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11.06.2013

09:39 Uhr

Absatz in Europa

Autoindustrie vor schlechtestem Jahr seit Jahrzehnten

Den Kauf eines Autos wollen und können sich immer weniger Europäer leisten. Der Absatz purzelt auch in diesem Jahr und die Branche leidet wie zuletzt in der Ölkrise der 1970er-Jahre. Warum keine Erholung in Sicht ist.

Droht das schlechteste Autojahr seit der Ölkrise?

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DuisburgDas laufende Jahr könnte für Europas Autoindustrie vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise und anhaltend hoher Arbeitslosigkeit einer Studie zufolge das schlechteste Jahr seit Jahrzehnten werden. Die Autoverkäufe in Westeuropa würden in diesem Jahr voraussichtlich fünf Prozent unter dem Niveau des Vorjahres liegen, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Knapp 11,9 Millionen Fahrzeuge könnten in den 27 EU-Staaten und den Staaten der Europäischen Freihandelszone verkauft werden. Damit wäre 2013 „das schlechteste Autojahr der letzten dreißig Jahre“.

„Arbeitslose sind keine guten Autokäufer und deshalb geht die europäische Autoindustrie durch ihr schwerstes Jahr seit der ersten Ölkrise“ Anfang der 70er Jahre, heißt es in der Studie. Die Jugendarbeitslosigkeit sei auf einem Rekordhoch, und die Wettbewerbsfähigkeit von Ländern wie Frankreich und Italien bleibe „weiter schlecht“. Für die kommenden beiden Jahre müsse deshalb weiter mit einem schwachen Wirtschaftswachstum gerechnet werden. Die Chancen für eine schnelle Erholung des Automobilmarktes seien damit „null“.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Wegen der schwachen Nachfrage durch die Autokäufer werde die Auslastung der Autofabriken in Europa sogar so schlecht ausfallen, wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht, hieß es in der Studie. In den Fabriken in Südländern wie Frankreich, Italien, Portugal oder Spanien werde die Auslastung der Standorte voraussichtlich von über 62 Prozent auf rund 58 Prozent sinken. Am schlechtesten werde das Jahr voraussichtlich für die italienischen Standorte ausfallen, mit einer Auslastung von 49 Prozent. In Frankreich seien die Fabriken schätzungsweise zu 51 Prozent ausgelastet.

Die Staatsschuldenkrise trifft in Europa vor allem Autohersteller, die ihre Fahrzeugen zu einem erheblichen Teil in südlichen Ländern verkaufen. Dies sind vor allem französische Hersteller oder italienische Automarken. In Deutschland ist insbesondere Opel stark von der Krise betroffen.

Von

afp

Kommentare (19)

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Kunde

11.06.2013, 10:17 Uhr

Ich könnte es mir locker leisten, aber ich denke nicht daran mir einen Neuwagen zu kaufen.
Viel zu viel Schnick-Schnack, für viel zu viel Geld.
In Deutschland sind Neuwagen deutscher Hersteller besonders teuer! Warum???
Diese Meinung ändere ich erst, wenn die heutigen Neuwagenpreise mindestens um 50% runter gehen.
Ich kaufe seit Jahren nur noch gute gebrauchte oder Jahreswagen, immer mindestens unter 50% Neupreis.
Warum soll ein Auto das vor einem Jahr ein Spitzenmodell war, nach 12 Monaten schlecht sein, nur weil der Hersteller meint mit einen Modellwechsel noch mehr verdienen zu können.
Übrigens fahre ich zur Zeit Mercedes E-Klasse und SLK.

willi

11.06.2013, 10:24 Uhr

Meine Theorie ist die:
Erstens sind die Autos heute sehr zuverlässig und wenn man sie pflegt auch sehr langelbig. Wenn ich also meinen Traumwagen habe, warum dann ein Neuer?
Zweitens ist die Innovation nicht die, die ich eigentlich möchte. Fahrassistenzsysteme reizen mich nicht, sondern schrecken mich ab. Ich will nicht bevormundet werden und dann auch noch dafür bezahlen.
Drittens hat der Verkaufserfolg der Hersteller der letzten Jahre die Eintauschpreise ruiniert und hat die Verkäufer auch ein Stück weit hochnäsig gemacht.
Das heißt: Ich fahre meinen Traumwagen weiter und pflege ihn. Schon fast 200.000 km und er sieht noch gut aus....

Account gelöscht!

11.06.2013, 10:35 Uhr

80% der Neuzulassungen sind Firmenautos, sogar bei der Nobelmarke Porsche beträgt der Anteil 70%. Das, das sollte doch einen zu denken geben.

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