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05.01.2011

10:54 Uhr

ACS-Chef Pérez

Auf dem Sprung zur Weltspitze

VonAnne Grüttner

Mit Arroganz und Chuzpe machten Florentino Pérez und seine Hauptaktionäre aus der kleinen spanischen Baufirma ACS einen internationalen Dienstleistungs- und Energiekonzern. Jetzt soll Hochtief dem ganzen vorläufig die Krone aufsetzen.

Florentino Pérez: Der ACS-Chef und Präsident von Real Madrid führt beide Unternehmen nach dem gleichen Muster. Quelle: dpa

Florentino Pérez: Der ACS-Chef und Präsident von Real Madrid führt beide Unternehmen nach dem gleichen Muster.

Auf den ersten Blick haben ein Fußballclub und ein Bauunternehmen wenig gemein. Dennoch lässt der Finanzwissenschaftler José María Gay von der Universität Barcelona seine Studenten gern die Bilanzen des Erstligisten Real Madrid und des Infrastrukturkonzerns Actividades de Construcción y Servicios (ACS) vergleichen. "Das ist die gleiche Handschrift", sagt Gay. Nämlich die von Florentino Pérez, Präsident vom Fußballclub und auch von ACS.

Der 63-jährige Straßenbauingenieur führt beide Unternehmen nach dem gleichen Schema: "Es wird teuer eingekauft, stets kreditfinanziert, und dann plötzlich wieder verkauft, wenn die kurzfristigen Schulden drücken oder ein besonders hoher Gewinn winkt", beschreibt Gay.

In der Tat: Real Madrid hat unter Pérez Rekordpreise für Stars wie David Beckham, Zinedine Zidane oder zuletzt Cristiano Ronaldo und Kaká bezahlt, anstatt wie der FC Barcelona über lange Zeit eigene Spieler auszubilden. Und auch ACS fiel immer wieder durch spektakuläre Megadeals auf, die stets einen sehr schnellen und durchschlagenden Bilanzeffekt bringen.

"Das Unternehmenskonzept ist eher auf eine schnelle Wertsteigerung der Investitionen als auf eine langfristige Geschäftsentwicklung ausgerichtet", meint Manuel Romera, Direktor der Finanzwissenschaften an der IE Business School in Madrid. Dass ACS jetzt dabei ist, Hochtief feindlich zu übernehmen, überrascht Romera nicht.

Denn an Mut, auch und gerade in schwierigen Zeiten die Flucht in großen Schritten nach vorn anzutreten und sich auftürmende Hindernisse trickreich zu umschiffen, zieht sich durch die ganze Firmengeschichte des Konzerns. ACS scheute sich nicht, Unternehmen zu kaufen - und kurz darauf wieder loszuschlagen: Der Durchlauf an Tochterunternehmen ist beeindruckend. Oftmals agieren die Manager wie Finanzinvestoren - und das sehr erfolgreich.

Kommentare (4)

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knopfauge

05.01.2011, 13:06 Uhr

Solide durchfinanziert? Also Unternehmen die ich kenne sind solide durchfinanziert. Die könnten ihre Schulden sofort zu mind. 50% tilgen.

Das nenne ich durchfinanziert. Aber 300% Schulden ggü. Einnahmen? Tja, so etwas geht eben nur mit luftigen bilanztrick, Optionen und Swaps und blablabla...dieser ganze Mist sollte abgeschafft bzw. viel viel gnadenloser reguliert werden.

trottellumme

05.01.2011, 13:20 Uhr

"Es wird teuer eingekauft, stets kreditfinanziert, und dann plötzlich wieder verkauft, wenn die kurzfristigen Schulden drücken oder ein besonders hoher Gewinn winkt",

"Das Unternehmenskonzept ist eher auf eine schnelle Wertsteigerung der investitionen als auf eine langfristige Geschäftsentwicklung ausgerichtet",

ich möchte nur wissen, aus welchen beweggründen Hochtiefaktien an ACS verkauft wurden, und von wem. Jedenfalls ist beweggrund nicht ein interesse an einer langfristigen Entwicklung des Konzerns Hochtief, sondern wohl eine kurzfristige Gewinnrealisierung auf Kosten eines gesunden Unternehmens....ein Trauerspiel.

Carsten

05.01.2011, 14:14 Uhr

Gratulation Frau Grüttner,
Sie retten hier den Ruf des Handelsblatts in einer in Sachen ACS-Hochtief-Übernahme bisher relativ substanzlosen berichterstattung. Endlich wird klar, wohin die Reise für Hochtief bei einer Übernahme (leider) gehen wird.
Man kann nur hoffen, dass es im weiteren Verlauf ACS und seinen Managementhasadeuren so schwer bzw. zumindest so teuer wie möglich gemacht wird, sich HT einzuverleiben.

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