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23.08.2016

17:23 Uhr

Abgas-Skandal

Französischer Untersuchungsbericht ließ Details zu Renault aus

Nicht nur Volkswagen kämpft weiter mit dem Abgas-Skandal: Ein französischer Untersuchungsbericht soll wichtige Details zum Renault-Modell Captur ausgelassen haben.

Die Untersuchungskommission hatte laut Abschlussbericht keine Beweise für Softwaretricksereien von Renault bei Abgastests gefunden. Reuters

Autobauer Renault

Die Untersuchungskommission hatte laut Abschlussbericht keine Beweise für Softwaretricksereien von Renault bei Abgastests gefunden.

ParisDie Folgen des Skandals um Tricksereien bei Dieselabgasen lassen neben Volkswagen auch andere Hersteller wie Renault nicht los. Ein Ende Juli veröffentlichter französischer Untersuchungsbericht habe wichtige Details zum Schadstoffausstoß von Renault-Fahrzeugen nicht erwähnt, berichtete die „Financial Times“ am Dienstag unter Berufung auf drei Mitglieder der Expertenkommission.

Zwar hatte der Bericht für einige Diesel-Modelle des Autobauers bei Tests außerhalb des Labors Stickstoffemissionen festgestellt, die teils bis zu elfmal so hoch lagen wie EU-Abgasnormen. Nicht erwähnt worden sei jedoch, dass beim Modell Renault Captur eine Abgasreinigung für Stickoxide ihre Leistung hochgefahren habe, als das geländewagenähnliche Fahrzeug für Schadstofftests vorbereitet wurde. Renault bestritt gegenüber der Zeitung, Software zur Manipulation von Emissionstests benutzt zu haben.

Der französische Staat hält 20 Prozent am Autobauer Renault. Die Untersuchungskommission hatte laut Abschlussbericht keine Beweise für Softwaretricksereien von Renault bei Abgastests gefunden.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

„Der Bericht wurde letztlich vom Staat verfasst und sie haben entschieden, was vertraulich bleibt“, kritisierte Kommissionsmitglied Charlotte Lepitre vom Dachverband französischer Umweltschutzorganisationen in der „FT“. Ein Vertreter des Umweltministeriums bestritt laut der Zeitung, dass Fakten verschleiert werden sollten. Weder das Unternehmen noch das Pariser Umweltministerium nahmen bis Dienstagnachmittag auf Anfrage Stellung zu dem Bericht.

Von

dpa

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