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31.07.2012

19:59 Uhr

Absturz verhindert

Chrysler rettet Fiat aus den roten Zahlen

Nur dank der guten Geschäfte der US-Tochter konnte Fiat einen Verlust im zweiten Quartal so gerade noch verhindern. Ohne Chrysler hätte der italienische Autobauer 246 Millionen Euro Verlust eingefahren.

Fiat macht vor allem der Einbruch des italienischen Automarktes schwer zu schaffen. AFP

Fiat macht vor allem der Einbruch des italienischen Automarktes schwer zu schaffen.

Turin/Auburn HillsDer kriselnde italienische Autobauer Fiat hat nur dank guter US-Geschäfte der Tochter Chrysler den Sturz in die roten Zahlen vermieden. Angesichts einer verschärften Absatzkrise in Europa hätte Fiat alleine im zweiten Quartal einen Verlust von 246 Millionen Euro eingefahren, wie der Konzern am Dienstag in Turin mitteilte. Fiat macht dabei vor allem der Einbruch des italienischen Automarktes schwer zu schaffen. Fiat-Boss Sergio Marchionne sprach dennoch von „einem guten Quartal im Einklang mit den Erwartungen“ und hob die große Liquidität der Gruppe hervor.

Weil Analysten bessere Ergebnisse erwartet hatten, gab die Fiat-Aktie in Mailand um 4,5 Prozent nach. Die Gruppe hält allerdings an ihren Gesamtjahreszielen fest, darunter ein Nettogewinn von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro bei einem Umsatz von mehr als 77 Milliarden Euro.

Im Vorjahresquartal 2011 stand alleine noch ein Gewinn von 1,38 Milliarden Euro. Damals allerdings hatte Fiat von einem großen Sondereffekt angesichts der Konsolidierung von Chrysler profitiert.

Insgesamt erreichte der Konzern im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 358 Millionen Euro, nach 1,237 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtumsatz der Fiat-Gruppe, also mit dem US-Partner Chrysler, erreichte 21,5 Milliarden Euro, wobei Fiat allein lediglich 9,2 Milliarden Euro ausmachte. Das war für Fiat ein Rückgang von 7,5 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahresquartal.

Dank der florierenden Verkäufe in den USA konnte die Fiat-Tochter Chrysler für das zweite Quartal einen Umsatzsprung um 23 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar (13,7 Milliarden Euro) verbuchen. Der Gewinn lag unterm Strich bei 436 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 370 Millionen Dollar aufgelaufen. Chrysler habe aus seiner Vergangenheit gelernt, erläuterte Gruppen-Chef Sergio Marchionne. Der Konzern, der während der Wirtschaftskrise 2009 nur dank Staatshilfe überlebt hatte, verkaufte im zweiten Quartal 2012 weltweit 582 000 Wagen und verbesserte seinen Marktanteil in den USA. Im Gesamtjahr 2012 will Chrysler nach wie vor im operativen Geschäft mindestens drei Milliarden Dollar verdienen. Der Nettogewinn soll 1,5 Milliarden Dollar betragen, der Umsatz rund 65 Milliarden.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Händler begründeten das Minus damit, dass die Gewinnmarge bei Chrysler stagniere. "Das ist nie gut", sagte ein Analyst. In Europa betrug der Handelsverlust 138 Millionen Euro, nach 207 Millionen im ersten Quartal des Jahres. Vor Jahresfrist hatte das Minus allerdings nur 87 Millionen Euro betragen. Der Nettoschuldenstand von Fiat betrug 5,43 Milliarden Euro, nach 5,77 Milliarden Euro zum Ende des vorherigen Quartals.

Die europäischen Märkte zeigen weiterhin Zeichen der Schwäche“, sagte Marchionne in einer Telefonkonferenz, „und es ist höchst unwahrscheinlich, dass sie sich 2012 noch erholen werden.“ Er bekräftigte seine Auffassung, dass es in Zeiten der Überkapazitäten eine Koordination der Märkte auf europäischer Ebene geben müsse, weil es sonst die Autobauer in manchen Ländern sonst weiterhin schwierig haben würden. Mit Ausnahme Europas hätten alle Regionen positiv zum Ergebnis der Fiat-Gruppe beigetragen, hatte der Konzern festgehalten.

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Der Automobilkonzern will seine Beteiligung beim US-Partner auf 61,8 Prozent erhöhen.

Konzernchef Sergio Marchionne bekräftigte zudem, dass der geplante Börsengang für dieses Jahr kein Thema sei. Das Unternehmen sei aber mit dem Investmentfonds Veba im Gespräch über einen Gang aufs Parket 2013. Auf dem Höhepunkt der US-Wirtschaftskrise hatte Fiat den US-Hersteller mit der Übernahme noch vor der drohenden Pleite bewahrt.

Der unter Druck stehende Fiat- und Chrysler-Chef hatte in der vergangenen Woche einen heftigen Streit zwischen VW und Fiat ausgelöst. Er hatte VW eine rücksichtslose und zerstörerische Preispolitik vorgeworfen. VW konterte, Marchionne sei als Vorsitzender des europäischen Autohersteller-Verbandes Acea nicht mehr tragbar. Der Fiat-Boss hatte wegen der eingebrochenen Nachfrage in Italien deutlich gemacht, eines der vier Fiat-Werke im Land könnte gefährdet sein, falls sich an der desolaten Absatzlage nichts ändere.

Von

dpa

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