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24.04.2012

06:42 Uhr

ABB-Chef Joe Hogan

„Die gesamte Energiewende kann scheitern“

VonHolger Alich, Martin Wocher

Die deutsche Energiewende ist einmalig - doch sie ist auch nicht risikolos. Die Gefahr liegt im Zögern. ABB-Chef Joe Hogan über mögliche Lösungen, Milliardeninvestitionen und den Megamarkt Asien.

Joe Hogan, Chef der Schweizer ABB-Gruppe. Reuters

Joe Hogan, Chef der Schweizer ABB-Gruppe.

ZürichHandelsblatt: Herr Hogan, die Energiewende sorgt weiter für Schlagzeilen. Siemens hat offenbar Probleme, Offshore-Windanlagen pünktlich ans Netz anzuschließen. Drohen auch ABB teure Überraschungen?

Joe Hogan: Der Meeresgrund ist einfach viel risikoreicher als eine Landverbindung. Wir mussten beispielsweise vor einigen Jahren einen dreistelligen Dollar-Millionenbetrag Lehrgeld bei einem Hochspannungskabel in der Nordsee zahlen. Unsere erste große Offshore-Plattform in der Nordsee wurde aber weitgehend reibungslos umgesetzt. Für die bestehenden Projekte sehen wir derzeit keine besonderen Belastungen für unsere Bilanz.

Der deutsche Atomausstieg hat viele Industriekonzerne auf dem falschen Fuß erwischt. Auch ABB?

Nein, das trifft uns nicht, das Geschäft mit der Kerntechnik macht allenfalls zwei Prozent unseres Umsatzes aus. Für uns stellt die Energiewende in Deutschland vielmehr eine Chance dar, vor allem der Bau der neuen Leitungsnetze, die jetzt nötig werden.

Vita

Der Manager

Der jugendlich wirkende Joseph M. Hogan leitet den Siemens-Konkurrenten seit 2008. Er wurde vom Konkurrenten General Electric abgeworben, bei dem er seine gesamte Karriere verbracht hatte. Hogan hat bei ABB wieder auf externes Wachstum geschaltet und den US-Ausrüster für Niederspannungstechnik Thomas & Betts für knapp vier Milliarden Dollar erworben.

Das Unternehmen

ABB ging 1988 aus dem Zusammenschluss der schwedischen ASEA und der Schweizer Brown, Boverie & Cie (BBC) hervor. Anfang des Jahrtausends stand ABB wegen Asbestklagen vor dem Ruin. Doch die Sanierung gelang. ABB ist einer der größten Anbieter für Stromnetze und Automatisierungstechniken. 2011 erwirtschaftete ABB knapp 38 Milliarden Dollar Umsatz und machte 3,2 Milliarden Dollar Gewinn.       

Viele Industrievertreter fürchten aber, dass sich Deutschland mit der Energiewende in Abseits befördert. Teilen Sie diese Meinung?

Ich finde es vielmehr faszinierend, was in Deutschland passiert. Was Deutschland da vorhat, ist einmalig in der Welt. Die Welt schaut mit großem Interesse auf die deutsche Energiewende und wie Deutschland erneuerbare Energiequellen wie Windparks in das Stromnetz einbinden will. In diesen Dimensionen, wie es Deutschland plant, hat das noch niemand gemacht.

Und? Wird das gelingen?

Es kommt darauf an: Je länger Deutschland mit dem Ausbau des Stromnetzes zögert, desto größer ist die Gefahr, dass die gesamte Energiewende scheitert. Vielleicht ist noch nicht allen Beteiligten klar, wie wichtig die Netze für den Erfolg der Energiewende sind. Deutschland erzeugt heute an einem windigen und sonnigen Tag mehr Energie, als es verbraucht. Sie können nicht einfach riesige Kapazitäten an Offshore-Windanlagen in die Nordsee stellen und sagen, damit ist es getan. Dieser Windstrom muss dort ankommen, wo er gebraucht wird. Und das ist nicht in Friesland, sondern 900 Kilometer entfernt in Stuttgart und München.

Aber der Netzausbau scheint doch schon an der Finanzierung zu scheitern? 

Energiewende bedeutet, ein Konzept zu haben, wie man den Strom aus erneuerbaren Energien nutzbar macht. Das muss sorgfältig geplant werden, das können sie nicht einfach in zwei Jahren schaffen. Technisch wird das lösbar sein. Die Regierungen müssen aber dafür sorgen, dass die Projekte sich rechnen, etwa über die Einspeisetarife. Dann finden sie auch ohne Probleme die nötige Finanzierung.

Kommentare (2)

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Joerg_Duerre

24.04.2012, 08:06 Uhr

Wäre schön, wenn die Politik auf den Mann hörte.
Da Offshore Windkraft eher ein Vabanque Spiel ist, gilt die Aussage sicherlich und insbesondere für die mittlerweile wesentlich billigere Großflächen Photovoltaik.

Klimaterror

24.04.2012, 08:08 Uhr

Hoffentlich scheitert die sogenannte Energiewende. Dann brauchen wir die ganzen zusätzlichen Trassen nicht, denn dann wird der Strom wieder da produziert wo er gebraucht wird. Nur das macht Sinn, weshalb man das in der Vergangenheit machte. Leitungen zerstören nicht nur die Landschaft, sondern produzieren auch Verluste.
Glücklicherweise macht das Ausland diesen Sonderweg nicht mit, offenbar ist man hier mehr an bezahlbaren Strompeisen interessiert. Die grüne Ideologie kommt langsam zum erliegen, gut so!

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