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28.01.2005

17:10 Uhr

Abwärtstrend bei den Verkäufen konnte nicht gestoppt werden

Mitsubishi Motors erhält Milliarden-Kapitalspritze

Der angeschlagene japanische Autobauer Mitsubishi Motors hat angesichts wachsender Verluste einen zweiten Sanierungsplan aufgelegt und erhält eine Kapitalspritze von 270 Milliarden Yen (rund zwei Milliarden Euro).

HB TOKIO. Insgesamt umfasst der wegen wachsender Verluste nötig gewordene zweite Sanierungsplan für MMC vier Mrd. €. Die Rückkehr in die Gewinnzone werde erst im Geschäftsjahr 2006/07 gelingen, ein Jahr später als geplant, räumte Mitsubishi Motors am Freitag ein. Das Führungstrio des Unternehmens zog die Konsequenz aus steigenden Verlusten und trat zurück. „MMC ist stark angeschlagen. Aber mit einem ordentlichen Management hat das Unternehmen eine rosige Zukunft“, betonte Takashi Nishioka. Der Chairman des Schwesterunternehmens Mitsubishi Heavy löst Yoichiro Okazaki als MMC-Chef ab und behält zugleich seinen bisherigen Posten. Mitsubishi Heavy übernimmt bei MMC damit 34 Jahre nach der Abspaltung des Autobauers faktisch wieder die Kontrolle.

Für das laufende Jahr, das im März endet, rechnet MMC nun mit einem Nettoverlust von 472 Mrd. Yen (3,5 Mrd. €) - fast doppelt so viel wie die bisher erwarteten 240 Mrd. Yen. 2005/06 soll der Verlust auf 60 Mrd. Yen sinken, erst 2006/07 sollen acht Mrd. Yen (60 Mill. €) Gewinn zu Buche stehen. Das Absatzziel für das laufende Jahr nahm MMC auf 1,337 Mill. Fahrzeuge zurück - 190 000 weniger als ein Jahr zuvor. Mitsubishi Motors kündigte an, die Zahl kleinvolumiger Modelle in kleineren Märkten zu reduzieren und alle Kräfte auf hochmargige Produkte zu konzentrieren.

Im Zuge des neuen Rettungsplans stellen aus dem verzweigten Mitsubishi-Konglomerat die Bank Mitsubishi Tokyo Financial Group (MTFG), das Handelshaus Mitsubishi Corp. sowie Mitsubishi Heavy Industries 220 Mrd. Yen bereit und erhalten dafür Aktien von MMC. MFTG werde zudem Schulden von 50 Mrd. Yen in Eigenkapital umwandeln. Der Anteil von Mitsubishi Heavy an MMC steigt im Zuge der Kapitalerhöhung von weniger als zehn auf 15 %, die Gruppe insgesamt hält damit 34 % an MMC. Zudem will die hoch verschuldete MMC weitere Kredite über 240 Mrd. Yen aufnehmen.

Die Mitsubishi-Anteile des deutsch-amerikanische Autobauers Daimler-Chrysler von knapp 20 % werden durch die Kapitalspritze weiter verwässert. Daimler-Chrysler hatte sich im April 2004 aus der Finanzierung von MMC zurückgezogen und die Krise damit noch verschärft. In einem ersten Sanierungspaket hatten Investoren und die Mitsubishi-Gruppe MMC im Sommer 2004 umgerechnet 3,7 Mrd. € Kapital zur Verfügung gestellt.

MMC war es im vergangenen Jahr nicht gelungen, den rapiden Abwärtstrend der Verkaufszahlen zu stoppen. In Japan leidet das Unternehmen unter den Folgen eines Skandals um unterlassene Rückrufe, der das Vertrauen der Kunden nachhaltig schädigte. In den USA brach der Absatz ein, nachdem MMC die Vergabe günstiger Kredite zur Autofinanzierung stoppte, die ihr Verluste beschert hatten. Zudem sieht sich MMC mit Schadenersatzforderungen von Daimler-Chrysler konfrontiert. Die Stuttgarter fordern einen Teil des Kaufpreises für die Mitsubishi-Lkw-Tochter Fuso zurück, bei der ebenfalls Rückrufe unterdrückt worden waren.

Die schwache Auslastung versucht Mitsubishi unter anderem durch Auftragsfertigung für andere Hersteller zu verbessern. Für Nissan produziert Mitsubishi Motors Kleintransporter (“Minicars“) für den japanischen Markt. Einen ähnlichen Vertrag mit dem französischen Peugeot-Konzern stellte MMC für Anfang Februar in Aussicht. Peugeot bestätigte, Verhandlungen mit dem „Pajero“-Hersteller über den Bau eines sportlichen Geländewagens stünden vor dem Abschluss.

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