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20.07.2016

13:40 Uhr

Abgasskandal in den USA

VW legt weitere Milliarden für Rechtskosten zurück

Der Rechtsstreit um den Dieselskandal in Nordamerika droht für VW ein Fass ohne Boden zu werden. Der Autobauer erhöht seine Rückstellungen erneut um Milliarden. Doch die Neuausrichtung zeigt auch erste Erfolge.

Der Autobauer erhöht seine Rückstellungen für Rechtskosten in den USA erneut. Reuters

Volkswagen-Händler in New York

Der Autobauer erhöht seine Rückstellungen für Rechtskosten in den USA erneut.

WolfsburgMitten in der Abgaskrise feiert Volkswagen erste Erfolge seiner Neuausrichtung: Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen stieg im ersten Halbjahr trotz Gegenwinds in mehreren Ländern und schrumpfenden Marktanteilen um etwas mehr eine halbe Milliarde auf 7,5 Milliarden Euro, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Als Grund nannten die Wolfsburger eine Verbesserung des Ergebnisses der Hauptmarke VW im zweiten Quartal.

Dadurch stieg das operative Ergebnis des Konzerns binnen Jahresfrist um ein Fünftel und der von der Abgaskrise erschütterte Autobauer schaffte eines der besten Quartale in seiner Geschichte. An der Börse knallten die Sektkorken. Die VW-Aktie gewann fast sieben Prozent an Wert.

„Wie schnell dieser Tanker durch Einsparungen den Kurs gewechselt hat, ist höchst respektabel“, sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. „Die Zahlen sind spektakulär.“ Der Autoanalyst verwies auf die zahlreichen Baustellen, die das Management um Konzernchef Matthias Müller neben der Abgaskrise beackern müsse. „Da ist nicht nur der Mount Everest an Problemen wegen Dieselgate. Das Geschäft in Russland ist schwach, Südamerika hängt durch und in den USA spielt VW kaum noch eine Rolle. Dass der Konzern in dieser Situation ein solches Ergebnis aus der Hüfte schießt – alle Achtung.“

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Dabei fielen die gut zwei Milliarden Euro, die VW wegen rechtlicher Risiken in Nordamerika zusätzlich zur Seite legte, kaum ins Gewicht. Auch dass das Ergebnis dadurch auf 5,3 Milliarden Euro schrumpfte, beeindruckte einige Analysten wenig. Was zählte, waren die Erfolge bei der Marke VW, die seit einem Jahr von Herbert Diess geleitet wird.

Der frühere BMW-Manager hat der schwächelnden Marke mit dem VW-Logo einen Sparkurs verordnet und fährt erste Erfolge ein. Zugleich richtet er das Aushängeschild des Wolfsburger Konzerns für die Elektromobilität und die Digitalisierung neu aus. Nach den Diskussionen der vergangenen Jahre über mangelnde Effizienz bei VW scheine es so, dass die Programme nun wirkten, sagte Michael Punzet von der DZ Bank. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit wegen des Abgasbetrugs bleibe er jedoch skeptisch.

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