef Horst W. Herke damals. 1987, da waren sich die Opelaner sicher, würde zum Jahr werden, das die Wende bringt. Es folgte das beste Ergebnis seit acht Jahren.

Das jahrelange Ringen von Opel

2001

Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss das Handtuch werfen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, mit dem europaweit angelegten „Restrukturierungsprogramm Olympia“ die Tochter des US-Autobauers General Motors (GM) wieder profitabel zu machen.

2004

GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter vor, der den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen vorsieht - davon bis zu 10.000 in Deutschland. Die Arbeiter im Bochumer Werk legen aus Protest spontan die Arbeit nieder.

2005

Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen „Zukunftsvertrag“, der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.

2008

Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.

2009

Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.

2010

Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48.000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.

2011

Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.

2012

Während GM in Nordamerika einen Rekordgewinn einfährt, verbucht der Konzern in Europa einen Verlust von mehreren hundert Millionen Euro. Das Europageschäft besteht überwiegend aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall.

25 Jahre später ist von der Zuversicht der Opelaner wenig übrig geblieben: Zum 150-jährigen Jubiläum wird es keine Feierlichkeiten im Theatersaal von Rüsselsheim geben. Stattdessen sind kleine, regionale Feiern in den Opel-Werken geplant. Große Festreden werden nicht erwartet, keine berühmte Band spielt, die Kanzlerin ist weit weg. Und für ein teures Unterhaltungsprogramm ist kein Budget vorgesehen. Nur die Beschäftigten und „Freunde der Marke“ sind eingeladen. Ein Fest der Regionen solle das Jubiläum werden, sagt Opel. Doch die Region Rüsselsheim, in der zehntausende Arbeitsplätze von der Automobilproduktion abhängen, hat wenig Anlass zum Feiern.

Autobauer: Opel führt Kurzarbeit ein

Autobauer

Opel führt Kurzarbeit ein

Der kriselnde Autobauer hat sich mit dem Betriebsrat geeinigt. Bis zum Jahresende lassen die Mitarbeiter an den Standorten Rüsselsheim und Kaiserslautern 20 Tage die Arbeit ruhen.

Die Stimmung in der Belegschaft ist frostig. Mehrere Tage lang hatte die Opel-Führung mit Gewerkschaften und Bundesregierung über die Einführung von Kurzarbeit verhandelt. Heute dann die Einigung: Im Stammwerk Rüsselsheim und in Kaiserslautern müssen mehr als 9000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die Kurzarbeit ist ab September bis zum Ende des Jahres an 20 Tagen geplant.

Die Verkündung der Kurzarbeit erfolgt ausgerechnet an Opels Geburtstag. Im Vorfeld hatte die Gewerkschaft gedroht, dass sie den Plänen nur bei einer Aufstockung der Gehälter zustimmen würde. Auch die Führungskräfte sollten an den Sparmaßnahmen beteiligt werden. Statt einer Kampfansage an die Konkurrenz drohen Opel erneut Grabenkämpfe im eigenen Haus – während die Konkurrenz ihren Einfluss ausbaut.

Opels Marktanteile haben sich seit 1987 nahezu halbiert, liegen jetzt bei acht Prozent. Und die koreanische Konkurrenz von Hyundai und Kia macht kräftig Druck, die deutsche Nummer zwei bald zu verdrängen. Und auch aus dem eigenen Konzern wächst ein neuer Konkurrent heran: Chevrolet – die Marke, die einst Daewoo hieß und mit zweistelligen Wachstumsraten nun das Zugpferd von GM in Europa werden soll. Wer braucht dann eigentlich noch Opel?

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

23.08.2012, 10:48 Uhr

Kapitalismus ist Erfolg & Bankrott - zwei Seiten einer Medaille, untrennbar verbunden.
Man muss auch mal Firmen pleitegehen lassen, so weh es tut. Zombie-Firmen und Zombie-Banken helfen niemandem.

Ohweiohweiohwei

23.08.2012, 10:50 Uhr

Na, verpennt das Handelsblatt mal wieder QE3 in Amerika und die dadurch gerade laufende Gold und Silber-Rallye? Das es Opel schlecht geht weil es nur Autos in Europa verkauft ist ja wohl seit Jahren bekannt, gähn.

Numismatiker

23.08.2012, 11:00 Uhr

Opel wurde drch GM, d.h. durch die Amis und ihren Nonsens- Kapitalismus ruiniert. In einer funktionierenden Marktwirtschaft wäre Opel wahrscheinlich profitabel.

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