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25.03.2006

17:02 Uhr

Abschied vom Viertürer

Zetsche entschärft Konfliktthema Smart

Gemunkelt wurde es schon länger, jetzt ist es offiziell: DaimlerChrysler stellt den verlustreichen Viersitzer ein und konzentriert sich mit dem zweisitzigen City-Flitzer auf den Kern der Marke Smart. Rechtzeitig vor der Hauptversammlung am 12. April entschärfte Konzernchef Dieter Zetsche dieses Konfliktthema und dürfte damit erneut der Kritik der großen deutschen Investmentfonds entgangen sein.

Der viertürige Smart wird eingestellt. Foto. dpa

Der viertürige Smart wird eingestellt. Foto. dpa

HB STUTTGART. „Die Entscheidung kommt überraschend, sie ist aber konsequent“, kommentierte der Automobilwissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer die Entscheidung. Der Viersitzer habe keine Zukunft gehabt. Tatsächlich konnte der im Jahr 2004 vorgestellte viersitzige Smart nie die Absatzerwartungen erfüllen und erwies sich als Milliardengrab. Im heiß umkämpften Kleinwagenmarkt hatte das Fahrzeug kein Alleinstellungsmerkmal, sprich, musste mit vielen anderen und fast immer preiswerteren Modellen konkurrieren.

Das Kalkül des damaligen Smart-Chefs Andreas Renschler, die Beliebtheit des originellen und sympathischen Zweisitzers auf das größere Modell übertragen zu wollen, ging nicht auf. Ohnehin erwies es sich als Fehlschlag, eine Smart-Modellfamilie gründen zu wollen. Der Roadster erblühte nur einen Sommer, dann sackten die Absatzzahlen ab.

Der geplante Smart-SUV, der in Brasilien gebaut werden sollte, wurde von dem damaligen Mercedes-Chef Eckhard Cordes 2005 gestoppt. Cordes erkannte, dass die Milliardenverluste nur durch ein radikales Schrumpfprogramm aufgefangen werden konnten: Aus für den Roadster und den kleinen Geländewagen und Abbau von mehreren hundert Stellen, lautete das 1,1 Milliarden Euro teure Sanierungsprogramm, das im Frühjahr 2005 verkündet wurde.

Dass Zetsche jetzt nochmal eine Milliarden Euro aufwenden muss, um die Marke endlich in die Gewinnzone zu bringen, ist letztlich sinnvoll, sagt auch Dudenhöffer. Smart wird mit der Integration in die Mercedes Car Group sozusagen der Einstiegs- Mercedes und trägt mit seinem kleinen Motor und dem geringen Gewicht dazu bei, den Flottenverbrauch des Autokonzerns zu senken – so wie es die EU von den Autobauern verlangt. Die Aktionäre, die Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp auf den Hauptversammlungen vehement wegen der Smart-Verluste angegangen sind, werden Zetsche jetzt in Berlin vielleicht danken.

So bitter es für die 300 Mitarbeiter ist, jetzt ihren Job bei Smart zu verlieren, so dürfen die verbliebenen 450 Smart- Beschäftigten auf einen bessere Zukunft hoffen. Mit der zu erwartenden Entscheidung, den neuen Zweisitzer, der 2007 auf den Markt kommt, auch in den Metropolen der USA anzubieten – vielleicht mit einem Stern auf der Haube –, kommt Smart möglicherweise auf die nötigen Stückzahlen. Und aus Sicht des Autoexperten Dudenhöffer spricht nichts dagegen, das für enge Großstädte ideale Auto auch in Japan und den chinesischen Millionenmetropolen anzubieten. Aus dem Ende wird so auch ein Neuanfang.

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