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20.01.2010

06:02 Uhr

A400M

Prüfer werfen EADS Missmanagement vor

VonRüdiger Scheidges

ExklusivIn einem vertraulichen Bericht prangern die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers fehlende Kostenkontrolle beim Militär-Airbus A400M an. Der Konzern habe völlig die Übersicht verloren und trage große Mitschuld an den enormen Mehrkosten. Angesichts des Prüfberichts wächst der Widerstand in der Politik gegen Zuzahlungen.

25,2 Mrd. Euro verlangt EADS von den Vertragsstaaten für die Lieferung von 180 A400M. Vereinbart waren 20 Mrd. Euro. Reuters

25,2 Mrd. Euro verlangt EADS von den Vertragsstaaten für die Lieferung von 180 A400M. Vereinbart waren 20 Mrd. Euro.

BERLIN. Die Kostenexplosion beim Bau des Militär-Airbus A400M beruht überwiegend auf Managementfehlern des EADS-Konzerns. Das ist das Ergebnis eines streng vertraulichen Prüfberichts der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PWC), der dem Handelsblatt vorliegt. Seit Jahren habe das Rüstungsunternehmen bei Entwicklung und Produktion des Fliegers keine Kontrolle über die Entwicklungs- und Produktionskosten des 20-Mrd.-Projekts ausgeübt, heißt es in dem Bericht.

Der Prüfbericht, den die sieben Abnehmerstaaten in Auftrag gegeben haben, schwächt die Verhandlungsposition von EADS im Poker mit den Abnehmerstaaten, die 180 Maschinen zum Fixpreis von 20 Mrd. Euro kaufen wollen. EADS fordert jetzt 5,2 Mrd. Euro zusätzlich. Morgen treffen sich Regierungsvertreter der Vertragsstaaten mit EADS, um einen Kompromiss auszuhandeln.

Die Vertragspartner - EADS und die Staaten - streiten seit Monaten über die Mehrkosten. Insbesondere Deutschland, das 60 Maschinen kaufen will, sieht sich durch den Prüfbericht in seiner harten Linie gegenüber EADS bestätigt. Bis Ende Januar muss ein Kompromiss gefunden werden.

Airbus bezeichnet intern Mehrkosten von angeblich elf Mrd. Euro als Existenzgefährdung und droht die Einstellung des Projekts an, sollten die Staaten nicht zuzahlen. Der PWC-Bericht, der Ende 2009 den Regierungen übergeben wurde, spricht EADS indes auch eine effektive Kostenkontrolle ab. Die tatsächlichen Kosten des A400M-Projekts seien "Jahr für Jahr permanent und erheblich" unterschätzt worden. Alle Kostenansätze besäßen höchstens beschränkte Aussagekraft.

EADS hat seinen Kooperationswillen gegenüber den Prüfern aufgekündigt, nachdem, so PWC, die Passagen des Prüfberichts über die Zukunft des Unternehmens bekannt wurden.

Kommentare (8)

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Weltenbummlerin

20.01.2010, 08:38 Uhr

Das typische Handeln eines Managements, dem seine Aufgaben von Anfang an nicht klar waren. Es ist eben nicht nur damit getan, öffentlich im Designeranzug aufzutreten, Smalltalk zu praktizieren und die Hand aufzuhalten, sondern es wäre von Anfang an Managementkompetenz und fachlicher Sachverstand gefragt gewesen. Aber dies ist bei Konzernen, wie gewöhnlich, Mangelware. Dies wurde in Europa in der Vergangenheit vielfach offensichtlich. Aber das typische Verhaltensmuster der Verantwortlichen, Verluste sozialisieren Gewinne privatisieren, soll auch hier angewendet werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens diesmal die Politik ihrer Aufgabe, dem Volk zu dienen, nachkommt und sich nicht den Lobbyisten beugt.

JB

20.01.2010, 11:14 Uhr

Der Prüfungsbericht ist dann jetzt wohl der Offenbarungseid für die Verantwortlichen bei EADS. Unfähigkeit gepahrt mit Aroganz. Wenn jetzt die Staaten noch mal Geld nachlegen muss man sich Fragen ob die Volksvertreter noch die richtigen sind. Ein Preisnachlas wäre wohl eher angebracht.

Michael

20.01.2010, 11:49 Uhr

Das 'Aus' für dieses Projekt würde nur den Amerikanern, insbesondere boeing, zugute kommen. Auf langer Sicht wird A400M ohne Zweifel ein grosser wirtschaflicher Erfolg.

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