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04.12.2015

13:59 Uhr

Abgas-Prüfer

Dekra profitiert vom Diesel-Skandal

VonMartin-W. Buchenau

Der Abgas-Skandal bei Volkswagen dürfte auch die Geschäfte der Prüforganisation Dekra ankurbeln. Firmenchef Stefan Kölbl kritisiert die Autobranche dennoch scharf und fordert bessere Prüfverfahren.

Dekra-Chef Stefan Kölbl fordert eine Verbesserung der Verfahren. AFP

Auto auf dem Dekra-Prüfstand

Dekra-Chef Stefan Kölbl fordert eine Verbesserung der Verfahren.

StuttgartDekra-Chef Stefan Kölbl kritisiert mit deutlichen Worten im Abgasskandal die Automobilindustrie und fordert bei der Prüfung des Emissionsverhaltens bessere Messverfahren. „Wir können die Abgasprüfungen heute schon besser, aber wir dürfen es nicht“, sagte der Dekra-Chef bei einer Abendveranstaltung in Stuttgart. Dafür wird bereits seit einiger Zeit der neue Prüfstand-Zyklus/WLTP entwickelt, der 2017 in Kraft treten soll.

Wie bei der Sicherheit solle man auch beim Emissionsverhalten von Autos auf ein kombiniertes System aus Typgenehmigung, periodischer Fahrzeugüberwachung und Kontrollen auf der Straße setzen, betonte Kölbl. Vor allem mahnte der Dekra-Chef an, dass die Typengenehmigung nicht wie bisher nur auf Prüfständen der Hersteller durchgeführt werden soll. Zudem sollten unabhängige Prüforganisationen zum Zuge kommen

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Auch bei den so genannten „Conformity of Production“-Prüfungen (CoP) der Hersteller, die sicherstellen sollen, dass die produzierten Fahrzeuge dem typgenehmigten Modell auch tatsächlich entsprechen, müssten die Prozesse und Prüfergebnisse der Hersteller noch mehr von unabhängiger Seite mit eigenen Tests kontrolliert werden. Darüber hinaus fordert Kölbl, dass auch die Autos auf der Straße im Betrieb nachkontrolliert werden müssten. Das sei eine sinnvolle Ergänzung.

Die Abgasuntersuchung ASU hält Kölbl ebenfalls nicht mehr für zeitgemäß. „Wir haben nur noch unseren Stecker an den Bordcomputer anschließen dürfen, der dann die Werte ausspuckt. Dabei seien die Prüfer auf die Daten des Herstellers angewiesen, ohne deren Entstehung faktisch überprüfen zu können. Eine Messung am Endrohr, wie früher üblich, sei dringend erforderlich.

Und Kölbl geht sogar noch weiter: „Stickoxide kommen bei der Abgasuntersuchung bisher nicht vor, ebenso wie das Thema Rußpartikel bei Benzinern.“ Dabei spielten gerade direkt einspritzende Otto-Motoren im Hinblick auf die Feinstaub-Emissionen eine ebenso wichtige Rolle wie die Diesel-Motoren.

Solche Töne hört die Autoindustrie nicht so gerne. Aber Kölbl sieht nur mit mehr Transparenz eine Chance, mehr Glaubwürdigkeit der Autobranche nach dem VW-Skandal zu erreichen. „Nur durch eine Stärkung der neutralen Prüfung können – im Sinne der Verbraucher – Lücken im gesamten Prozess geschlossen werden, die ansonsten unvermeidlich sind“, betont Kölbl.

Uneigennützig sind die Forderungen von Kölbl nicht. Das gibt der Dekra-Chef offen zu: „Am Ende erwarten wir mehr Geschäft auch für unser Unternehmen“. Dabei laufen die Geschäfte ohnehin nicht schlecht. 2015 legte der Umsatz um sieben Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu. Damit hat die Dekra das zwölfte Wachstumsjahr in Folge hingelegt. Die Mitarbeiterzahl stieg um 2.400 auf 37.400 Beschäftigte weltweit.

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