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13.04.2006

12:07 Uhr

200 Arbeitsplätze gestrichen

Philip Morris stellt Produktion von Stick-Zigaretten ein

VonGregory Lipinski

Der Zigarettenmulti Philip Morris stellt wegen in Deutschland die Produktion von Stick-Zigaretten ein. Er streicht deshalb 200 von rund 600 Arbeitsplätzen an seinem Standort in Dresden.

HAMBURG. Gerrit de Bruin, Deutschland-Chef von Philip Morris, erklärte vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten, dass vor allem Zeitarbeitskräfte vom Arbeitsplatzabbau betroffen seien. Der Tabakkonzern reagiert damit auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Es sieht vor, dass Sticks ab April künftig steuerlich wie Fabrikzigaretten behandelt werden müssen. Sie würden sich damit um mehr als die Hälfte verteuern. „Wir haben uns angesichts der steuerlichen Änderung entschlossen, Sticks nicht mehr herzustellen“, erklärt eine Firmensprecherin. Philip Morris produziert in Dresden im wesentlichen die ostdeutsche Marke „F6“. Das Unternehmen verfügt über weitere Produktionsstätten in München sowie Berlin und beschäftigt in Deutschland rund 3000 Mitarbeiter.

Auch Konkurrenten reagieren auf den Wegfall des Steuervorteils für die Steckzigaretten. So will sich der Hamburger Reemtsma-Konzern an seinen Standort in Lahr von 155 seiner 285 Mitarbeiter trennen. „Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen“, sagt ein Firmensprecher. Der Konkurrent British-American Tobacco (BAT) streicht zudem bei seiner Tochter Brinkmann in Bremen 242 Arbeitsplätze, weil sie künftig keine Steckzigaretten mehr produziert.

Damit steht der deutsche Zigarettenmarkt vor neuen erheblichen Veränderungen. „Ich gehe davon aus, dass ein Teil der rund fünf Millionen Konsumenten von Sticks künftig auf günstige Handelsmarken oder andere Feinschnitt-Produkte umsteigen wird“, meint der Philip Morris-Chef. Der Verband der Cigarettenindustrie (VDC) befürchtet hingegen, dass ein Teil der bisherigen Stick-Konsumenten möglicherweise auch zu Schmuggelware greifen. „Ich kann mir vorstellen, dass viele Stick-Raucher nun unversteuerte Zigaretten konsumieren“, meint VDC-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Hainer. In Deutschland wurden bislang jährlich rund 28 Mrd. Steckzigaretten verkauft.

Die deutsche Zigarrettenbranche dürfte auch 2006 weiter unter Druck geraten. „Der Markt der Fabrikzigaretten wird weiter rückläufig sein, allerdings nicht mehr in den Maße der letzten Jahre“, sagt Hainer. Im vergangenen Jahr war der Absatz von Fabrikzigaretten von 117 auf 95,8 Mrd. Stück eingebrochen. 2003 lag der Absatz noch bei 132 Mrd. Stück. Grund für den massiven Absatzrückgang waren insgesamt fünf Steuererhöhungen seit 2002. Zuletzt war die Tabaksteuer zum 1. September angehoben worden. Dies führte dazu, dass sich die Fabrikzigaretten um 1,2 Cent pro Stück verteuerten.

Die Absatzeinbruch hat bei den Mitarbeiterzahlen in der deutschen Zigarettenindustrie tiefe Spuren hinterlassen. So sank die Arbeitnehmerzahl von 10 300 im Jahr 2002 auf rund 8 500 Mitarbeiter Ende vergangenen Jahres.

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