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15.03.2017

11:17 Uhr

Abgas-Skandal

Staatsanwälte ermitteln gegen Audi

VonStefan Menzel, Volker Votsmeier , Markus Fasse

Razzia kurz vor der Bilanzpressekonferenz bei Audi: Beamte durchsuchten am Morgen Geschäftsräume des Autobauers. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts des Betrugs und der strafbaren Werbung.

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DüsseldorfDeutsche Ermittlungsbehörden gehen in der Dieselaffäre jetzt auch gegen die Volkswagen-Tochter Audi vor. Die Staatsanwaltschaft München II hat wegen der Diesel-Abgasaffäre bei Audi ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung eingeleitet. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

Die mutmaßlichen Straftaten bei Audi stehen ausschließlich im Zusammenhang mit den Aktivitäten von Audi auf dem amerikanischen Markt. Der Vorwurf: Audi-Ingenieure sollen die Abgaswerte von Dieselfahrzeugen für die USA so ähnlich manipuliert haben wie die Kollegen bei VW. Absatzgeschäfte auf dem europäischen Markt sind der Staatsanwaltschaft zufolge nicht Gegenstand der Ermittlungen.

Am Morgen waren bereits Büroräume von Audi durchsucht worden. Wie ein Unternehmenssprecher bestätigte, hat am frühen Morgen eine Razzia in der Audi-Zentrale in Ingolstadt und am zweiten Produktionsstandort in Neckarsulm begonnen. „Wir kooperieren in jeder Hinsicht mit den Behörden vollumfänglich“, sagte der Audi-Sprecher. Die Durchsuchungen hätten um 7 Uhr begonnen und dauerten im Moment noch an. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen illegale Manipulationen der Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen in den USA.

Für Audi sind die Durchsuchungen ein schwerer Schlag. Heute am Mittwoch hat die VW-Premiumtochter zur Bilanzpressekonferenz nach Ingolstadt eingeladen. Hunderte Journalisten sollten eigentlich über die vergleichsweise guten Zahlen des Unternehmens berichten. Jetzt überschatten die Razzien an den beiden Audi-Standorten die Jahrespressekonferenz. Die Ermittlungen in der Dieselaffäre werden damit zu einer neuen Belastung für Audi.

Über der für den Vormittag geplanten Pressekonferenz in Ingolstadt liegt eine große Spannung. Mit säuerlicher Miene müssen Audi-Pressesprecher die Durchsuchungen bestätigen. Rund 80 Staatsanwälte und Beamte sind im Einsatz. Sie waren am Morgen mit etwa zehn Autos in Ingolstadt am Audi-Standort vorgefahren. Dazu gehörten auch zwei Transporter, mit denen beschlagnahmte Unterlagen abtransportiert werden können. Auch am Volkswagen-Konzernsitz in Wolfsburg hat es eine Razzia gegeben, sagte ein Sprecher, nannte aber keine Details. Privatwohnungen sollen im Laufe des Tages ebenfalls durchsucht werden.

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Bislang stand die Konzernmutter Volkswagen im Zentrum der Ermittlungen. Jetzt aber machen auch die Münchener Staatsanwälte Ernst. Dabei hatte Audi im November 2015 den Einsatz von Schummel-Software in großen Dieselmotoren eingeräumt. Seit mehr als einem Jahr beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft München II mit den Vorgängen in Ingolstadt. Doch bis vor wenigen Wochen gab noch kein förmliches Ermittlungsverfahren. Das hat sich nun geändert, denn nur in einem solchen Fall sind Durchsuchungen möglich.

Derzeit haben die Beamten noch keine individuell Beschuldigten im Visier, es handelt sich also um Ermittlungsverfahren gegen unbekannt. Federführend geleitet werden die Ermittlungen von Staatsanwalt Dominik Kieninger. Nach Handelsblatt-Informationen hat Audi auch bisher schon mit der Staatsanwaltschaft kooperiert. Intern hat Audi ebenso wie der Mutterkonzern VW die Kanzlei Jones Day mit Ermittlungen beauftragt. Jones Day hat deshalb zahlreiche Dokumente ausgewertet und Audi-Manager interviewt. Strafrechtlich lässt sich Audi von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer beraten.

Kommentare (10)

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Herr Wolfgang Wüst

15.03.2017, 11:06 Uhr

Wird auch langsam Zeit. Das war ja schon fast Strafvereitelung im Amt.

Herr volker schulz

15.03.2017, 11:17 Uhr

Die Burg wird sturmreif geschossen...Der Wirtschaftskrieg geht weiter....

Herr Wolfgang Bürger

15.03.2017, 11:36 Uhr

to big to fall. Aus den wahrscheinlichen Erkenntnissen werden keine relevanten Konsequenzen gezogen. Nichtmal die Verkaufszahlen werden sinken. (Tolle teuere
Autos braucht der Markt).

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