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26.01.2005

13:53 Uhr

Abspaltung vom Leverkusener Bayer-Konzern

Schwerer Stand für Lanxess

Die neue Chemiegesellschaft Lanxess steht nach ihrer Abspaltung vom Leverkusener Bayer-Konzern vor schwierigen Aufgaben. Denn bei Lanxess verbleiben eher zyklische Geschäfte mit Massenchemikalien, die zum Teil starkem Preisdruck ausgesetzt sind.

HB LEVERKUSEN. Ein großer Teil der Geschäfte gilt als margenschwach. Die operative Gewinnmarge liegt mit erwarteten knapp sieben Prozent 2004 im Konzern unter dem Branchendurchschnitt. In den ersten neun Monaten 2004 stand bei einem Umsatz von fünf Milliarden Euro unter dem Strich ein Verlust von acht Millionen Euro in den Büchern. Analysten erwarten deshalb vor allem die Umsetzung von Spar- und Restrukturierungsprogrammen bei dem in Europa sechstgrößten börsennotierten Chemieunternehmen.

BEI LANXESS STEIGERUNG DER ERTRAGSKRAFT WICHTIGSTES ZIEL Auch Lanxess-Chef Axel Heitmann (45) hat als wichtigstes strategisches Ziel eine klare Verbesserung der Ertragskraft vorgegeben. Bis 2006 soll die operative Gewinnmarge auf neun bis zehn Prozent steigen. Für Bereiche, die die Rentabilitätserwartungen nicht erfüllen, erwägt Lanxess Partnerschaften und auch Abspaltungen. Als besondere Sanierungsfälle hat die Führungsspitze bereits die Sparten Feinchemie, Fasern und die Kunststoffsparte Styrenic Resins ausgemacht.

"Lanxess ist in erster Linie eine Restrukturierungs- und Managementstory. Viel wird vom Geschick des Managements in den nächsten Jahren abhängen", schätzt Chemieanalyst Sven Dopke von Bankhaus M.M. Warburg. Manche Experten erwarten ein schnelles Vorgehen bei den Sparprogrammen. "Nur wenn das Management diese Prozesse rasch angeht, werden sie die Profitabilitätskluft zu vergleichbaren Unternehmen schließen", schreibt das Bankhaus Sal. Oppenheim. Große Zukäufe sind folgerichtig bei Lanxess erst einmal nicht vorgesehen. Die Investitionen sollen bis 2006 jährlich auf etwa vier Prozent des Umsatzes begrenzt werden. An der Konjunktur dürfte der Erfolg oder Misserfolg der Strategie nach Experteneinschätzung nicht liegen. Lanxess geht in einer Zeit florierender Mengennachfrage auf den internationalen Chemiemärkten an den Start.

SANIERUNGSKURS MACHT AUCH VOR BESCHÄFTIGTEN NICHT HALT Auf die Beschäftigten kommen angesichts des angekündigten Restrukturierungskurses aber harte Einschnitte zu. Zwar sind bis 2007 betriebsbedingte Kündigungen an den deutschen Standorten ausgeschlossen. Ein globales Einsparprogramm bei den Personalkosten im Volumen von 20 Millionen Euro hat Heitmann aber schon auf den Weg gebracht. Dabei sollen unter anderem die übertariflichen Leistungen für Tarifbeschäftigte an den deutschen Standorten abgebaut werden. Lanxess ist in 17 operativen Geschäftseinheiten tätig, die vier Konzernbereichen Performance Rubber, Engineering Plastics, Chemical Intermediates und Performance Chemicals zugeordnet sind. Der neue Chemieriese stellt unter anderem Kautschuke, Kunststoffe, synthetische Fasern, Grund- und Feinchemikalien aber auch Chemikalien für die Leder-, Papier und Textilindustrie her. Drei Viertel des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Fast 20 000 Beschäftigte hat der neue Konzern, die Hälfte davon in Deutschland. Lanxess ist in 18 Ländern an 50 Standorten aktiv. Lanxess wird voraussichtlich mit einer Nettoverschuldung - ohne Pensionsrückstellungen - von 1,1 Milliarden Euro an den Start gehen. Im Dezember hatte Lanxess mit einem internationalen Bankenkonsortium eine Kreditlinie von 1,5 Milliarden Euro unter Dach und Fach gebracht. Dieses Jahr ist zudem eine Unternehmensanleihe geplant. Bei der Ratingagentur Standard & Poor's wurde die Bonität des Konzerns im Oktober mit "BBB-" eingestuft und lag damit noch knapp im Investmentgrade-Bereich. Um dies zu erreichen, hatte BAYER eine Pflichtwandelanleihe von Lanxess im Volumen von 200 Millionen Euro gezeichnet.

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