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28.02.2013

10:26 Uhr

Aachener Maschinenbauer

Aixtron streicht die Dividende

Für den Maschinenbauer Aixtron ist es im vergangenen Jahr schlechter gelaufen als erwartet. Nach einem dreistelligen Millionenverlust streicht der Aachener Konzern die Dividende. Besserung ist nicht in Sicht.

Der „Planetary Reactor“ von Aixtron. Der Maschinenbauer hat einen Millionenverlust erlitten. PR

Der „Planetary Reactor“ von Aixtron. Der Maschinenbauer hat einen Millionenverlust erlitten.

DüsseldorfDie Nachfrage nach Chipanlagen von Aixtron ist im Keller und Besserung erst einmal nicht in Sicht. Nach hohen Verlusten im Vorjahr und einem Einbruch der Auftragseingänge um mehr als 70 Prozent machte der scheidende Firmenchef Paul Hyland am Donnerstag den Anlegern wenig Hoffnung auf eine rasche Trendwende. Es gebe zwar Anzeichen, dass die Talsohle erreicht sei. Wie US-Konkurrent Veeco könne er aber keinen Zeitpunkt für eine Erholung der Nachfrage nach LED-Produktionsanlagen ausmachen. Hyland wagte daher für 2013 keine Prognose.

Während die Equinet-Experten den Anlegern zum Verkauf raten, bleibt Analyst Walter Schneider von der LBBW bei seiner Empfehlung, die Papiere zu halten. Die kurzfristigen Aussichten seien zwar düster. "Dennoch glauben wir, dass die für Aixtron wichtige LED-Penetration in der Allgemeinbeleuchtung sich mit hoher Geschwindigkeit fortsetzen wird und das Unternehmen mittelfristig profitieren kann." Davon schienen auch die Anleger überzeugt: Die Aktie notierte mit 9,47 Euro knapp zwei Prozent im Plus.

Aixtron produziert Anlagen zur Herstellung von Leuchtdioden (LED), die in der Unterhaltungselektronik, Automobilindustrie und bei industrieller Beleuchtung zum Einsatz kommen. Nach dem Aus der Glühbirne erobern sie inzwischen aber auch die Wohnzimmer.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

2012 verbuchte Aixtron bei einem Umsatzeinbruch um 63 Prozent auf 227,8 Millionen Euro operativ (Ebit) ein Minus von 132,3 Millionen Euro. Vor Jahresfrist stand noch ein Gewinn von 113 Millionen Euro in den Büchern. Netto fiel ein Verlust von 145,4 Millionen Euro an nach einem Gewinn von 79,5 Millionen Euro. Der Auftragseingang sackte um 74 Prozent auf 131,4 Millionen Euro ab, der gesamte Anlagen-Auftragsbestand um 44 Prozent auf 79,4 Millionen Euro. Die mauen Geschäfte bekommen auch die Aktionäre zu spüren: Sie müssen für 2012 auf eine Dividende verzichten, nachdem sie im Jahr zuvor noch 25 Cent je Aktie erhalten hatten.

Neben den wirtschaftlichen Turbulenzen sorgen bei Aixtron aber auch Personalabgänge für Unruhe: Nach dem überraschenden Abgang zweier langgedienter Aufsichtsratsmitglieder verlässt nun auch Konzernchef Hyland den Chipanlagenbauer nach über zehn Jahren im Amt. Sein Nachfolger wird ab März der ehemalige Osram-Manager Martin Goetzeler. Zuvor hatten Ende Januar überraschend zwei langjährige Aufsichtsratsmitglieder ihren sofortigen Abschied erklärt.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

28.02.2013, 12:07 Uhr

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Was, wenn die LED Industrie wie Flat Panel Display und Solar zum billigen Jakob verkommt? Wird aus Aixtron dann ein zweites Centrotherm? Im Moment ist das ganz und gar nicht abwegig.

Die breite Masse der Börsianer haben nicht einen Funken Verstand, was hinter den Unternehmen bzw. Märkten steckt.

Account gelöscht!

28.02.2013, 14:32 Uhr

Der Satz "Aixtron produziert Anlagen zur Herstellung von Leuchtdioden (LED), (...)." Stimmt so nicht. Aixtron stellt Anlagen zur Herstellung von Verbindungshalbleitern (genauer gesagt Depositionsanlagen) her. Damit werden in der Halbleiterindustrie sehr dünne Schichten abgeschieden. Einsatzgebiete sind die Optoelektronik allgemein, Hochfrequenztechnik und Leistungselektronik.

Den Markt der LED-Beleuchtung würde ich auch nicht mit dem der Photovoltaik vergleichen, er ist viel weniger von Subventionen abhängig.

Die LED-Hersteller sollen zur Zeit übrigens gut ausgelastet sein.

Den Kurssprung kann ich wie andere Entwicklungen dieser Woche auch nicht verstehen, die meisten der Akteure an den Börsen scheinen den Verstand an der Garderobe abgegeben zu haben.

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