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20.06.2012

15:58 Uhr

Absatzkrise

Kommunen wollen Frankreichs Autokonzerne retten

Mit einem dramatischen Appell an Präsident Hollande werben Frankreichs Industriestädte um Unterstützung für die heimische Automobilindustrie. Doch die ist sich selbst nicht einig, ob sie gerettet werden will.

Renault ist gefangen in der Strategiefalle. ap

Renault ist gefangen in der Strategiefalle.

ParisFranzösische Industriezentren haben die neue Regierung von Präsident Francois Hollande in einem dramatischen Appell zur Rettung der strauchelnden Autobranche aufgerufen. 60 Kommunen mit Standorten der Automobil-Industrie fordern die Unterstützung des Staates bei einem grundlegenden Kurswechsel ihrer Branche, der sie im europäischen Wettbewerb wieder auf die Überholspur bringen soll. Die Regierung müsse den Verkauf von sparsamen Fahrzeugen energisch fördern und umweltschädliche Modelle deutlich höher besteuern, schrieben die Kommunalpolitiker in einem 67-seitigen Bericht, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Ansonsten drohe der Industrie mit rund 600.000 Beschäftigten ein fataler Niedergang.

Der neue französische Industrieminister Arnaud Montebourg hat vor kurzem erklärt, die Regierung denke über weitere Hilfen für die angeschlagenen Autobauer nach, habe jedoch noch keine Entscheidung getroffen. Renault hatte zuvor angesichts der Branchenkrise die Wiedereinführung einer Abwrackprämie gefordert.

Die größten Automärkte der Welt

Platz 7

Russland - 1,41 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Der russische Markt gehört zu den am stärksten wachsenden Automärkten der Welt. Die Zahl der Neuzulassungen stieg im ersten Halbjahr um Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent.

Platz 6

Indien - 1,48 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Auf der indischen Halbinsel wachsen die Zulassungszahlen rasant, insbesondere bei Kleinwagen. Satte 13 Prozent betrug das Wachstum allein im ersten Halbjahr - ein Ende ist nicht absehbar.

Platz 5

Brasilien - 1,63 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Der Automarkt im größten Land Südamerikas schwächelt im ersten Halbjahr etwas stärker als erwartet. Die Zulassungszahlen schrumpften um 0,4 Prozent.

Platz 4

Deutschland - 1,64 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Auch wenn der deutsche Automarkt nur um ein Prozent im ersten Halbjahr wuchs: Damit erobern die Deutschen den vierten Platz zurück.

Platz 3

Japan - 2,53 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Die Japaner haben die Tsunami-Katastrophe hinter sich gelassen. Kein Automarkt legte im ersten Halbjahr stärker zu. Insgesamt stiegen die Zulassungszahlen im ersten Halbjahr um 57 Prozent.

Platz 2

China - 6,42 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Das rasante Wachstum in China verliert langsam an Fahrt. Trotzdem legte auch der chinesische Markt im ersten Halbjahr um neun Prozent zu.

Platz 1

USA - 7,25 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Die Amerikaner haben die Lust am Autokauf wiederentdeckt. Im ersten Halbjahr legten die Verkaufszahlen um 15 Prozent zu.

In ganz Europa befinden sich die Verkaufszahlen wegen der Schuldenkrise im Sinkflug. Darunter leiden vor allem Hersteller, die auf hohe Stückzahlen zu günstigen Preisen setzen - wie Renault und Peugeot. Diese beiden stecken auch auf ihrem Heimatmarkt in der Zange - die deutschen Hersteller haben den Luxusmarkt fest im Griff, während osteuropäische und asiatische Hersteller zunehmend das Billigsegment besetzen.

Auch Opel wird von der Branchenkrise schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Bundesregierung wies jedoch den Vorstoß Montebourgs in der vergangenen Woche umgehend zurück. Höhere Steuern auf Premium-Fahrzeuge in Frankreich würden vor allem deutschen Herstellern wie Daimler und BMW das Geschäft erschweren.

In dem Bericht der Kommunen heißt es explizit, die Regierung müsse den französischen Automarkt "eindeutig feindseliger gegenüber großen Fahrzeugen mit hohem CO2-Ausstoß einstellen". "Wenn wir nicht energisch handeln, werden wir einen kritischen Punkt erreichen, an dem der Abschwung der Industrie in einen fatalen unumkehrbaren Teufelskreis mündet", schreibt die Gruppe der Auto-Kommunen, in der Finanzminister Pierre Moscovici den Vorsitz hat. "Großbritannien hat dies vor 20 Jahren erlebt und Italien erlebt es jetzt. Der französischen Autoindustrie droht diese Situation 2012."

Neue Hilfen für die Autoindustrie wären inmitten der Schuldenkrise eine zusätzliche Belastung für die öffentlichen Haushalte. Frankreich soll seine Neuverschuldung spätestens 2013 auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung reduzieren. Auch die Hersteller selber sind sich jedoch nicht über den besten Weg einig. So lehnte etwa Peugeot eine neue Abwrackprämie als "künstliche" Hilfe ab.

Von

rtr

Kommentare (3)

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SlingShot

20.06.2012, 16:52 Uhr

Die Franzosen werden mit frischem Geld aus Deutschland und der EZB ihre Industrie unterstuetzen und bestimmt Technologie- und Know-How Einkaeufe in Deutschland machen.
.
Alle Latino-Staaten sind chronische Schuldenmacher und brauchen Kredite wie ein Drogensuechtiger seien 'Schuss'.

hpmalter

20.06.2012, 17:29 Uhr

Die Subvention der Franzosenautos auf Kosten anderer hat Brüssel schon angekündigt mit einem Programm zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Autoindustrie.
Damit kann wohl nicht die Deutsche gemeint sein.

ForzaEURO

20.06.2012, 17:33 Uhr

Wir waren doch beim G20-Gipfel so verblieben, dass die Staaten keinen Protektionismus betreiben wollen. Ist Frankreich ein zuverlässiger Partner oder nicht?

Es ist natürlich schwierig zum ESM abzustimmen, wenn wir gleichzeitig von den begünstigten Staaten unsere Absatzmärkte geschlossen bekommen.

Verstehe ich das richtig, dass wir erst zum ESM abstimmen und dann kommt der Protektionismus der EURO-Staaten (z. B. Frankreich)?

Ich weiß nicht recht, wie ich die Franzosen verstehen soll. EURO-Bills, EURO-Bonds, Protektionismus, Reduzierung des Renteneintrittsalters.

Haben die Franzosen noch ein paar von diesen Ideen, um den Markt weiter komplett zu verunsichern? Brauchen die Franzosen ein Vertragsverletzungsverfahren? Hallo, wir haben in Europa den freien Zugang zu den Märkten vertraglich verankert.

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