Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.06.2015

11:34 Uhr

Absatzzahlen im Mai

Europas Automarkt verliert weiter an Fahrt

Der Absatz in der Autobranche steigt – jedoch immer langsamer. Im Mai wurden in der EU nur noch knapp 1,11 Millionen Fahrzeuge mehr abgesetzt als noch im Vorjahr. Grund für den Schwungverlust sind auch Kalendereffekte.

Daimler verkaufte im Mai 11,4 Prozent mehr Fahrzeuge als im letzten Jahr. dpa

Besser als der Markt

Daimler verkaufte im Mai 11,4 Prozent mehr Fahrzeuge als im letzten Jahr.

FrankfurtDer europäische Markt für neue Autos hat im Mai einen Gang zurückgeschaltet. Zwar legte die Zahl der Neuzulassungen in der EU im Mai um 1,3 Prozent auf 1,1 Millionen Pkw zu, wie der europäische Herstellerverband Acea am Dienstag mitteilte. Allerdings waren die Zuwachsraten in den Monaten davor deutlich stärker ausgefallen – es war laut Experten das geringste Plus seit November 2013. „Die politische Unsicherheit bleibt sowohl in Europa als auch weltweit hoch“, sagte Branchenkenner Peter Fuß von der Unternehmensberatung Ernst & Young. „Die eingetrübten Konjunkturaussichten dämpfen das Marktwachstum.“

Vor allem die wichtigen Automärkte Deutschland und Frankreich schnitten vergleichsweise schlecht ab: Der Absatz fiel im Mai um 6,7 und 3,5 Prozent. Dass unter dem Strich doch noch ein kleines Plus stand, verdankte die Branche vor allem Ländern wie Italien (plus 10,8 Prozent) und Spanien (plus 14 Prozent). Bei den Spaniern machte sich die Neuauflage der Verschrottungsprämie bemerkbar. Auch in Großbritannien legten die Neuzulassungen zu, jedoch nur um rund zwei Prozent.

VW, Ford, Opel: Rabattschlacht im Autohaus

VW, Ford, Opel

Rabattschlacht im Autohaus

Die deutsche Konjunktur entwickelt sich weiterhin gut. Doch bei den Autohändlern ist vom Aufschwung bisher noch wenig zu spüren. Die Rabatte drücken auf die Marge. Sogar das Kartellamt ist mittlerweile alarmiert.

Bei den deutschen Herstellern schnitten Daimler mit plus 11,4 Prozent und BMW mit plus 7,6 Prozent besser ab als der Markt. Der Volkswagen-Konzern hingegen setzte 2,3 Prozent weniger ab als vor einem Jahr.

Hauptgrund für diese Entwicklung auf dem europäischen Automarkt ist einer Studie zufolge allerdings, dass Pfingsten in diesem Jahr im Mai gefeiert wurde. Bereinigt um die Kalendereffekte stiegen die Verkäufe in der EU um 8,7 Prozent, wie die Unternehmensberatung EY mitteilte. Das war ein stärkerer Zuwachs als im bisherigen Jahresverlauf. Seit Jahresbeginn legte der EU-weite Neuwagenabsatz um 6,8 Prozent zu.

Nach Einschätzung von Fuß befindet sich der Automarkt in Europa daher auf dem Weg nach oben. Die schwache Entwicklung im Mai liege auch daran, dass zwei Arbeitstage weniger in die Berechnung eingeflossen seien als im Jahr zuvor. Bereinigt um die Effekte sei die Zahl der neu angemeldeten Pkw gestiegen. „Tatsächlich bleibt der Neuwagenmarkt auf Wachstumskurs“, sagte Fuß. Im Juni werde wegen solcher Kalendereffekte wahrscheinlich sogar ein zweistelliges Plus bei den Neuwagenverkäufen stehen.

Das sind die Gewinner im deutschen Automarkt

Platz 10

Volkswagen - plus 7,7 Prozent*

Der Marktführer legt mit 287.504 verkauften Fahrzeugen in der Heimat einen guten Start hin, allerdings wird der Erfolg durch rückläufige Zulassungen im Mai ein wenig getrübt.

*Absatz Januar bis Mai 2015 im Vergleich zum Vorjahr, Quelle: KBA

Platz 9

Nissan - plus 10,7 Prozent

Die Japaner können weitere Marktanteile erobern und legen dank ihres Bestsellers Qashqai bei den Verkäufen deutlich zu. Insgesamt verkauft Nissan in den ersten fünf Monaten des Jahres 29.430 Autos.

Platz 8

Land Rover - plus 11,4 Prozent

Der Marktanteil der schweren Briten in Deutschland ist zwar marginal. Doch das Wachstum kann sich sehen lassen. Allein im Mai legen die Verkäufe um rund ein Fünftel zu. Insgesamt wurden in Deutschland rund 7.600 Exemplare der britischen Geländewagen verkauft.

Platz 7

Porsche - plus 21,4 Prozent

Der Macan und die Folgen. Der Sportwagenbauer schwimmt dank des jüngsten SUVs weiterhin auf der Erfolgswelle und verkaufte bis Mai rund 12.700 Autos in Deutschland.

Platz 6

Mini - plus 23 Prozent

Der kleine Brite mit BMW-Genen verkauft sich dank der neusten Cooper-Auflage wieder blendend. Im Mai zogen die Verkäufe gar um satte 83 Prozent an. Deutschlandweit wurden in den ersten Monaten 15.300 Minis verkauft.

Platz 5

Suzuki - plus 24,7 Prozent

Die Japaner fliegen in den öffentlichen Wahrnehmung unterm Radar. Dabei können sich die Verkäufe sehen lassen. Dank neuer Modelle wurden deutschlandweit rund 14.000 Suzukis verkauft.

Platz 4

Lexus - plus 44,1 Prozent

Schon mit wenigen zusätzlich verkauften Fahrzeugen landet die Luxus-Marke der Japaner in den oberen Rängen. Mit 689 verkauften Fahrzeugen in fünf Monaten bleibt Lexus in Deutschland ein absoluter Exot.

Platz 3

Smart - plus 53,2 Prozent

Der Modellwechsel treibt die kleine Daimler-Tochter an. Die Neuauflage des Smarts verkauft sich in Deutschland blendend. Insgesamt setzt Smart 16.200 Fahrzeuge ab.

Platz 2

Mitsubishi - plus 73,2 Prozent

Für den Erfolg der Japaner gibt es einen Grund und der heißt Outlander. Der SUV besticht durch seinen günstigen Preis oder seinen revolutionären Plug-in-Antrieb. Insgesamt kann Mitsubishi so 14.500 Fahrzeuge absetzen.

Platz 1

Jeep - plus 79,3 Prozent

Noch stärker legt nur die Geländewagen-Legende zu. Die Fiat-Chrysler-Tochter hat mit dem Renegade einen absoluten Bestseller auf den Markt gebracht. Mit insgesamt 5.700 verkauften Fahrzeugen ist der Marktanteil der Italo-Amerikaner aber noch gering.

Sorgen dürfte der Autobranche das Geschäft im weltgrößten Pkw-Markt China machen. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) rollten dort im Mai zwar drei Prozent mehr neue Pkw auf die Straßen, im Vergleich zu früheren Jahren ist das aber ein drastischer Einbruch. Der Automarkt in der Volksrepublik war jahrelang im zweistelligen Prozentbereich gewachsen. Inzwischen halten sich dort die Verbraucher mit dem Kauf von Luxusgütern aber zurück. Die deutschen Premiumhersteller BMW und Audi mussten in China im Mai erstmals seit langem rückläufige Absatzzahlen hinnehmen. Mercedes konnte den Trend aber brechen und legte dort kräftig zu.

Die ehemaligen Hoffnungsmärkte der Autobauer, Russland und Brasilien, befinden sich im freien Fall. Die Neuzulassungen brach dort laut VDA um 38 und 26 Prozent ein. Die beiden Länder stecken in einer tiefen Wirtschaftskrise.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×