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27.01.2006

08:33 Uhr

Abhängigkeit von Lateinamerika

Repsol wertet die Reserven ab

VonThomas Wiede

Der spanische Ölkonzern leidet unter der starken Abhängigkeit von Lateinamerika und unter hausgemachten Problemen: Die Produktion fällt, und jetzt fehlt auch noch der Nachschub.

HB DÜSSELDORF.Der spanische Energiekonzern Repsol hat die Schätzung seiner förderbaren Reserven an Erdöl und Erdgas um ein Viertel reduziert. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, waren davon vorwiegend Gasreserven in Bolivien und Argentinien betroffen. Repsol fehlen nun 1,3 Mrd. Barrel an Öläquivalent (ein Barrel fasst 159 Liter), die das Unternehmen zuvor als förderbar eingestuft hatte. Die Repsol-Aktie wurde nach der Bekanntgabe vom dem Handel an der Börse in Madrid ausgesetzt; am Nachmittag notierten die Papiere dann über acht Prozent im Minus.

Vor zwei Jahren hatte Royal Dutch Shell die Märkte mit einer überraschenden Abwertung seiner Reserven um gut ein Fünftel geschockt. Die Konzernführung hatte sie jahrelang systematisch zu hoch ausgewiesen. Eine Reihe von Top-Managern musste gehen. Auf Druck der Anleger erhielt der britisch-niederländische Traditionskonzern inzwischen auch eine neue Struktur.

Beim spanischen Konzern Repsol, der zur zweiten Reihe der Ölkonzerne gehört, hatte sich die Abwertung zumindest angedeutet: Die Regierung in Bolivien hatte im Mai vergangenen Jahres ein neues Gesetz verabschiedet, in dessen Zuge die Abgaben für die Ölkonzerne von 18 Prozent auf 50 Prozent stiegen. Der neue bolivianische Präsident Evo Morales will zudem die Mineralölindustrie des Landes nationalisieren, was die Geschäftsaussichten der Ölkonzerne im Land verschlechtern dürfte.

Nach Angaben von Repsol führen die veränderten Rahmenbedingungen in Bolivien wie auch vergleichbare Vorstöße in Venezuela dazu, dass sich gut die Hälfte der nun reduzierten Reserven nicht mehr zu wirtschaftlichen Bedingungen fördern lässt. Bei der Bewertung von Öl- und Gasreserven ist dies ein entscheidender Punkt. Ein weiteres Problem liegt in Argentinien: Dort rechnet Repsol nicht mehr damit, dass bestehende Förderkonzessionen verlängert werden. Der französische Ölkonzern Total, der auch in Bolivien aktiv ist, unterstrich gestern, er habe keine Pläne für eine Neubewertung der Reserven. Ähnlich äußerte sich British Gas.

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