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03.04.2006

12:15 Uhr

40 Prozent höhere Verkäufe

VW berappelt sich in China

Volkswagen hat auf seinem zweitwichtigsten Markt nach Deutschland wieder Tritt gefasst. Nachdem die Verkäufe monatelang zurückgegangen waren und rote Zahlen zu Buche standen, legte der Autobauer im ersten Quartal fulminant zu. Das lag vor allem an einem neuen Modell.

Der chinesische Passat Lingyu erinnert stark an das vormalige deutsche Passat-Modell. Foto: VW

Der chinesische Passat Lingyu erinnert stark an das vormalige deutsche Passat-Modell. Foto: VW

HB FRANKFURT. Über seine beiden Gemeinschaftsunternehmen Shanghai Volkswagen und FAW-Volkswagen habe der Konzern von Januar bis März insgesamt 164 339 Fahrzeuge verkauft, teilte VW am Montag mit. Vor einem Jahr waren es nur 118 030 gewesen. Die meisten Wagen waren VWs oder Skodas, die Volkswagen unter einer Markengruppe zusammenfasst. Hier legten die Verkäufe von 109 783 auf 145 328 Autos zu. Noch wesentlich besser entwickelte sich Audi, wenn auch von einer geringen Basis. Die Premium-Marke im Konzern verdoppelte ihre Verkäufe von 8 247 auf 19 011.

Die Zahlen ließen VWs China-Chef Winfried Vahland frohlocken, musste er doch in der Vergangenheit allzu oft Rückgänge verkünden: „Wir erwarten weiteres Wachstum in den kommenden Monaten und werden unser Ziel erreichen, den Absatz im Gesamtjahr im Vergleich zu 2005 zu steigern.“ Er führte das Plus vor allem auf neue Modelle zurück.

Allein vom neuen, komplett in China konzipierten Passat Lingyu seien in den ersten drei Monaten 30 278 Stück verkauft worden. Vom Vorgängermodell – das in Deutschland für den Rest der Welt entworfen worden war – wurden im entsprechenden Vorjahreszeitraum lediglich 13 338 Einheiten abgesetzt. Dies zeige, dass VW durch den Ausbau der Entwicklungs- und Designkapazitäten vor Ort den Anschluss an den chinesischen Kundengeschmack gefunden habe, sagte Vahland.

Der chinesische Automarkt erlebt seit einigen Jahren eine deutliche Abkühlung. Immer mehr Hersteller drängen auf den weiter wachsenden Markt und bieten sich beim Kampf um den Kunden erbitterte Preisschlachten. Als Marktführer wurde Volkswagen von der Entwicklung besonders stark getroffen und musste starke Ertragseinbrüche hinnehmen. Der Marktanteil sank 2005 auf 17,3 Prozent. Von Krisenstimmung ist nun keine Spur mehr.

Im April wird VW wie bereits angekündigt den neuen Jetta unter dem Namen Sagitar in China auf den Markt bringen. Gefertigt wird das Fahrzeug beim Joint Venture mit der FAW Car Co. Größere Modifikationen für den chinesischen Markt wird es nicht geben. Das Fahrzeug ist Teil einer größeren Produktinitiative des Konzerns, der bis 2009 10 bis 12 neue Fahrzeuge in China einführen will. So will das Unternehmen aus den roten Zahlen kommen.

2005 hatte VW 2005 in China einen operativen Verlust von 119 Mill. Euro eingefahren nach einem Gewinn von 222 Mill. Euro in 2004. In diesem Jahr will der Konzern die Ertragssituation „deutlich“ verbessern. Unter anderem soll auch der Teileeinkauf in China deutlich ausgeweitet werden. Mit Zulieferern sollen bis Jahresende Verträge mit einem jährlichen Umsatzvolumen von über 1 Mrd Dollar unterzeichnet werden.

Den Optimismus von Volkswagen teilen viele Experten jedoch nicht. Erwartet werden im Autoreich weiter sinkende Gewinnspannen, neue Preiskämpfe und immer mehr Konkurrenz. Vor allem japanische Anbieter wie Toyota, Nissan und Honda, aber auch heimische Hersteller werden mit vielen neuen Modelle dieses Jahr auf den chinesischen Markt drängen. Folge sind große Überkapazitäten und noch mehr Wettbewerb.

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