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09.01.2014

16:26 Uhr

Absatz in Gefahr

Die Grenzen des chinesischen Auto-Booms

Die Autoindustrie in China wächst rasant – mit verheerenden Folgen für die Metropolen. Um die Luftqualität zu verbessern, sollen die Zulassungen begrenzt werden. Eine Gefahr für die Strategie der deutschen Autobauer.

Auf den Straßen der chinesischen Metropolen vernebelt die Luftverschmutzung die Sicht. dpa

Auf den Straßen der chinesischen Metropolen vernebelt die Luftverschmutzung die Sicht.

DüsseldorfNoch nie wurden in einem Land so viele Autos in einem Jahr verkauft wie in China. Mit rund 22 Millionen Fahrzeugen hat der Absatz im Jahr 2013 eine neue Rekordmarke erreicht. Längt ist China für Volkswagen und General Motors der weltweit wichtigste Markt. Mit einem Wachstum von 14 Prozent steigen die Absätze immer noch deutlich stärker als in Nordamerika. Und erstmals seit acht Jahren könnte Volkswagen zur stärksten Automarke auf dem chinesischen Markt aufsteigen.

Obwohl der derzeitige Marktführer General Motors den Absatz um 11 Prozent auf 3,16 Millionen Fahrzeuge steigern konnte, muss er wohl die Spitzenposition räumen. Die zwei chinesischen VW-Gemeinschaftsunternehmen verkauften allein im Dezember 235.700 Fahrzeuge. Für das Gesamtjahr kommt Volkswagen damit auf einen Absatz von 3,19 Millionen - und reiht sich das erste Mal seit acht Jahren vor General Motors ein.

Autostudie: Die falsche Bescheidenheit der Chinesen

Autostudie

Die falsche Bescheidenheit der Chinesen

Chinas Autokonzerne spielen auf dem Weltmarkt derzeit noch keine Rolle. Das soll sich in den nächsten zehn Jahren ändern, sagt eine Studie von Ernst & Young. Die chinesische Offensive ist staatlich geplant.

Obwohl die derzeitigen Absatzzahlen die Phantasie der Automanager beflügeln, sind die Grenzen des Wachstums schon sichtbar. Die chinesischen Mega-Citys leiden unter dem wachsenden Verkehrsaufkommen. Automassen haben die Hauptverkehrsstraßen zu Parkplätzen gemacht, die Luftqualität in den Metropolen ist so schlecht, das Atmen nur noch mit Maske möglich ist. Rentner und Kinder werden regelmäßig aufgefordert, ihre Wohnung nicht zu verlassen.

China, das sich lange wenig um Umweltschutz scherte, bekommt nun die Schattenseiten des Wachstums zu spüren. Kein Land der Welt stößt mehr Kohlendioxid aus, in einigen Städten übersteigt die Luftverschmutzung die Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation um das 40-fache. Das Risiko der Chinesen an Lungenkrebs und Leukämie zu erkranken steigt stetig.

Die beliebtesten Investitionsstandorte der chinesischen Autoindustrie

Quelle

Die Unternehmensberatung Ernst&Young hat 150 chinesische Autohersteller und -zulieferer gefragt, welche drei Standorte sie für besonders attraktiv halten. Welche Länder besonders gut abgeschnitten haben.

Platz 10

Mittlerer Osten - 7 Prozent

Insbesondere im Iran und im Irak setzen die Chinesen auf einen konsequenten Wachstumskurs und versuchen den westlichen Herstellern Paroli zu bieten.

Platz 9

Südamerika- 10 Prozent

Die strengen Importbestimmungen auf vielen südamerikanischen Märkten machen eigene Investitionen nötig.

Platz 8

Südost-Asien - 12 Prozent

Thailand, Vietnam und Indonesien werden immer interessanter für den Absatz. Jedes dritte chinesische Autounternehmen will in den nächsten Jahren in den südlichen Nachbarländern investieren.

Platz 7

Japan - 13 Prozent

Lange dominierten die japanischen Autohersteller einsam den asiatischen Markt. Die Dominanz wollen die Chinesen brechen und denken sogar über Investitionen im reichen Nachbarland nach.

Platz 6

Russland - 15 Prozent

Der russische Automarkt legt seit Jahren deutlich zu. Ein Umstand von dem die chinesischen Hersteller ebenfalls profitieren wollen.

Platz 5

Afrika - 16 Prozent

Trotz der politischen Instabilität bieten die afrikanischen Absatzmärkte großes Potential für die Chinesen. Jedes vierte chinesische Autounternehmen plant Investitionen in Afrika.

Platz 4

Indien - 17 Prozent

Auch im Schwellenland Indien erhoffen sich die Chinesen weiteres Wachstum. Insbesondere über den Preis können die Chinesen hier mit den etablierten Anbietern konkurrieren.

Platz 3

Deutschland - 19 Prozent

Unter allen europäischen Absatzmärkten ist Deutschland der mit Abstand attraktivste. In den Expansionsplänen spielt Deutschland allerdings vorerst noch eine untergeordnete Rolle.

Platz 2

Nordamerika - 26 Prozent

Auf dem US-Markt dominieren bisher noch die Japaner. In den nächsten Jahren will aber jedes fünfte chinesische Unternehmen auch dort investieren.

Platz 1

China - 78 Prozent

Für vier von fünf chinesischen Unternehmen bleibt der Heimatmarkt der attraktivste Standort. Das verwundert angesichts der bisher bescheidenen internationalen Erfolge wenig.

Von Shanghai bis Peking kursiert längst der Begriff „Airpocalypse“. Um die Luftverschmutzung zu verringern, setzen Chinas Metropolen auf strengere Quoten und begrenzte Zulassungen. Ziel des chinesischen Staatsrates ist es, die Luftverschmutzung in Peking, Shanghai und Guangzhou bis 2017 um 15 bis 25 Prozent zu reduzieren. Derzeit ist der Straßenverkehr für rund 20 Prozent der Feinstaubbelastung verantwortlich. Für die Autobauer dürfte die neue Strategie daher nicht folgenlos bleibe: Das chinesische Industrieministerium warnte bereits vergangenen Monat, dass die Autoverkäufe im kommenden Jahr stagnieren könnten.

„Weil viele große Städte neue Regeln aufstellen, müssen die Autobauer auf kleinere Städte und das Inland setzen, um weiter zu wachsen“, sagt Harry Chen, Analyst von Guotai Junan Securities in Shenzen. „Chinesische Automarken müssen ihre Qualität verbessern und mit den ausländischen Marken konkurrieren, um zu überleben.“

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

09.01.2014, 14:51 Uhr

Ich würde auch sagen, dass Elektro Autos eine Alternative währen. Oder halt Autos die rein auf Wasserstoff Basis fahren. Dann kommt wirklich nur noch Wasser aus dem Auspuff. Die Technik ist da. Jetzt müsste man nur noch ein wasserstoff Tankstellennetz aufbauen. Also in China.

In wie weit man Probleme mit explodierenden Autos hat, weiss ich allerdings nicht.

VG
Marvel

aydinli

09.01.2014, 15:09 Uhr

Die Alternativen werden halt nicht gebaut....Jahr für Jahr ist die Autoindustrie hier am stöhnen, aber im Ausland verkaufen sich die Dreckschleuder wie dummes Brot...China ist selber schuld, das Sie die Autoindustrie keinen Riegel vorgeschoben haben....China wir in ein ökölogisches Desaster enden....da in China die neue Mittelschicht alles nachholen muss....sei es denen gegönnt....fällt den mal irgendwann mal ein das Ihr Land nicht mehr bewohnbar ist.....

talbslednah

09.01.2014, 16:48 Uhr

Dieser Smog hat nichts mit dem Auto-Boom zu tun, denn die neu verkauften Autos sind sauber. Er kommt vielmehr von der Industrie, Heizungen, und den alten LKWs und Zweirädern.
In der Ökopropaganda ist immer der Lieblingsfeind Nr. 2 der Ökos schuld, das Auto (#1 sind/waren die AKWs).

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