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04.04.2006

16:45 Uhr

Abwehrschlacht gegen Mittal

Arcelor greift in die Trickkiste

Arcelor lässt nichts unversucht, sich der Übernahme durch Mittal zu entziehen. Der Luxemburger Stahlkocher stellte am Dienstag seinen Anlegern weitere Ausschüttungen in Aussicht. Zudem kündigte der Konzern an, seine Anteile an dem kanadischen Stahlkonzern Dofasco in eine unabhängige Stiftung zu verlagern.

Auch Deutschland ist vom Übernahmekampf betroffen. Eko Stahl in Eisenhüttenstadt gehört zu Arcelor. Foto: dpa

Auch Deutschland ist vom Übernahmekampf betroffen. Eko Stahl in Eisenhüttenstadt gehört zu Arcelor. Foto: dpa

HB BRÜSSEL. Mit diesem Schachzug könnte Mittal nach einer erfolgreichen Übernahme die kanadische Beteiligung nicht wie angekündigt an Thyssen-Krupp verkaufen. Mittal zeigte sich unbeeindruckt von der Offensive und kündigte ab, die Übernahme weiter anzustreben.

Als Nummer Zwei auf dem Weltstahlmarkt will Arcelor zum einen die Dividende erhöhen. Die Arcelor-Aktionäre sollen für 2005 nun eine Dividende von 1,85 Euro je Aktie erhalten statt 1,20 Euro. Zum anderen sollen die Aktionäre zusätzliche fünf Mrd. Euro erhalten; und zwar nach einem Rückzug von Mittal oder einem Scheitern der Offerte. Die Zahlung ist frühestens ab dem 28. April vorgesehen. Über Details werde dann entschieden. Damit will Arcelor einen zusätzlichen Anreiz für die Aktionäre schaffen, das Kaufangebot von Mittal Steel auszuschlagen.

Neben den Zahlungen kündigte Arcelor an, seine Anteile an Dofasco an eine niederländische Stiftung zu übertragen. Diese entscheide fortan unabhängig und eigenständig, was mit der Beteiligung geschehe. In der Stiftung solle künftig auch ein Arcelor-Mitarbeiter vertreten sein. Hintergrund ist die Ankündigung Mittals, nach einer Übernahme von Arcelor die kanadische Beteiligung an Thyssen-Krupp abzutreten. Ein solcher Schritt sei nun nicht mehr möglich, sagte Arcelor-Finanzchef Gonzalo Urquijo. Ein Sprecher von Thyssen-Krupp sagte, die Ankündigung sei eine Angelegenheit zwischen Arcelor und Mittal, die der Konzern nicht kommentieren wolle. Mittal hatte Thyssen-Krupp in der Übernahmeschlacht um Dofasco ausgestochen.

Mittal kritisierte die jüngsten Pläne Arcelors und kündigte an, an der Übernahme festzuhalten. „Das ist ein beispielloser Angriff von Arcelor auf die Interessen seiner eigenen Anteilshaber“, sagte ein Sprecher von Mittal. Arcelor-Aktien gaben am Dienstag in Paris um 1,31 Prozent nach auf 32,36 Euro; Mittal-Titel notierten in Amsterdam ebenfalls schwächer: Sie verloren 3,94 Prozent auf 31 Euro.

Mittal will Arcelor für rund 20 Mrd. Euro kaufen. Das luxemburgische Unternehmen hat die Avancen vehement zurückgewiesen. Arcelor-Chef Guy Dolle wirbt bei den Investoren seit Wochen für den Fortbestand der Unabhängigkeit des Unternehmens. Die Regierung des Großherzogtums, die 5,6 Prozent an Arcelor hält, hat sich ebenfalls gegen eine Übernahme ausgesprochen, zugleich aber angekündigt, Mittal nicht behindern zu wollen. Arcelor war 2002 aus der Fusion der französischen Usinor, der spanischen Aceralia und der Luxemburger Arbed hervorgegangen. Das Unternehmen beschäftigt rund 75 000 Menschen in Europa, davon rund 30 000 in Frankreich.

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