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30.12.2016

13:31 Uhr

Abgas-Skandal

VW wirbt für Rückruf – trotz fehlender Genehmigungen

Wenn man Volkswagen Glauben schenken will, so können nun alle manipulierten Dieselautos in Deutschland umgerüstet werden. Doch laut Kraftfahrt-Bundesamt fehlen dem Autobauer noch Genehmigungen für 14.000 Fahrzeuge.

Doch die zuständigen Behörden haben noch gar nicht alle Freigaben erteilt. dpa

VW wirbt für Rückrufe

Doch die zuständigen Behörden haben noch gar nicht alle Freigaben erteilt.

WolfsburgVW wirbt bundesweit damit, dass jetzt alle manipulierten Dieselautos in Deutschland umgerüstet werden können - doch die Behörden haben dafür noch gar nicht alle Freigaben erteilt. Für 14 000 Wagen fehlen weiterhin die Genehmigungen für den Rückruf, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Darunter sind auch Autos in Deutschland.

Volkswagen hatte zuvor in großen Anzeigen in zahlreichen Tageszeitungen verkündet: „Jede der von uns entwickelten technischen Lösungen wurde vom KBA nach strengen Tests freigegeben.“ Und weiter: „Ab jetzt können wir jeden betroffenen Dieselmotor in Deutschland überarbeiten.“ Es gehe um „jeden einzelnen Kunden“.

Allein in Deutschland sind etwa 2,6 Millionen Fahrzeuge von den Abgasmanipulationen bei VW betroffen und müssen in die Werkstätten. Europaweit sind es 8,5 Millionen Wagen. Einem VW-Sprecher zufolge gibt es in Deutschland für „einige hundert“ Fahrzeuge noch keine Freigaben vom KBA. Es gehe dabei um Autos mit dem manipulierten EA189-Dieselmotor, die nach der Euro-6-Abgasnorm zugelassen sind. Alle Euro-5-Fahrzeuge seien dagegen freigegeben.

Weltweite Untersuchungen von Behörden im Abgas-Skandal

Untersuchungen

...bei der Abgasbehandlung zogen weltweit Untersuchungen von Behörden nach sich. Ähnlich wie das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gingen die Behörden in Frankreich und Großbritannien vor. Die Regierung in Paris stellte bei eigenen Nachmessungen an 86 Modellen deutliche Abweichungen und Normverstöße fest.

Weitere Betrugssoftware...

...konnte die eingerichtete Kommission allerdings nicht nachweisen - auch wenn sie mangels ausreichender Informationen mancher Anbieter nicht ausschließen wollte, dass es sie gibt. Die französischen Autohersteller legten daraufhin ähnlich wie in Deutschland Pläne vor, um die Emissionswerte zu verbessern.

Auch das britische Verkehrsministerium...

...fand bei der Nachmessung von knapp 40 verschiedenen Automodellen keine Hinweise auf betrügerische Manipulationen wie bei VW. Jedoch lagen die Stickoxid-Werte im realen Straßenbetrieb um ein Vielfaches über den Prüfstandswerten.

In den Vereinigten Staaten...

...durchleuchtete die Umweltbehörde EPA die Branche, konnte aber nach eigenen Angaben bislang nur bei Volkswagen Fehlverhalten feststellen. Neben den Wolfsburgern nahmen die Aufseher bislang nur Daimler besonders unter die Lupe. Im April forderte das Justizministerium nach Klagen von US-Anwälten die Stuttgarter auf, das Zustandekommen der offiziellen Abgaswerte in den USA intern und unter Einbeziehung der Behörden zu untersuchen - noch ohne Ergebnis.

Südkorea...

...hatte im November nach dem Bekanntwerden der Abgas-Affäre bei VW ebenfalls verschärfte Untersuchungen an Diesel-Modellen von weiteren Unternehmen angekündigt. Abgesehen von Volkswagen warf die Regierung in Seoul auch Nissan die Manipulation von Abgaswerten vor.

In Japan...

...ordneten Behörden ähnliche Nachtests an. Neben Mitsubishi räumte auch Suzuki Motor ein, eine nicht zulässige Testmethode angewandt zu haben. Betroffen waren 26 Modelle.

In Russland...

...wurden Unterlagen über Abgaswerte von Daimler angefordert. Die Aufsichtsbehörden stellten aber keine Verstöße fest.

In den Niederlanden...

...wollte die Regierung Mitte 2016 über Schadstofftests informieren. Zuvor hatte das Umweltinstitut TNO im Auftrag der Regierung schon Emissionstests bei verschiedenen Modellen durchgeführt. In dem Bericht kam man zu dem Schluss, dass die Stickoxid-Werte auf der Straße vielfach höher waren als im Labor. Die Untersuchung zog bislang jedoch keine Konsequenzen nach sich.

In Italien...

...bekam Volkswagen von der Wettbewerbsbehörde eine Millionenstrafe aufgebrummt. Bei anderen Herstellern hätten Tests dagegen keine Hinweise auf Vorrichtungen zur Manipulation ergeben - auch nicht bei Fiat, hieß es aus dem Verkehrsministerium im Juni. Bei Nachtests des deutschen KBA war Fiat zuvor herausgestochen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht nun die EU-Kommission am Zug, Nachmessungen bei den Modellen durchzusetzen.

In Deutschland stünden unter anderem noch Freigaben für einige Autos des Modells „CC“ aus, erklärte der Firmensprecher. „Wir dürfen sicher davon ausgehen, dass die Freigabe der wenigen in Deutschland zugelassenen EU6-Fahrzeuge des gleichen Motortyps durch das Kraftfahrt-Bundesamt kurzfristig erfolgen wird.“

Danach sollen auch die Besitzer dieser Wagen in einem Schreiben gebeten werden, einen Termin mit ihrer Werkstatt zu vereinbaren. Europaweit sollen die Rückrufe bis zum Herbst des kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Ursprünglich wollte VW die Aktion schneller anschieben. Bereits vor mehr als einem Jahr hatte der Konzern mitgeteilt, das KBA habe die Pläne des Konzerns „bestätigt“. Jetzt dauerte doch alles länger. Den Start der gesamten Rückrufserie hatte Ende Januar 2016 das Pick-up-Modell Amarok gemacht - dabei hatte anfangs noch keine offizielle schriftliche Genehmigung des KBA vorgelegen.

Von

dpa

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