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22.10.2015

17:09 Uhr

Abgas-Skandal

VW vor wohl teuerster Rückrufaktion in der Autogeschichte

Prüfung, Rückruf und Umbau von Millionen von Fahrzeugen: Der Abgas-Skandal kommt VW teuer zu stehen. Wie teuer, ist schwer zu sagen. Doch Experten vermuten: Es könnte die teuerste Rückrufaktion im Automobilbau werden.

Bei der AdBlue-Technologie wird Harnstoff verwendet, um Dieselabgase zu reinigen. Dafür wird ein Tank benötigt. Der Einbau koste mehrere Tausend Dollar pro Fahrzeug, schätzen Experten. AFP

AdBlue-Technologie

Bei der AdBlue-Technologie wird Harnstoff verwendet, um Dieselabgase zu reinigen. Dafür wird ein Tank benötigt. Der Einbau koste mehrere Tausend Dollar pro Fahrzeug, schätzen Experten.

WashingtonDie wegen des VW-Abgasskandals notwendige Rückrufaktion von elf Millionen Autos mit Dieselmotoren könnte die größte und kostspieligste ihrer Art in der Geschichte der Automobilindustrie werden.

Der Konzern aus Wolfsburg muss wohl zusätzliche Teile in Fahrzeuge einbauen, die bereits zum Verkehr zugelassen sind. Die entsprechenden Umrüstungen müssen unter Umständen in eigens dafür einzurichtenden Spezialwerkstätten durchgeführt werden. Zudem wird die Betriebserlaubnis in dutzenden Ländern mit jeweils eigenen Vorgaben erneut erteilt werden müssen.

„Ich kann mich an keine andere Rückrufaktion erinnern, die dermaßen umfassend sein dürfte“, sagte Jake Fisher, beim US- Verbraucherschützermagazin Consumer Reports für Fahrzeugtests zuständig. Es werde eine wirklich teure Nachrüstung sein.

Die Reparaturkosten sind aber lediglich ein Teil jener Kosten, die im Zuge das Abgasskandals auf VW zukommen. In den USA haben bislang mehr als 325 Verbraucher Klage eingereicht, wie von Bloomberg ausgewertete Daten zeigen. Von VW selbst ist die US-Anwaltskanzlei Jones Day mit einer internen Aufarbeitung der Diesel-Affäre mandatiert worden.

Große Rückrufaktionen der Autobranche

Millionen betroffen

Immer wieder müssen Autohersteller Wagen in die Werkstätten beordern. In der Abgas-Affäre steht Volkswagen mit insgesamt elf Millionen betroffenen Autos vor einer der größten Aktionen der vergangenen Jahre. Beispiele für große Rückrufe.

Oktober 2015

In der Diesel-Affäre ordnet das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen verpflichtenden Rückruf für 2,4 Millionen Volkswagen-Fahrzeuge in Deutschland an.

September 2015

Fiat Chrysler muss in Nordamerika gut 1,7 Millionen Fahrzeuge wegen technischer Mängel in die Werkstätten beordern. Die Gründe sind Fehler am Lenkrad und Probleme mit Airbags.

August 2015

Wegen Airbag-Problemen ruft Volkswagen in den USA 420 000 Autos zurück. Schwierigkeiten mit einer Feder am Lenkrad könnten dazu führen, dass der Airbag bei einem Unfall nicht auslöst.

Juli 2015

Chrysler ruft in den USA 1,4 Millionen Wagen wegen einer Sicherheitslücke zurück, die zwei Hacker aufgedeckt hatten. Durch fehlerhafte Software könnten Autos aus der Ferne manipuliert werden.

Mai 2015

Der japanische Airbag-Hersteller Takata muss Gefahren bei insgesamt 19,2 Millionen Autos zugeben und läutet damit die bis dahin größte Rückrufaktion der US-Autoindustrie ein.

April 2015

Der japanische Kleinwagen-Spezialist Suzuki Motor ruft rund zwei Millionen Autos in die Werkstätten zurück, die meisten davon in Japan. Grund sind mögliche Defekte bei Zündschlössern.

März 2014

General Motors weitet die Rückrufaktion wegen Problemen an Zündschlössern aus. Betroffen sind mittlerweile rund 2,6 Millionen Fahrzeuge. Sie wurden meist in den USA und Kanada verkauft. Der Konzern muss sich für mindestens 13 Tote und 31 Unfälle verantworten.

November 2013

Volkswagen holt über 2,6 Millionen Autos in die Werkstätten. Weltweit gibt es Qualitätsprobleme. Im selben Monat treten wegen diverser Rückrufaktionen des südkoreanischen Autobauers Hyundai drei Manager dieses Unternehmens zurück.

Juni 2013

Chrysler startet einen massenhaften Rückruf in den USA. Die Verkehrssicherheitsbehörde hatte gefordert, 2,7 Millionen ältere Jeep Grand Cherokee und Jeep Liberty zu prüfen - Tanks könnten bersten, wenn die Geländewagen gerammt würden.

Oktober 2012

Fast 7,5 Millionen Autos weltweit ruft Toyota wegen Problemen mit elektrischen Fensterhebern zurück.

Einschließlich der Kosten für anhängige Rechtsverfahren und Geldbußen der Behörden, etwa der US-Umweltbehörde EPA, geht das in Bergisch Gladbach ansässige Center of Automotive Management, das an der dortigen FH angesiedelt ist, von Belastungen aus, die 30 Mrd. Euro übersteigen könnten.

Broker Sandford C. Bernstein erwartet einer am 19. Oktober veröffentlichten Studie zufolge Rückstellungen im Umfang von wesentlich mehr als den vom Konzern bislang zurückgestellten 6,5 Mrd. Euro: „Wir glauben, eine Größenordnung von 15 Mrd. Euro bis 20 Mrd. Euro ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine angemessene Schätzung der sich abzeichnenden, barwirksamen Kosten“, schrieben die Analysten im Team von Max Warburton.

Die Volkswagen AG ist für einen beträchtlichen Schlag in finanzieller Hinsicht gerüstet. Ende Juni verfügte der Konzern über eine Nettoliquidität in der Größenordnung von 21,5 Mrd. Euro. Im Zeitraum danach verkaufte VW Aktien der Suzuki Motor Corp. für etwa 3,4 Mrd. Euro, nachdem die beiden Autobauer eine Zusammenarbeit nicht weiter verfolgen.

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