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24.03.2012

13:52 Uhr

Absatzfinanzierung

Euro-Krise schiebt Absatzfinanzierung bei Siemens an

Siemens finanziert immer größere Teile seines Absatzvolumens selbst vor. Grund sei, dass sich Banken wegen der Krise mit Krediten für den Mittelstand zurückhalten. Die Firmen wandten sich dann zunehmend an Siemens.

Die Deutschlandzentrale von Siemens steht in München. dpa

Die Deutschlandzentrale von Siemens steht in München.

BerlinSiemens finanziert immer größere Teile seines Absatzvolumens selbst vor. Einer der Gründe für das wachsende Finanzierungsbedürfnis der Kunden sei die Staatsschuldenkrise, sagte der Chef der Konzernfinanzsparte SFS, Roland Chalons-Browne, in einem am Samstag veröffentlichten Reuters-Gespräch. Die Euro-Krise und ihre Folgen hätten das Wachstum seines Geschäftsfelds beschleunigt, erklärte er. Die Banken hielten sich mit Krediten gerade für den deutschen Mittelstand zurück. Die Firmen wandten sich dann zunehmend an Siemens, um investieren zu können.

Siemens erwägt, künftig seine Absatzfinanzierungen gebündelt an Investoren weiterzureichen. Die SFS könnte in der Zukunft Finanzierungen auch über strukturierte Produkte an den Kapitalmarkt geben, sagte Chalons-Browne. Die zunehmende Nachfrage nach Leasing- und Projektfinanzierungen lasse das Volumen der von Siemens vorgestreckten Produkt- und Anlagenkäufe stark ansteigen. Die SFS wolle ihre Bilanz nicht ewig aufblähen, sagte Chalons-Browne.

Der Markt für strukturierte Produkte galt einige Jahre als heikel, nachdem solche Anlagen die Finanzkrise ab 2008 befeuert hatten. Inzwischen sei die Zeit dafür wieder reif, sagte der SFS-Chef. Je nach Fall könnte auch die vor gut einem Jahr gegründete Siemens-Bank die Emissionsbündel schnüren. Vom Kapitalmarkt gebe es potenziell Interesse an solchen Finanzprodukten. Es gebe neue Investoren dafür, etwa Infrastruktur- oder Pensionsfonds und Versicherungen.

Diese Akteure engagierten sich verstärkt auch bei Infrastrukturprojekten, etwa Windparks auf hoher See. Allerdings nähmen sie Siemens mit in die Pflicht, wenn die Anlagen von dem Konzern stammen. „Bei großen Infrastrukturprojekten wie in der Energie- oder Transporttechnik beteiligt sich die SFS neben anderen Investoren wie etwa Private Equity oder Pensionsfonds als Minderheitsgesellschafter. Nach einer gewissen Zeit, wenn die Projekte laufen, steigen wir dann aus.“ Bei Geschäften mit der zunehmend klammen öffentlichen Hand seien begleitende Finanzierungen auch immer stärker gefragt. „Bei gemeinsamen Projekten von öffentlicher Hand und privaten Unternehmen wandert das Risiko zunehmend zur privaten Seite.“ Siemens habe bereits etwa Finanzmodelle zur Sanierung von US-Schulen gestrickt, die sich allein aus den Einsparungen im Energieverbrauch der Gebäude trägt.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

24.03.2012, 20:49 Uhr

Sehr risikoreich, weil Siemens gleich doppelt leidet, und die Kunden wenn einmal ein Projekt schief geht, beides, den Liefervertrag und die Finanzierung in einen Topf wirft.

Profit

25.03.2012, 09:53 Uhr

Bei Siemens jedes Jahr dasselbe: "Wir haben ein gutes Operatives Ergebnis, aber leider wieder a.o. Sonderausgaben zu verkraften." Löscher und Käser sollten allerdings mittlerweile gelernt haben: Wenn am laufenden Band Sonderabschreibungen notwendig sind, sind sie operatives Ergebnis! Delkredere-Abschreibungen kommen jetzt hinzu. Na dann wird ja hoffentlich die Kasse bald leer sein, und der Vorstand belobigt sich noch selbst.

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