Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.11.2011

17:26 Uhr

36 Schrauben fehlten

Wartungspanne bei Airbus alarmiert auch Lufthansa

Nach einer Wartung in China fehlten an einem Airbus von Air France 36 Schrauben - der Defekt blieb tagelang unbemerkt. Das gibt auch der Lufthansa zu denken. Denn sie lässt ebenfalls Flugzeuge in China warten.

Ein A-340 von Air France. AFP

Ein A-340 von Air France.

Paris/PekingDrei Dutzend Schrauben haben Wartungsarbeiter bei der Grundüberholung eines Airbus-Jets in China vergessen - die Maschine der Fluggesellschaft Air France war dennoch tagelang im Einsatz. Der vierstrahlige Airbus A340 wurde nach Entdeckung des Mangels in Boston vorübergehend aus dem Verkehr gezogen, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Freitag unter Berufung auf einen internen Untersuchungsbericht der Airline.

Ein Air-France-Sprecher bestätigte heute entsprechende Gewerkschaftsinformationen. Er betonte aber, dass die Sicherheit der Passagiere nie in Gefahr gewesen sei.

Die Maschine war am 10. November aus China zurückgekommen, fünf Tage später löste sich das Teil während eines Fluges teilweise ab. Die Gewerkschaft des technischen Flugpersonals wies darauf hin, dass vor dem Airbus bereits eine Boeing 747-400 nach einer Revision im chinesischen Xiamen ebenfalls Probleme gehabt habe. Mehrere Wände waren damals mit einer brennbaren Farbe gestrichen worden. Die Maschine musste drei Wochen am Boden bleiben, damit der Schaden behoben werden konnte.

Große Airlines lassen Flugzeuge in China warten

Neues Zentrum für Wartungsarbeiten

Mit seinen fünf größeren Luftwerften hat sich China in den vergangenen Jahren als neues Zentrum für Wartungsarbeiten etabliert. Sie müssen jeweils von amerikanischen, europäischen oder chinesischen Luftfahrtbehörden zertifiziert werden. Taikoo Aircraft Engineering (TAECO) in Xiamen, die an einem französischen Airbus drei Dutzend Schrauben vergessen hatte, ist die zweitgrößte Wartungseinrichtung.

Das Gemeinschaftsunternehmen in Xiamen wurde 1996 von einem Konsortium aus dem US-Hersteller Boeing, Cathay Pacific, Japan Airlines, Singapore Airlines, einer Tochterfirma der chinesischen Luftverkehrsbehörde CAAC und Hongkong Aircraft Engineering (HAECO) gegründet.

Zweitgrößtes Wartungsunternehmen ist schuld an Panne

Taikoo Aircraft Engineering (TAECO) in Xiamen, die an einem französischen Airbus drei Dutzend Schrauben vergessen hatte, ist die zweitgrößte Wartungseinrichtung.

Das Gemeinschaftsunternehmen in Xiamen wurde 1996 von einem Konsortium aus dem US-Hersteller Boeing, Cathay Pacific, Japan Airlines, Singapore Airlines, einer Tochterfirma der chinesischen Luftverkehrsbehörde CAAC und Hongkong Aircraft Engineering (HAECO) gegründet.

Ausländische Kundschaft

Vor allem namhafte ausländische Airlines wie Air France, Cathay Pacific oder All Nippon lassen ihre Flugzeuge dort warten. Nur ein kleiner Teil der Einnahmen stammt von chinesischen Fluggesellschaften.

Die größte Luftwerft in China

Die größte Luftwerft ist Ameco in Peking. Die Lufthansa betreibt sie seit mehr als zwei Jahrzehnten als Gemeinschaftsunternehmen mit Air China. Außer Lufthansa und Air China ist etwa die US-Gesellschaft United Airlines ein großer internationaler Kunde. In Peking können sogar die großen Airbus 380 gewartet werden. Eine größere Rolle spielen zudem Gameco in Guangzhou (Kanton) in Südchina, ein Joint Venture zwischen China Southern Airlines und Hutchinson Whampoa aus Hongkong, sowie Starco in Shanghai, das von China Eastern Airlines und Shanghai Technologies Aerospace betrieben wird.

Unqualifiziertes Personal

Da China einer der größten Wachstumsmärkte ist, hat die chinesische Luftfahrtindustrie immer Probleme, ausreichend qualifiziertes Personal anzuwerben oder auszubilden. Nach Angaben der Luftfahrtbehörde CAAC werden in den nächsten zwei Jahrzehnten mindestens 240 000 weitere ausgebildete Mitarbeiter benötigt, um die wachsende Flotte zu betreiben. Die Luftfahrtindustrie in China wachse zweimal schneller als im Weltdurchschnitt.

Den Angaben zufolge fehlten die Schrauben an der Außenverkleidung der rechten Tragfläche. Die Schrauben hätten einen Teil der Verkleidung zwischen dem rechten Flügel und dem Rumpf fixieren sollen. Bei einem Zwischenstopp in den USA bemerkte ein Mechaniker die Panne, die dann innerhalb weniger Stunden behoben wurde.

Ein Experte des europäischen Flugzeugbauers Airbus sagte: "Wenn ein Teil sich löst, gibt es immer ein Risiko, dass es einen wichtigen Bestandteil des Flugzeugs beschädigt."

Eine Air-France-Mitarbeiterin bestätigte den Vorfall von Anfang November, relativierte aber dessen Bedeutung. „Es war ein Teil der Verkleidung, die Sicherheit im Fluge war zu keiner Zeit gefährdet“, sagte Air-France-Managerin Anouk Faugères. Der Airbus sei einige Stunden am Boden eingehend untersucht worden und nach Befestigung der Verkleidung problemlos nach Paris geflogen. Das relativ leichte Teil habe weder zur tragenden Struktur gehört noch sei es Teil der Fahrgastzelle gewesen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Joachim

25.11.2011, 18:24 Uhr

Bravo, weiter so, hauptsache billig.

friendofquality

25.11.2011, 18:48 Uhr

Unfassbar, da fliegt man fast wöchentlich mit der Lufthansa im Vertrauen auf eine Wartung nach deutschen Standards und liest dann so etwas. Kostenersparnisse zu Lasten der Sicherheit sind absolut nicht tragbar !

Account gelöscht!

25.11.2011, 19:07 Uhr

Die Maschine war von Air France und nicht von der Lufthansa. Und wenn China nur Schrott produzieren wuerde, dann koennten wir diesen Text nicht lesen oder unser Handy nicht benutzen. Unfaehige Leute gibt es ueberall - erwaehne nur das Stichwort Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×