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15.05.2012

17:52 Uhr

51. STÄNDEHAUS-TREFF

„Das Problem des Autos ist sein Erfolg“

VonLukas Bay

Europa steckt in der Dauerkrise, Energie- und Klimakrise beschäftigen Umweltschützer und Firmenchefs, die Bankenkrise verängstigt. Krisen, wohin man blickt. Ein Grund zum Fürchten? Nein, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart (rechts) im Gespräch mit Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche.

Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart (rechts) im Gespräch mit Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche.

DüsseldorfDen 550 geladenen Gästen beim „Ständehaus Treff“ in Düsseldorf hat Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche eine optimistische Botschaft mitgebracht: „Bleibt auch in der Krise zuversichtlich“. Beim 51. Treffen führender Unternehmer, Politiker und Künstler im ehemaligen Parlamentsgebäude des Landes Nordrhein-Westfalen sprach er über die Energiewende, die Schuldenkrise und die Zukunft des Elektroautos.

Es ist einer der seltenen öffentlichen Auftritte von Zetsche. Er meidet Talkrunden. Doch der direkte Dialog mit anderen Unternehmern sei ihm wichtig, sagt er. „Im Unternehmen versuchen wir die Folgen von Entscheidungen abzuschätzen“. In der Politik werde dieser Grundsatz aber nicht immer beherzigt. Insbesondere in der Energiekrise seien viele Entscheidungen getroffen wurde, ohne sich vorher ausreichend Gedanken über die Folgen zu machen. „Das halte ich für einen riskanten Weg.“ Und was ist das größte Risiko für sein Unternehmen? „Das Problem des Automobils ist sein Erfolg“, sagt Zetsche. Bis 2020 sollen rund 56 Millionen Autos mehr pro Jahr verkauft werden. „Klar ist, dass das nicht das Auto sein kann, das wir heute bauen.“ Um auch in Zukunft zu bestehen, müsse Daimler die Emissionen reduzieren und die Antriebart revolutionieren.

In 126 Jahren hat Daimler immer auf eine Premiumstrategie gesetzt, doch mittlerweile haben BMW und Audi die Stuttgarter sowohl im Volumen als auch bei der Rendite überholt. Für Zetsche ist das eine Ermunterung zum Besserwerden: „Die größte Motivation für Audi war immer, an Mercedes heranzureichen. Da werden viele Energien freigestellt. Dieses Glück haben wir jetzt.“ Bis 2020 will Zetsche wieder die Nummer Eins sein.

Zetsche geht dafür auch hart mit dem eigenen Unternehmen ist Gericht: „Bei der Qualität haben wir uns mehrere Jahre eine ziemliche offene Flanke geleistet.“ Bei einer Marke, die von der Qualität lebe, sei das dramatisch gefährlich gewesen. In den letzten fünf Jahren habe man intensiv daran gearbeitet und heute mit Abstand die beste Qualität unter den Premiumherstellern. Auch die Arroganz im Kundenservice gehöre der Vergangenheit an.

Beim Design habe Mercedes umgesteuert. „Premiumautos müssen Träume erzeugen“, sagt Zetsche. Der Daimler-Chef selbst verbringt pro Woche mindestens zwei Stunden im Designbereich. Jedes einzelne Fahrzeug werde von der ersten Zeichnung an mitbegleitet. Neue Modelle wie die A-Klasse und die B-Klasse seien mittlerweile wieder Autos mit Charakter.

Damit die deutsche Autoindustrie die Herausforderung der Zukunft meistern kann, bräuchten sie vor allem Innovation. Deutschland profitiere vom Wettbewerb der großen Hersteller BMW, Daimler und Audi. „Im Neckartal ist das Silicon-Valley der Autoindustrie entstanden“, sagt Zetsche. 2000 Patente entwickelt Daimler pro Jahr. Gemeinsam beherrschen die deutschen Hersteller mittlerweile 80 Prozent des Premiummarktes – und seien damit besonders wichtig für die Exportindustrie. „Es sind nicht die Polos, sondern die S-Klasse und 7er BMWs, die exportiert werden.“

Kommentare (1)

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RogerRabit1962

15.05.2012, 20:16 Uhr

In der Qualität wieder Premiumklasse??

Drei von 4 Türen bei einem 90T€ Auto nach 5 Jahren wegen Durchrostung mit 50% Kulanz getauscht?

Knapp 8% des Fahrzeugwertes pro Jahr an Reparaturen?

Wir sind so ziemlich die Letzten in der Grossfamilie die noch Sterne fahren.

Die W140 waren scheinbar die letzten ausgereiften Fahrzeuge.

Früher hat man für einen Benz mehr ausgegeben, dafür war er zuverlässig und die Ersatzteile und der Unterhalt billig.
Heute ist das Unternehmen aus unserer Erfahrung nur noch teuer.

Inzwischen fahren unsere Bekannten und Firmenkollegen Ringe.

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