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29.10.2015

13:58 Uhr

A320 und A330 für die Volksrepublik

Was hinter dem Airbus-Milliardendeal in China steckt

Die chinesische Luftfahrt wächst. Weil sich immer mehr Chinesen eine Flugreise leisten können, rüsten die Airlines auf. Davon profitiert jetzt der europäische Hersteller Airbus – dank einer Großbestellung aus Peking.

Airbus hat einen Großauftrag in China ergattert. Reuters

A320-Fertigung in Tianjin

Airbus hat einen Großauftrag in China ergattert.

SingapurDer europäische Flugzeughersteller Airbus hat mit einem Großauftrag in China die eigene Position im Wettbewerb mit dem Konkurrenten Boeing gestärkt. Airbus wird einer am Donnerstag in Peking unterzeichneten Vereinbarung zufolge in den kommenden Jahren 130 Flugzeuge im Listenpreiswert von 17 Milliarden Dollar (15,6 Milliarden Euro) nach China liefern. Das Land wird Prognosen zufolge in den kommenden 20 Jahren zum größten Luftfahrtmarkt der Welt heranreifen.

Geliefert werden sollen 30 Großraumflugzeuge vom Typ A330 und 100 Mittelstreckenjets A320. Unterzeichnet wurde das Kaufabkommen bei einem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang in Peking. Es war nur eines von mehreren Abkommen, die in diesem Rahmen vereinbart wurden.

Wo Airbus Flugzeuge zusammenbaut

Vier Werke

Der größte europäische Flugzeughersteller Airbus baut in vier großen Produktionswerken auf drei Kontinenten Flugzeuge zusammen. Die Hauptproduktionsstätten.

Toulouse

Am Stammsitz von Airbus in der südfranzösischen Stadt mit mehr als 21 000 Beschäftigten in der Region werden auf mehreren Fertigungslinien die A320, A330, A350 und A380 endmontiert. Für die A320-Familie gibt es zwei Endmontagelinien.

Hamburg-Finkenwerder

Das Hamburger Werk in Finkenwerder ist mit 12 700 Beschäftigten die größte Produktionsstätte von Airbus in Deutschland. Für die Flieger der A320-Familie werden hier nicht nur Teile produziert, es gibt auch drei Endmontage-Linien. Eine vierte Linie soll in Hamburg entstehen, wenn die Produktion des Erfolgsschlagers A320 mehr als ohnehin geplant ausgeweitet wird. Auch an anderen Airbus-Programmen wie dem weltgrößten Passagierflugzeug A380 ist Hamburg beteiligt.

Tianjin

2008 eröffnete Airbus ein Werk als Joint Venture in der chinesischen Hafenstadt Tianjin. Dort werden von mehr als 400 Mitarbeitern ebenfalls Flugzeuge der A320-Familie montiert.

Mobile

Mit der Fertigungsstätte im US-Staat Alabama will Airbus dem Erzrivalen Boeing noch mehr Konkurrenz machen. Im Frühjahr 2016 soll dort der erste auf dem 470 000 Quadratmeter großen Areal montierte Mittelstreckenjet der A320-Familie ausgeliefert werden. 1000 Arbeitsplätze sind dort geplant.

Quelle: dpa

Airbus und Boeing liefern sich derzeit einen Wettbewerb um den chinesischen Markt, der dank des hohen Wirtschaftswachstums und eines aufkommenden Billigflugsektors von einer zunehmenden Nachfrage geprägt ist. Immer mehr Chinesen können sich mittlerweile Flugreisen leisten, und große Gesellschaften wie Air China und China Southern Airlines reagieren darauf mit großzügigen Flottenerweiterungen.

China drängt bei den Herstellern auf einen steigenden Anteil heimischer Produktion, was dem Aufbau einer chinesischen Luftfahrtindustrie zugute kommt. Airbus fertigt in China bereits Modelle des Typs A320, vornehmlich für den chinesischen Markt, an einem Standort in Tianjin.

Bereits im Juli hatte Airbus über eine Einigung mit den Behörden zum Bau einer Endfertigung von Großraumflugzeugen des Modells A330 berichtet. Im gleichen Monat hatte Airbus Bestellungen aus China für 45 Exemplare der A330 sowie Optionen für 30 weitere erhalten.

Auch Boeing verkauft äußerst erfolgreich auf dem chinesischen Markt. Zuletzt wurden 300 Flugzeuge von Fluggesellschaften und Leasinggebern aus China bestellt. Der US-Konkurrent von Airbus will in Kürze eine Fertigung für den Mittelstreckenjet 737 in China eröffnen. Boeing erwartet im Land einer eigenen Prognose zufolge in den nächsten 20 Jahren einen Bedarf von 6330 neuen Flugzeugen im Wert von etwa 950 Milliarden Dollar.

Experte zu Flugzeugherstellern

„Airbus und Boeing profitieren von der Mittelschicht“

Experte zu Flugzeugherstellern: „Airbus und Boeing profitieren von der Mittelschicht“

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