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08.01.2006

15:25 Uhr

Absatz

Hintergrund: MAN-Chef trimmt Konzern auf Rendite

Hakan Samuelsson bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Der 54 Jahre alte Chef des Maschinenbau- und Nutzfahrzeugekonzerns MAN gab sich auch gelassen, als sich die Niederlage im Bieterwettstreit um den Dieselmotorenbauer MTU Friedrichshafen abzeichnete.

dpa-afx MÜNCHEN. Hakan Samuelsson bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Der 54 Jahre alte Chef des Maschinenbau- und Nutzfahrzeugekonzerns MAN gab sich auch gelassen, als sich die Niederlage im Bieterwettstreit um den Dieselmotorenbauer MTU Friedrichshafen abzeichnete. Die Private-Equity-Firmen seien einfach bereit, mehr Geld zu zahlen, sagte Samuelsson in seiner gewohnt gelassenen Art wenige Tage bevor Daimler-Chrysler die Entscheidung für den schwedischen Investor EQT als Käufer verkündete.

Jetzt will MAN seine Palette schnell laufender Großdieselmotoren aus eigener Kraft ergänzen. Wie im gesamten Konzern wird Samuelsson dabei genau auf die Renditeziele achten. Sein Kurs, das Industrieunternehmen strikt auf Profitabilität zu trimmen und keine Verlustbringer mehr zu dulden, hat dem Unternehmen seit seinem Amtsantritt vor etwa einem Jahr einen Kurssprung um über 40 Prozent beschert.

MTU

"Das war ein über Gebühr erfolgreiches Jahr", lobt Branchenexperte Albrecht Denninghoff von der Hypovereinsbank. Auch dass MTU Friedrichshafen nicht zum Konzern komme, werde nicht zum Schaden von MAN sein - im Gegenteil: Eine milliardenschwere Investition müsse sich schließlich erst einmal rechnen für ein Unternehmen. Und sie berge Risiken, zumal bereits absehbar sei, dass der derzeitige Schiffsdiesel-Boom in einigen Jahren auch wieder an ein Ende komme.

So manches hat sich verändert, seit Samuelsson den Chefposten von seinem Vorgänger Rudolf Rupprecht übernommen hat. Der Schwede lege mehr Wert auf Kommunikation und Transparenz als sein Vorgänger, heißt es in seinem Umfeld, er gehe systematischer vor, der Strategieprozess laufe unter seiner Führung fundierter. Auch bei den Renditevorgaben gibt sich Samuelsson klarer: Spätestens 2007 will er eine Umsatzrendite von sechs Prozent erreichen, möglichst aber schon früher. "Rupprecht hat immer vermieden, sich auf einen Zeitraum festzulegen", heißt es.

Die Börse honoriert diese Taktik Samuelssons, auch wenn dabei Marketing im Spiel ist. "Samuelsson hat auch viel geerntet, was Rupprecht angefangen hat", sagt Denninghoff. Beispiel ist der schrittweise Verkauf sieben kleinerer Einheiten innerhalb des vergangenen Jahres. Von Rupprecht lange angekündigt, kamen die Geschäfte erst unter Samuelssons Führung tatsächlich zustande. Während die einen Branchenkenner das schwierige Marktumfeld zu Zeiten Rupprechts als Grund sehen, sind andere davon überzeugt, dass Samuelsson auch mehr Entschlossenheit gezeigt habe.

Wachstumsfelder

Ähnlich durchsetzungswillig muss der 54-Jährige, der den Urlaub regelmäßig mit seiner Familie in seinem Ferienhaus in Schweden verbringt, nun bei der Erschließung von Wachstumsfeldern vorgehen. Bei den Turbomaschinen beispielsweise gilt der Markt für Verdichter und Kompressoren für Pipelines als aussichtsreich. Auch Zukäufe könnte sich der Mischkonzern hier anschauen und sich so angesichts des erwarteten Nachlassens des Lastwagen-Booms wappnen, der sich nach Einschätzung von Experten schon in der zweiten Jahreshälfte 2006 in nachgebenden Auftragseingängen bemerkbar machen könnte.

Auch die Mitarbeiter stellt Samuelsson darauf bereits ein. Seit seinem Amtsantritt wird er nicht müde, auf Lohnkostensenkungen in der Nutzfahrzeugsparte zu pochen, um zu Wettbewerbern wie Scania aufschließen zu können. Zwar führe der Schwede nur in höherem Tempo fort, was schon Rupprecht begonnen habe, sagt Konzernbetriebsratschef Lothar Pohlmann. "Der Tonfall ist aber rauer geworden. Wir müssen uns überlegen, ob wir als Arbeitnehmerseite auch mehr an die Öffentlichkeit gehen, wenn er das so beibehält."

An einer anderen Front aber dürfte der Hobby-Golfer Samuelsson vorerst Ruhe haben: Die Zerschlagungsgefahr, über die die Finanzmärkte zuletzt nach dem Abschied der ehemaligen Großaktionäre Allianz, Münchener Rück und Commerzbank spekuliert hatten, sei bei Aktienkursen von mittlerweile um die 46 Euro vorerst gebannt, sagt Experte Denninghoff. "Das Thema ist eigentlich durch und wird erst wieder interessant, wenn die Aktie zwischen 15 bis 25 Euro steht."

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