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21.09.2016

11:56 Uhr

Abgasskandal

Anleger verklagen VW auf 8,2 Milliarden Euro

Im Abgasskandal bei Volkswagen ist die Zahl der Schadensersatz-Klagen von Anlegern auf rund 1400 gestiegen. Sie fordern insgesamt rund 8,2 Milliarden Euro ein. Allein am Montag gab es Hunderte neuer Klagen.

Alleine am Montag wurden hier rund 750 weitere Schadensersatzklagen gegen VW eingereicht. dpa

Landgericht Braunschweig

Alleine am Montag wurden hier rund 750 weitere Schadensersatzklagen gegen VW eingereicht.

BraunschweigEin Jahr nach Bekanntwerden des VW-Dieselskandals liegen dem Landgericht Braunschweig Klagen mit einem Streitwert von insgesamt rund 8,2 Milliarden Euro vor. Derzeit seien rund 1400 Schadenersatzklagen von Anlegern gegen Volkswagen anhängig, teilte das Landgericht am Mittwoch mit.

Alleine am Montag, an dem die Verjährungsfrist für Schadensersatzansprüche ablief, seien von einer Rechtsanwaltskanzlei rund 750 weitere Schadensersatzklagen eingereicht worden. Dabei handele es sich überwiegend um Klagen von Privatanlegern. Darunter seien aber auch zwei Klagen von mehreren institutionellen Anlegern mit einem Streitwert von zusammen zwei Milliarden Euro.

Die Kosten des Dieselskandals für Volkswagen

Teure Folgen

Für die jüngste Einigung mit US-Klägern in Sachen Dieselskandal muss der Volkswagen -Konzern eine weitere milliardenschwere Last schultern. Mindestens 1,2 Milliarden Dollar (umgerechnet 1,1 Milliarden Euro) muss der Konzern rund 80.000 Besitzern großer Dieselautos in den USA mit umweltbelastenden Drei-Liter-Motoren an Schadenersatz und für den Rückkauf eines Teils der Fahrzeuge bezahlen. Die Kosten könnten nach Gerichtsangaben auf umgerechnet bis zu 3,7 Milliarden Euro steigen, sollten die US-Umweltbehörden die Reparatur eines Großteils der Wagen nicht abnehmen. VW selbst geht davon aus, dass die Reparaturen genehmigt werden.

Knapp vier Milliarden Euro müssen die Wolfsburger bereits für Strafen und Bußen in den USA hinblättern. VW hat mitgeteilt, dass dies die bisherigen Rückstellungen übersteigt und die Ergebnisse 2016 belasten könne. Bisher hat der Konzern 18,2 Milliarden Euro für den Skandal um weltweit millionenfach manipulierte Abgaswerte bei Dieselautos zur Seite gelegt. Doch abschließend sind die Kosten noch nicht zu beurteilen. Analysten schätzen, dass der Skandal am Ende zwischen 25 und 35 Milliarden Euro kosten könnte. Die größte Unsicherheit geht von den vielen Anlegern aus, die VW vorwerfen, sie zu spät über Dieselgate informiert zu haben und deshalb Schadenersatz fordern.

Vergleich mit US-Kunden zu größeren Motoren

Kurz vor Weihnachten klopfte VW mit den US-Umweltbehörden einen Kompromiss über die Schadenersatzansprüche für etwa 80.000 Diesel-Wagen mit 3,0-Liter-Motoren fest. Ein Viertel der Geländewagen von Audi, VW und Porsche soll zurückgekauft und weitere knapp 60.000 umgerüstet werden, sobald die Behörden die Freigabe für die technische Lösung erteilen. Die Höhe der Kosten bezifferte Volkswagen nun mit etwa 1,2 Milliarden Dollar. Zuvor waren sie auf eine Milliarde Dollar geschätzt worden. Schultern muss die Kosten die Tochter Audi, weil sie die 3-Liter-Motoren entwickelt hat. Der nächste Gerichtstermin zur vorläufigen Genehmigung ist für den 14. Februar angesetzt.

Strafzahlung in den USA

Mit dem US-Justizministerium einigte sich Volkswagen Anfang Januar auf eine Strafzahlung von 4,3 Milliarden Dollar. Das ist deutlich mehr, als andere Autobauer für Verfehlungen in den USA hinlegen mussten, und auch mehr, als Analysten erwartet hatten.

Vergleich mit US-Kunden zu kleineren Motoren

Im Oktober einigte sich VW mit Hunderten Sammelklägern, Behörden und US-Bundesstaaten über die Höhe der Entschädigung für Käufer von Autos mit den kleineren 2,0-Liter-Dieselmotoren. Das kostet den Konzern bis zu 15,3 Milliarden Dollar (14,5 Milliarden Euro). Der größte Teil entfällt auf den Rückkauf der bis zu 475.000 Fahrzeuge, für den gut zehn Milliarden Dollar reserviert sind. Die tatsächlichen Kosten hängen aber davon ab, wie viele Dieselbesitzer ihre Wagen zurückgeben. Bis vor Weihnachten hatten 104.000 Besitzer in den Rückkauf eingewilligt. Eine Alternative ist die Reparatur der Fahrzeuge. Bisher hat VW die Genehmigung für die Umrüstung von rund 70.000 Autos mit 2,0-Liter-Motor.

Zahlreiche US-Bundesstaaten wollen zudem zivilrechtlich versuchen, einen höheren Schadensersatz durchzusetzen, weil sie mit dem Vergleich nicht zufrieden sind. Dabei geht es um Hunderte Millionen Dollar.

Entschädigung für US-Händler

Seinen rund 650 US-Händlern zahlt VW insgesamt 1,21 Milliarden Dollar Entschädigung, weil sie seit fast einem Jahr keine Dieselautos mehr verkaufen durften. Der Vereinbarung zufolge kauft VW unverkäufliche Diesel-Autos von den Händlern zurück, hält an Bonuszahlungen fest und verzichtet für zwei Jahre auf geforderte Umbauten.

Rückrufe in Europa

Ein großer Brocken ist auch die Umrüstung der rund 8,5 Millionen Dieselautos in Europa. Kostenschätzungen reichen von gut einer bis drei Milliarden Euro.

Entschädigung auch in Europa?

Bundesweit klagen Autobesitzer vor mehreren Gerichten wegen überhöhter Stickoxidwerte auf Rückabwicklung des Kaufs oder Schadensersatz. Allein vor dem Landgericht Braunschweig sind knapp 226 solcher Klagen anhängig. Die auf Verbraucherschutzverfahren spezialisierte Onlineplattform MyRight, die mit der US-Kanzlei Hausfeld zusammenarbeitet, reichte zu Jahresbeginn die erste Musterklage ein. Eine finanzielle Entschädigung der Kunden in Europa lehnt VW ab, obwohl sich Forderungen nach einem ähnlichen Vergleich wie in den USA mehren. Sollten diese dennoch fällig werden, könnte das Volkswagen wegen der viel größeren Zahl betroffener Kunden im Vergleich zu den USA finanziell ruinieren, fürchten Experten. Der Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler geht von einem Wertverlust in einer Größenordnung von 500 Euro je Fahrzeug aus.

Vergleich in Kanada

Kanadischen Kunden zahlt VW 2,1 Milliarden kanadische Dollar an Schadenersatz für Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung

Aktionärsklagen

Weltweit sieht sich Volkswagen zudem mit milliardenschweren Schadensersatzklagen von Investoren und Kleinaktionären konfrontiert. Die Inhaber von Aktien und Anleihen werfen Volkswagen vor, zu spät über das Ausmaß des Abgasskandals informiert zu haben und wollen einen Ausgleich für Kursverluste durchsetzen. Zu den Klägern gehören große US-Pensionsfonds, der Norwegische Staatsfonds, aber auch der Versicherungskonzern Allianz und die Dekabank. Auch die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen klagen wegen Kursverlusten von Pensionsfonds. Beim Landgericht Braunschweig liegen mehr als 1500 Klagen über insgesamt 8,8 Milliarden Euro vor. Dazu soll es ein Musterverfahren vor dem OLG Braunschweig geben. Anlegerklagen muss sich VW auch in den USA stellen.

Teure Anwälte

Die Scharen an Anwälten, die Volkswagen weltweit wegen des Dieselskandals beschäftigt, kosten ebenfalls viel Geld. Der Autoexperte Pieper geht von bis zu einer Milliarde Euro aus, sein Kollege Ellinghorst schätzt die Anwaltskosten auf mehrere hundert Millionen. Auch gegnerische Anwälte muss VW bezahlen – zum Beispiel 175 Millionen Dollar an Juristen, die in den USA die 475.000 Auto-Besitzer mit manipulierten 2,0-Liter-Motoren vertreten hatten.

Quelle: Reuters

VW war im Dieselskandal bereits zuvor mit Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe konfrontiert. Die größte Klage über insgesamt fast 3,3 Milliarden Euro hatte im Namen von institutionellen Anlegern vor einem halben Jahr der Tübinger Rechtsanwalt Andreas Tilp eingereicht. Weitere Klagen kamen von den Kanzleien Nieding und Barth sowie von Quinn Emanuel.

Die Kläger werfen VW vor, zu spät über die millionenfache Manipulation von Abgaswerten bei Dieselmotoren informiert zu haben. Der Wolfsburger Autobauer hatte zugegeben, Abgaswerte in den USA mit einer verbotenen Software manipuliert zu haben. Weltweit sind elf Millionen Fahrzeuge mit dieser Software ausgestattet.

Wie das Landgericht nun mitteilte, sind unter den Klagen weitere gebündelte Klagen institutioneller Anleger mit einem Streitwert von 30 Millionen Euro, von 160 Anlegern mit 1,5 Milliarden Euro, von 565 Anlegern mit einem Streitwert von 550 Millionen Euro sowie von einer Investmentgesellschaft mit 45 Millionen Euro.

Zudem lägen Klagen des Bayerischen Pensionsfonds über 700.000 Euro, des Versorgungsfonds des Landes Baden-Württemberg über 1,1 Millionen Euro und des Sondervermögens Rücklagen des Landes Hessen über 4 Millionen und der USA über 30 Millionen Euro vor. Es sei zudem noch eine Vielzahl von Klagen privater Anleger und Gesellschaften eingegangen. Aufgrund der Klagewelle seien vom Landgericht zusätzliche Kapazitäten geschaffen und das Personal verstärkt worden. Die vollständige Erfassung der hinzugekommenen Klagen soll in rund vier Wochen abgeschlossen sein.

Unterdessen gerät Audi-Chef Rupert Stadler zunehmend unter Druck. Nach Angaben von VW muss er im VW-Dieselskandal vor den internen Ermittlern aussagen. Der „Spiegel“ hatte berichtet, die vom VW-Aufsichtsrat beauftragten Spezialisten der Kanzlei Jones Day würden Stadler ausführlich dazu befragen, wann er von dem Einsatz der verbotenen Software für die Motorsteuerung erfahren hat. Stadler ist seit 2007 Chef der VW-Tochter Audi.

Kommentare (35)

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Baron v. Fink

21.09.2016, 12:32 Uhr

Schon geht es weiter, wer in der Räte-EU investiert hat schon verloren,
der arme Aktionär wird mit schmalen Dividenden abgespeist und dann auch noch um seine Rendite betrogen.

Account gelöscht!

21.09.2016, 12:38 Uhr

Ist schon erstaunlich wie leicht sich Europas größter Autobauer von einer Grünen-Abgaslobby zerlegen lässt. Aber solange der VW Konzern weiter um das Grüne Kalb einer CO2 freien Welt hüpft, solange wird er an seinen eignen Untergang festhalten.
VW lässt sich von dieser Grünen Lobby der CO2 freien Wohlstandsvernichtung vorführen anstatt mit Naturwissenschafltichen Fakten dagegen zu halten. CO2 ist und bleibt ein lebensnotwendiges Spurengas. OHNE CO2 KEIN LEBEN! So sollte VW in den Ring gegen Greenpeace, WWF und andere Wohlstands- und Hochtechnologie/Technikfeindliche und auch Naturwissenschaftsfeindliche NGO und den gehässigen Mitbewerber vorgehen.
Statt Wissen und Fakten regiert bei VW und in der Gesamten Deutschen Wirtschaft der Glaube an den Mist, dass CO2 das Klima steuert und das CO2 etwas böses ist. Das Gegenteil ist der Fall! Danke!

Herr Peter Petersen

21.09.2016, 12:52 Uhr

Mal wieder die Üblichen Kommentare
Gewinn vor Umweltschutz
Sich an Gesetze halten wozu den, das kostet doch Gewinne.
Einfach mal beim Essen auf den Teller schauen.
Anstat den Giftmüll ordendlich zu entsorgen,
einfach in den Rhein, dann gibt es mehr Dividende.
Und dann den Fisch aus der Nordsee auf den Tisch.
Und jetzt mal raten wieviel vom Gift im Fisch ist.
Und bei VW und Co ist das der Feinstaub.
Beim Kat hingen die deutschen Autobauer hinterher,
sie wollten so lange nicht bis der Kunde nicht mehr wollte.
Das selbe läuft jetzt beim E-Auto.
Dem Aktionär geht mehr Geld durch Dumme Bosse verlohren
als wie durch den Umweltschutz

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