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16.10.2015

09:31 Uhr

Acea-Zahlen

VW verkauft im September mehr Autos

Die Affäre um manipulierte Dieselabgaswerte bei Volkswagen hat im September die Freude am Autokaufen nicht getrübt. In der EU wurden 9,8 Prozent mehr neu zugelassen worden als im Vorjahr. Auch der VW-Konzern legte zu.

Im September hat Volkswagen europaweit deutlich mehr Fahrzeuge verkauft. ap

VW-Händler in Italien

Im September hat Volkswagen europaweit deutlich mehr Fahrzeuge verkauft.

BrüsselDer Abgas-Skandal ist noch nicht zu merken: Die Autoverkäufe in Europa haben im September weiter kräftig zugelegt, auch die von Marktführer Volkswagen. Insgesamt stiegen die Neuzulassungen im September im Vergleich zum Vorjahr um 9,8 Prozent, wie der Branchenverband Acea am Freitag in Brüssel mitteilte. In den ersten neun Monaten des Jahres legten die Verkäufe damit um 8,8 Prozent zu. Volkswagen mit Marken wie VW, Skoda, Seat und Audi steigerte die Verkäufe um 8,4 Prozent und bleibt mit einem Marktanteil von 23,3 Prozent mit Abstand der Marktführer.

Auswirkungen des Abgas-Skandals werde es aufgrund zum Teil langer Lieferzeiten bei Neuwagen erst mit einer Verzögerung von mehreren Wochen oder gar Monaten geben, erklärte Autoexperte Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY. Er rechnet zwar nicht mit einer nachlassenden Nachfrage, sondern mit Folgen für die Preisgestaltung der Händler: Angesichts der aktuellen Verunsicherung vieler potenzieller Käufer könnten einige Hersteller „ihre Chance wittern, den eigenen Marktanteil zu steigern und noch aggressiver auf Rabatte zu setzen, was den Preiskrieg weiter anfachen könnte“.

Volkswagen: Das Ende der One-Man-Show

Volkswagen

Premium Das Ende der One-Man-Show

Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller festigt seine Macht. Beim Konzern-Spitzentreffen in Leipzig macht er klar: Er setzt auf das Team und will mit der straffen Führungskultur von Ferdinand Piëch brechen.

Die deutschen Hersteller BMW und Daimler legten im September besonders stark zu; BMW um 17,8 Prozent, Daimler um 18,6 Prozent. Insgesamt lieferten alle Hersteller im vergangenen Monat 1,36 Millionen neue Autos aus. Der Absatz wuchs damit schon 25 Monate in Folge, wie EY betonte.

In den ersten neun Monaten lieferten die Unternehmen laut Acea mehr als zehn Millionen Neuwagen aus. Dies sei aber immer noch weit unter der Marke, die 2007 vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht wurde - damals wurden in den ersten neun Monaten des Jahres fast zwölf Millionen Autos verkauft.

VW-Sparvorschläge

Die fiktive Sparliste

Volkswagen steht mit der Bewältigung des Abgasskandals vor der größten Bewährungsprobe seit dem Wiederaufbau des Wolfsburger Werkes nach dem Jahr 1945. Die finanziellen Belastungen für Bußgelder und Schadensersatz könnten sich auf bis zu 40 Milliarden Euro belaufen, meinen Brancheninsider. Es könnte aber auch doppelt so teuer werden. Daher stehen einige liebgewonnene Posten des Konzerns auf dem Prüfstand. Das ist die fiktive Sparliste.

Das Marketing: Die Party ist vorbei

Feierlichkeiten waren bei Volkswagen bislang vom Allerfeinsten: Auf der Bühne standen gerne mal Robbie Williams, Lenny Kravitz, Mark Knopfler, Lang Lang oder die Pet Shop Boys. Und im Publikum tummelten sich Hollywood-Hüne Ralf Möller oder Sport-Ikonen wie Günter Netzer und Hans-Joachim Stuck. Die Musik für die üppigen Inszenierungen kam von Produzent Leslie Mandoki. Und der Kabarettist Django Asül sorgte für gute Laune. All das wird künftig genauso wenig passend erscheinen wie die Konzernabende im Vorfeld großer Automessen. Weit über tausend Gästen wurde dabei stets ein anderthalbstündiges Happening mit Licht und Showeffekten präsentiert, in dem alle Marken des Konzerns ihre Innovationen präsentierten. Kein anderer Hersteller betreibt nur annähernd einen solchen Aufwand der Selbstinszenierung. So kann Volkswagen auch getrost darauf verzichten. Genauso wie auf die Mini-Autoshows zur Hauptversammlung und zur Bilanzpressekonferenz. Eine zweite Halle im Stil einer Mini-IAA wird angesichts der Sparzwänge sicher kein Aktionär oder Journalist vermissen.

Die Gehälter: Das große und kleine Leiden

Der Aufschrei kam prompt: Die zu erwartenden Einschnitte dürfen nicht zulasten des kleinen Mannes gehen. Dass der kleine wie der große Mann bei Volkswagen künftig weniger in der Tasche haben wird, ist jedoch realistisch. Auffallen wird dies bei den Vorständen, die zuletzt ein Festgehalt zwischen einer und zwei Millionen Euro pro Jahr hatten. Durch eine einjährige variable Vergütung, eine mehrjährige variable Vergütung und eine Vergütung über vier Jahre kam Ex-Chef Martin Winterkorn im vergangenen Jahr sogar auf ein Gesamtsalär von 15,8 Millionen Euro. Andere Mitglieder im Vorstand verdienten um die sieben Millionen Euro. Bei allen dürfte in diesem Jahr mangels Erfolg weit weniger herauskommen. Aber auch das Gros der Belegschaft wird leiden müssen. Eine Ergebnisbeteiligung von 5 900 Euro bekam jeder Mitarbeiter für das vergangene Jahr bei der Marke VW, dazu zwölf Gehälter und ein kleines Urlaubsgeld. Da das Ergebnis schrumpfen wird, sinkt auch die Ergebnisbeteiligung. Die 1 545 Euro, die es immer im November quasi als Weihnachtsgeld gibt, sollen jedoch gezahlt werden.

Das Sponsoring: Der Werksclub steht auf dem Prüfstand

Beim Pokalfinale 2015 demonstrierte der Volkswagen-Konzern seine ganze Fußballmacht: Nicht nur, weil der Werksklub VfL Wolfsburg am Ende den Titel gewann, sondern auch weil selbst der Gegner Borussia Dortmund mit einem VW-Logo auf dem Ärmel auflaufen musste. Der Konzern ist nämlich auch Sponsor des gesamten Wettbewerbs. Mit dem Ausbruch des Abgasskandals soll das Pokal-Sponsoring nun auf den Prüfstand gestellt werden. Beim Werksklub VfL Wolfsburg soll nicht zu stark gespart werden. Für die Bundesliga ist das Volkswagen-Desaster indes ein Problem. Immerhin unterstützt der Konzern 21 von 36 Bundesligavereinen. Am VfL Wolfsburg, dem FC Bayern und dem FC Ingolstadt ist Volkswagen sogar direkt beteiligt. Wie stark der Sparkurs ausfallen wird, ist allerdings noch nicht klar. Die Verträge, die unter dem zurückgetretenen VW-Chef Martin Winterkorn geschlossen wurden, sind unabhängig von der Krise weiterhin gültig.

Die Modelle: Das Ende der Ladenhüter

Der kleine, sportliche Zweisitzer Eos war das erste Opfer – schon vor dem Abgasskandal. Weil er nicht den nötigen Erfolg beim Kunden hatte, wurde er aus dem Programm genommen. Die Luxuslimousine Phaeton könnte es als nächstes treffen. Die für Ende kommenden Jahres geplante Neuauflage ist mehr als fraglich. Das sind aber nicht die einzigen Nischenmodelle, bei denen ein hoher Aufwand nicht mit den Verkaufszahlen korreliert. Das Sportcoupé Scirocco hatte Volkswagen nach 16 Jahren Pause 2008 wieder aufgelegt. Die Verkaufszahlen blieben mit etwa jeweils 23.500 Stück in den vergangenen beiden Jahren jedoch überschaubar. Deutlich mehr, nämlich mehr als 90.000 Stück, wurden zuletzt vom Beetle verkauft, einer Reminiszenz an den kultigen Käfer. Kult sollte auch der Beetle wieder sein. Schließlich war es auch BMW gelungen, den Mini mit einem neuen Konzept zu reaktivieren. Doch verkauft der sich mehr als 300.000 Mal pro Jahr.

Von

afp

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