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20.04.2016

14:09 Uhr

ABB

Elektrokonzern verschafft sich etwas Luft

Die Investitionsscheu vieler Kunden macht ABB zu schaffen. Im ersten Quartal sank der Gewinn des Siemens-Rivalen um elf Prozent. Analysten hatten allerdings mit einem noch stärkeren Einbruch gerechnet.

Der Elektrotechnikkonzern leidet darunter, dass Kunden aus der Öl- und Gasbranche weniger bestellen. Reuters

ABB

Der Elektrotechnikkonzern leidet darunter, dass Kunden aus der Öl- und Gasbranche weniger bestellen.

ZürichDer im Klammergriff eines Hedgefonds steckende Elektrotechnikkonzern ABB verschafft sich etwas Luft. Gewinn und Auftragseingang des Schweizer Unternehmens sanken im ersten Quartal 2016 wegen Ausgabenkürzungen der Kunden aus der Energie- und Bergbaubranche zwar, doch Analysten hatten einen noch stärkeren Einbruch erwartet. Damit kann Konzernchef Ulrich Spiesshofer erste Früchte seines 2014 eingeleiteten und im vergangenen September beschleunigten Umbauprogramms ernten. Über die Fortschritte dürfte sich auch Großaktionär Cevian freuen, der ABB auf Rendite trimmen will.

Wie die Rivalen Siemens oder General Electric spürt auch ABB, dass Förderunternehmen aus der Öl-, Gas- und Bergbaubranche angesichts niedriger Rohstoffpreise wenig neue Technik bestellen. Entsprechend gingen die Auftragseingänge um elf Prozent auf 9,25 Milliarden Dollar zurück, wie ABB mitteilte. Auch beim Gewinn hinterließ das garstige Umfeld Bremsspuren. Unter dem Strich verdiente ABB im ersten Quartal 500 Millionen Dollar, ebenfalls elf Prozent weniger als im Vorjahr. Spiesshofer warnte, dass sich daran nicht so schnell viel ändern dürfte. „2016 wird durch anhaltenden Gegenwind von den Märkten geprägt sein, sowohl von wirtschaftlicher als auch von der politischer Seite.“

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Mit einer breiteren Aufstellung steuert ABB gegen. „Die Wachstumsinitiativen helfen uns, den Gegenwind der Märkte zu mildern“, erklärte Spiesshofer. ABB belieferte bisher vor allem Energie-, Bergbau- und Chemie-Firmen sowie Maschinenbauer und ist nun dabei, das Geschäft mit Kundengruppen wie Nahrungsmittel- und Getränkeherstellern zu forcieren. Zudem hilft dem Zürcher Konzern, dass vor allem Versorger verstärkt auf energiesparende Technik setzen. „Wir beobachten, dass die europäischen Firmen im Bereich erneuerbare Energie aufrüsten“, sagte Spiesshofer. „Das erfordert Investitionen ins Stromnetz.“

Die entsprechende Sparte Stromnetztechnik profitierte zudem am meisten von den Sparanstrengungen. Dank der Rückkehr in die Gewinnzone in dieser Division habe der gesamte Konzern die Marge im ersten Quartal gesteigert, lobte Richard Frei, Analyst der Zürcher Kantonalbank. Auch die Anleger reagierten erfreut, die ABB-Aktie gehörte mit einem Plus von 3,4 Prozent zu den Spitzenreitern unter den 50 größten Unternehmen Europas.

Ein Händler warf die Frage auf, ob die guten Ergebnisse der Stromnetztechnik den anstehenden Entscheid über die Zukunft des Geschäfts beeinflussen könnten. ABB prüft derzeit, ob die Division veräußert oder behalten werden soll. Klarheit will Spiesshofer Anfang Oktober schaffen. "Vielleicht will ABB die Braut etwas aufhübschen", erklärt Stephan Sola vom Broker Kepler Equities.

Einem Insider zufolge drängt der Großaktionär Cevian darauf, das größte Geschäftfeld teilweise oder vollständige abzuspalten. Der Finanzinvestor, der über fünf Prozent am Konzern besitzt, hält sich zu seinen Plänen für ABB bedeckt. Üblicherweise peilt Cevian mit Änderungen in den Geschäftsportfolios und im Management aber eine Verdoppelung des Unternehmenswerts an. Davon sind die Schweden bei ABB noch weit entfernt.

Von

rtr

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