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05.03.2013

12:17 Uhr

83. Autosalon Genf

Wortloser Auftakt der großen Vorsitzenden

VonSebastian Schaal, Lukas Bay

Dieter Zetsche und Martin Winterkorn halten sich beim Schaulaufen ihrer Marken zurück. Die Chefs von Daimler und VW sind mit den Gedanken woanders. Die Vertrags- und Gehaltsdiskussionen haben ihnen zugesetzt.

Martin Winterkorn, VW-Vorstandschef bei der Markenpräsentation des Konzerns am Vorabend des 83. Autosalon Genf im XL1. dpa

Martin Winterkorn, VW-Vorstandschef bei der Markenpräsentation des Konzerns am Vorabend des 83. Autosalon Genf im XL1.

GenfEigentlich hätte auf dem VW-Markenabend in Genf die Champagnerlaune regieren können können. Vier Stunden vor Beginn der Veranstaltung war der Golf mit dem begehrten Autopreis „Auto des Jahres“ ausgezeichnet worden. Mit einem kürzlich vorgelegten Rekordgewinn von 11,5 Milliarden Euro und einem Rekordabsatz von 9,3 Millionen verkauften Fahrzeugen im Rücken, hätte VW-Chef Martin Winterkorn allen Grund für einen großen Auftritt gehabt.

Doch als die große Show kurz vor der offiziellen Eröffnung des 83. Genfer Autosalons vorbei war und alle Marken ihren Auftritt hingelegt hatten, als er seine Rede von Rekordgewinnen und Werthaltigkeit beendet hatte, wollte Winterkorn nicht mehr reden. Keine Interviews. „Nix heute“, gab der Vorstandsvorsitzende den verwunderten Journalisten zu verstehen. 

Der VW-Chef war mit den Gedanken offenbar nicht bei Modellen, Rekordgewinn und dem Rekordabsatz. Die Diskussion um sein Gehalt hat Winterkorn zugesetzt. Nachdem die Höhe seiner Bezüge wochenlang in der Öffentlichkeit breitgetreten wurden, beschloss der Aufsichtsrat vor knapp zwei Wochen schließlich eine Begrenzung der VW-Managementgehälter. Winterkorn erhält für das abgelaufene Jahr 14,5 Millionen Euro. Ursprünglich hätten ihm 5,5 Millionen Euro mehr zugestanden.

Die Deckelung von Managementgehältern war auch das einzige Thema, zu dem sich Winterkorn in Genf weiter äußerte. „Die Schweiz ist die Schweiz, und Deutschland ist Deutschland“, sagte der VW-Chef zur Volksabstimmung in der Alpenrepublik. Die Menschen in der Schweiz hätten sicher ihre Gründe für die Entscheidung gehabt. „Ich glaube nicht, dass es in Deutschland dafür Gründe gibt.“

Gehälter ausgewählter Dax-Chefs 2012

Infineon - Reinhard Ploss / Peter Bauer

Zum Ende des Infineon-Geschäftsjahrs (30. September 2012) wechselte auch der Vorstandschef. Reinhard Ploss übernahm von Peter Bauer den Posten.

Bauer hatte 2011/12 insgesamt 2,9 Millionen Euro verdient und damit etwas deutlich weniger als 2011 (3,7 Millionen Euro).

Kurt Bock - BASF

Der Chef des Chemiekonzerns, Kurt Bock, verdiente mit 5,29 Millionen Euro im Jahr 2012 nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Er hatte sein Amt im Mai 2011 angetreten.

Marijn Dekkers - Bayer

Marijn Dekkers, Niederländer an der Spitze des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, hat im Jahr 2012 insgesamt 5,06 Millionen Euro verdient, nach 4,49 Millionen Euro im Vorjahr.

Stefan Heidenreich - Beiersdorf

Ende April hatte Stefan Heidenreich beim Kosmetikkonzern Beiersdorf das Amt des Vorstandschefs übernommen. Im Jahr 2012 verdiente er 2,6 Millionen Euro.

Herbert Hainer - Adidas

Das Adidas-Ergebnis fiel 2012 vor allem wegen eines schwachen Geschäfts der Marke Reebok nicht so rosig aus. Adidas-Chef Herbert Hainer verdiente 2012 insgesamt 4,18 Millionen Euro und damit 28 Prozent weniger als 2011 (5,14 Millionen Euro).

Heinrich Hiesinger - Thyssen-Krupp

Bei Thyssen-Krupp kämpft Vorstandschef Heinrich Hiesinger mit der Aufarbeitung diverser Skandale und Fehlinvestitionen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 (bis 30. September) verdiente er 3,85 Millionen Euro.

Karl-Ludwig Kley - Merck

Der Vorstandschef des Pharmakonzern verdiente 2012 insgesamt 5,52 Millionen Euro und damit fast ein Drittel mehr als 2011 (4,2 Millionen Euro).

Peter Löscher - Siemens

Der Österreicher verdiente im Geschäftsjahr 2011/2012 insgesamt 7,87 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 8,74 Millionen Euro.

René Obermann - Deutsche Telekom

Ende 2013 gibt René Obermann sein Amt an den jetzigen Finanzvorstand Timotheus Höttges weiter. Obermann verdiente 2012 insgesamt 3,78 Millionen Euro und damit nahezu unverändert so viel wie 2011 (3,85 Millionen Euro).

Wolfgang Reitzle - Linde

Der Linde-Chef hat gesagt, kein Interesse an einer Vertragsverlängerung zu haben. Im Jahr 2012 verdiente er bei dem Industriegase-Spezialisten 6,9 Millionen Euro, fast genau so viel wie ein Jahr zuvor.

Kasper Rorsted - Henkel

Der dänische Chef des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns Henkel, Kasper Rorsted, hat im Jahr 2012 insgesamt 6,18 Millionen Euro verdient, ein sattes Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,79 Millionen Euro).

Peter Terium – RWE

Zur Jahresmitte 2012 hatte Peter Terium den Spitzenposten beim Energiekonzern RWE angetreten. Er verdiente im Jahr 3,8 Millionen Euro, ein sinnvoller Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich.

Martin Winterkorn - Volkswagen

Der VW-Chef erhält rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr (2012) und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten.

Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente.

Dieter Zetsche - Daimler

Der Daimler-Vorstandschef hat im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen 8,15 Millionen Euro verdient. Das war etwas weniger als 2011 (8,65 Millionen Euro).

Quelle

Geschäftsberichte / Hostettler, Kramarsch & Partner

Doch vielmehr gab es nicht zu hören von Winterkorn. „Nix da“: Es hätte auch die Überschrift des Markenabends sein können. Die Wolfsburger boten viel Pathos, eindrucksvolle Präsentationen, große Versprechen, aber leider wenig Neues.

Normalerweise gilt der Markenabend der Wolfsburger am Vortag der Messe als ein Ort der Weltpremieren und Überraschungen. Bei der großen Präsentation der VW-Konzernmarken in der „Halle Espace Sécheron“ war dieses Jahr allerdings viel erwartbar, statt der Revolution herrschte die Evolution. Die großen Premieren spart sich der Autokonzern offenbar für die zweite Jahreshälfte auf. Immerhin findet im Herbst ja noch die IAA in Frankfurt statt.

So funktioniert die Vorstandsvergütung bei VW

Neue Regeln

Als Vorstand beim Autoriesen Volkswagen kann man Millionen verdienen. Wie hoch die Bezahlung insgesamt ausfällt und wie stark sie in schlechteren Jahren sinken kann, wird laufend neu berechnet. Das komplette Gehalt besteht dabei aus drei Komponenten.

Fixer Sockel

Dies ist der Grundbetrag, in den auch Vergütungen für die Übernahme von Ämtern in weiteren Bereichen des Konzerns, Sachzuwendungen und andere Leistungen wie Dienstwagen einfließen. Der feste Sockel ist im Verhältnis zu den variablen Gehaltsbestandteilen gering. 2011 machte er weniger als ein Siebtel der Gesamtsumme von über 70 Millionen Euro aus, die der achtköpfige Vorstand einstrich.

Langfristiger Anreiz

Dies ist der Grundbetrag, in den auch Vergütungen für die Übernahme von Ämtern in weiteren Bereichen des Konzerns, Sachzuwendungen und andere Leistungen wie Dienstwagen einfließen. Der feste Sockel ist im Verhältnis zu den variablen Gehaltsbestandteilen gering. 2011 machte er weniger als ein Siebtel der Gesamtsumme von über 70 Millionen Euro aus, die der achtköpfige Vorstand einstrich.

Boni

Die zweite variable Kategorie sind die eigentlichen Boni. Hier sahen die Aufseher Korrekturbedarf. Das Gehalt von Konzernchef Martin Winterkorn für 2011 mitsamt einer Nachzahlung für 2010 (17,5 Millionen Euro) stammte zum Großteil (11 Millionen) aus dieser Quelle. Maßgeblich für den Bonus ist die Entwicklung der vorigen zwei Jahre, es geht laut Geschäftsbericht um die „erzielten Ergebnisse und die wirtschaftliche Lage des Unternehmens“. Boni fließen fortan nur, wenn Volkswagen mindestens einen Betriebsgewinn von 5 Milliarden Euro verbucht. Bei Winterkorn gibt es für die Jahre 2012 und 2013 zudem eine Kappung bei 6,75, bei anderen Vorständen bei 2,5 Millionen Euro.

Zwischen den wummernden Bässen schwang viel Zukunftsmusik mit. Eröffnet wurde der Markenabend mit der Präsentation des 1-Liter-Autos von Volkswagen, dem neuen XL1. Einer Vision von Ferdinand Piëch, die nach fünf Jahren Entwicklung endlich serienreif ist, allerdings nur für die Kleinserie. Nach Ankündigung von Winterkorn sollen vorerst nur 250 Exemplare gebaut werden.

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

05.03.2013, 12:40 Uhr

Ich denke, wir sollten für die armen Chefs sammeln.

Vielleicht geben auch die Leiharbeiter und prekärBeschäftigten eines Teils ihres üppigen Einkommens, oder Aufstockungsbeitrages dazu?

Account gelöscht!

05.03.2013, 12:41 Uhr

"Oh Margarethe,gib ir die Knete!Die Rolex ist kaputt;ich brauch nen neuen Daimler Benz.Und gibst du mir nicht jetzt die Knete,dann rate ich dir,Margarethe bete!"
M.M.Westernhagen
Unser Mitleid ist mit allen,die dieses Jahr weniger bekommen werden als im letzten Jahr.Und je mehr sie weniger bekommen,desto größer ist natürlich unser Mitleid,deshalb möcht ich zu einer Spendenaktion für Winterkorn aufrufen,denn auf wie viele Hochseeyachten mag er dieses Jahr verzichten müssen,welche Villen kommen für ihn nun nicht mehr als Dritt-oder Viertwohnsitz in Frage?
Wir kleinen unwürdigen Nichtsleister wissen natürlich nicht,was ein solcher Mensch mit all dem Geld anstellt.
Einfluß nehmen?Politiker kaufen nur weil man es sich leisten kann?Nein anständige Konzernlenker machen sowas nicht.Allerdings soll Geld ja den Charakter verderben.
Nennen Sie es von mir aus Neid.Ich nenne es den Verlust jeglicher Verhältnismäßigkeit.

Willi

05.03.2013, 13:17 Uhr

"Die Diskussion um sein Gehalt hat Winterkorn zugesetzt"

Glaube ich nicht. Ob 15 oder 20 Mio ist dem doch völlig egal. Gut, wenn es der AR so beschließt nimmt er natürlich auch gern die 20, keine Frage.
Meiner Meinung nach hat er einfach keine Lust sich schon wieder die dümmlichen Fragen der Reporter zum immer gleichen Thema anzuhören. Die Jungs dann mit einem "Nix da" stehen zu lassen ist übrigenens eine erfrischende Alternative gegenüber dem Mediengeilen verhalten anderer Dax Vorstände.

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