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15.09.2016

15:06 Uhr

Abgasskandal

Bosch mauert im EU-Untersuchungsausschuss

Der Autozulieferer Bosch beteuert, an der Aufklärung des VW-Skandals interessiert zu sein – weist aber im Untersuchungsausschuss des Europaparlaments alle Anfragen zu VW zurück. Die Ermittler zeigten sich enttäuscht.

Die US-Justiz hat laut einem Medienbericht die Ermittlungen gegen den VW-Zulieferer aufgenommen. dpa

VW und Bosch

Die US-Justiz hat laut einem Medienbericht die Ermittlungen gegen den VW-Zulieferer aufgenommen.

BrüsselDie Befragung von zwei Vertretern des deutschen Automobilzulieferers Bosch durch den Untersuchungsausschuss des Europaparlaments zum VW-Skandal hat keine neuen Erkenntnisse gebracht. Alle Fragen zu den Geschäftsbeziehungen zu Volkswagen wiesen die Bosch-Vertreter mit Verweis auf laufende Ermittlungen sowie interne Untersuchungen bei Bosch selbst zurück. „Wir bitten dafür um Verständnis“, sagte der Leiter der Bosch-Abteilung für Außenangelegenheiten, Peter Biesenbach, am Donnerstag in Straßburg.

„Das ist enttäuschend“, sagte die Ausschussvorsitzende Kathleen Van Brempt. Unter solchen Umständen sei es schwierig, vernünftig zu arbeiten. Die übrigen Ausschussmitglieder teilten diese Enttäuschung. Immer wieder versuchten sie, mit Fragen etwas über Boschs Rolle bei der Lieferung genau der Software herauszufinden, mit der VW die Abgaswerte manipuliert haben soll. Diese Versuche blieben jedoch ohne Erfolg.

Der Austausch mit den Europaabgeordneten bezog sich deshalb meist nur auf technische Möglichkeiten, mit Software Einfluss auf die bei einem Auto gemessene Abgaswerte zu nehmen. Ein Einfluss bestehe natürlich, aber die Gesamtübersicht könne nur der Autobauer haben, gaben die Bosch-Vertreter an. Zu einer möglichen Schuld von Bosch wollten sie sich nicht äußern.

„Dass man sich an das Gesetz halten muss, ist bei uns ein Prinzip“, sagte Biesenbach. Dass sich ein Autohersteller nicht daran gehalten habe, habe die ganze Branche erschüttert. Deshalb sei Bosch auch an der Aufklärung interessiert und kooperiere mit den Ermittlungsbehörden.

Bosch im Überblick

Großkonzern aus Stuttgart

Der schwäbische Technologiekonzern Bosch ist mit weltweit 390.000 Mitarbeitern eines der größten deutschen Unternehmen. 134.000 davon arbeiten in Deutschland.

Milliardenumsatz

Der Gesamtumsatz lag 2016 bei rund 73 Milliarden Euro, etwa 44 Milliarden Euro entfallen auf den Automobilbereich. Gemessen am Umsatz ist Bosch derzeit der größte Zulieferer weltweit, gefolgt von Continental.

Dieselskandal belastet

Trotz eines Umsatzzuwachses um 5,5 Prozent auf rund 73 Milliarden Euro sank 2016 das um Sonderfaktoren bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um etwa 6,5 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Unbereinigt brach das Ebit um 28 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro ein. Denn neben Abschreibungen auf übernommene Firmen schlugen Rechtskosten im Zusammenhang mit dem Dieselskandal von Volkswagen in den USA und das noch laufende EU-Kartellverfahren zu Buche.

Abseits der Börse

An der Börse ist Bosch nicht, vielmehr basiert das Firmenkonstrukt auf einem Stiftungsmodell. Die Robert-Bosch-Stiftung hält gut 90 Prozent der Anteile an der Konzernmutter Robert Bosch GmbH. Die GmbH wiederum hat Hunderte Tochterfirmen, darunter auch den Hausgerätehersteller BSH.

Heimatverbunden

Konzernchef ist Volkmar Denner, Sitz des Unternehmens ist Gerlingen bei Stuttgart. In Stuttgart selbst sind zahlreiche Bosch-Standorte und auch das alte Wohnhaus von Firmengründer Robert Bosch. Das Haus dient heute als Sitz der Bosch-Stiftung, der Konzern nutzt es für repräsentative Zwecke.

Bosch ist im Zuge des VW-Skandals bereits ins Visier eine Sammelklage in den USA geraten. Die Kläger werfen dem Konzern vor, für die Manipulationen mitverantwortlich zu sein. Bosch hatte im vergangenen Jahr zugegeben, Volkswagen mit Softwarekomponenten beliefert zu haben.

Vor einem Jahr war bekannt geworden, dass Volkswagen illegale Software zur Senkung der Abgaswerte bei Tests eingesetzt hatte. Weltweit sind Millionen Dieselautos der Volkswagen-Gruppe von den Manipulationen betroffen. Der Untersuchungsausschuss des Europaparlaments wurde Anfang des Jahres eingerichtet, um Hintergründe und Verantwortlichkeiten des VW-Skandals zu klären.

Von

afp

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