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17.10.2012

17:14 Uhr

A350

Bundesregierung verärgert über Airbus

ExklusivIn der Bundesregierung wächst der Ärger über nicht eingehaltene Zusagen. Mit der Anschubfinanzierung für den A350 sei die Stärkung der deutschen Standorte verbunden gewesen, heißt es. Airbus schweigt dazu.

Das Langstreckenflugzeug A350 XWB wird im französischen Toulouse zusammengesetzt. AFP

Das Langstreckenflugzeug A350 XWB wird im französischen Toulouse zusammengesetzt.

BerlinIn der Bundesregierung wächst der Ärger über nicht eingehaltene Zusagen bei der Anschubfinanzierung des geplanten Langstreckenflugzeugs Airbus A350, wie das Handelsblatt aus informierten Kreisen im Bundeswirtschaftsministerium erfuhr.

„Mit der Förderungszusage ist die klare Erwartung der öffentlichen Hand verbunden, dass der Airbus-Konzern entsprechend seine Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionskapazitäten an den deutschen Standorten stärkt und ausbaut“, hieß es dort.

„Deren Einhaltung stellt Airbus derzeit in Frage.“ Nicht zuletzt aus haushaltsrechtlichen Gründen werde eine entsprechende Förderung mit dieser Erwartung verbunden. Ein Airbus-Sprecher sagte dazu auf Anfrage: „Kein Kommentar.“

Die Bundesregierung hält rund 600 Millionen Euro an Hilfen zurück. Bei dem Geld soll es sich um die zweite Tranche der vereinbarten Anschubfinanzierung von insgesamt 1,1 Milliarden Euro handeln, die Deutschland für die Entwicklung der Maschine zugesagt hat. Das A350XWB-Programm ist federführend in Frankreich angesiedelt. Der A350 ist das Langstreckenflugzeug von Airbus. Die Maschine wird in drei Versionen gebaut.

Die bisherige Aktionärsstruktur bei EADS

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Kommentare (17)

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echte_Freunde

17.10.2012, 17:54 Uhr

Wundert mich nict, dass die Frazosen möglichst viel Geld aus Deutschland abgreifen, dann aber alle Entscheidungen dominieren möchten. Zumindest scheint aber die deutsche Verhandlungsführung etws härter zu werden. Bisher haben nur die Franzosen knallharte Interessenpolitik gemacht, immer under dem Deckmanter der deutsch-fanzösischen Freunschaft und der europäischen Integration

Account gelöscht!

17.10.2012, 18:34 Uhr

'Verärgerung' ist prima, ein erster wichtiger Schritt. Langsam begreift Berlin, wie sie seit Jahren verarscht wurden.

Heißt fortan: DURCHGREIFEN! EADS-Gründungsstatuten sagen klar, was Sache ist und sein soll.

Der seit Jahren unterschwellig gehegte Anspruch der Franzosen auf 'EADS=Französisch' muss klargestellt werden, DAS DEM NICHT SO IST!

EADS gehört zur gleichen Hälfte auch den Deutschen - mit allen Ansprüchen bzgl. Macht, Forschung, Arbeitsanteilen.

Und der Betrug mit Kompetenz-Verlagerung in der Vergangenheit nach Frankreich MUSS WIEDER KORRIGIERT WERDEN!

Auch die Franzosen dürfen lernen, dass Partnerschaft halt nunmal PARTNERSCHAFT erfordert. Klare Grenze, nix anderes bei denen!

matze

17.10.2012, 18:36 Uhr

ich bin ja immer für vernünftigen und somit fruchtbaren interessenausgleich, aber ist offenbar auch dringend notwendig! da sollte sich der herr maj..tom - auch so ne niv..losigkeit - drum zu kümmern haben. gut so herr hinze! ich habe noch die kommmentare der lobbyheinis hier bezüglich ihrer theologischen bildung im kopf!

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