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04.01.2011

12:42 Uhr

ACS-Übernahme

Hochtief-Belegschaft bleibt auf Krawall-Kurs

VonSven Prange

ExklusivWährend das Management des größten deutschen Baukonzerns sich noch immer gegen die Übernahme durch ACS wehrt, bereiten die Arbeitnehmervertreter einen Taktikwechsel vor. Der Hochtief-Konzernbetriebsrat bereitet erste Gespräche mit den Spaniern vor – will diese aber mit knallharten Vorbedingungen verbinden. Derweil eskaliert der Streit zwischen Betriebsrat und der IG Bau.

Konzernbetriebsratschef Siegfried Müller will nicht klein bei geben. dpa

Konzernbetriebsratschef Siegfried Müller will nicht klein bei geben.

ESSEN. Die Arbeitnehmer des größten deutschen Baukonzerns Hochtief finden sich langsam mit einer Machtübernahme des spanischen Konkurrenten ACS in dem Essener Unternehmen ab. Konzernbetriebsratschef Siegfried Müller will noch im Januar offenbar erste Gesprächskontakte mit den Spaniern suchen.

ACS hatte heute Morgen bekanntgegeben, seine Anteile an dem Essener Konkurrenten über die aktienrechtlich bedeutende 30-Prozent-Hürde gewuchtet zu haben. Damit gilt es als sicher, dass die Spanier sich Hochtief im Laufe des Jahres einverleiben werden. Genau wie das Hochtief-Management hatte sich bisher auch der Konzernbetriebsrat stets gegen die feindliche Übernahme durch die Spanier gewehrt und jegliche Kontaktversuche des neuen Mehrheitseigners abgelehnt. „Wir werden jetzt im Laufe der nächsten Wochen den Gesprächsfaden wohl aufnehmen müssen“, sagte Betriebsratschef Müller dem Handelsblatt heute morgen in der Konzerzentrale in Essen.

Müller will seine Taktik aber nicht kostenlos für die Spanier ändern. Als Voraussetzung für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und dem mutmaßlichen neuen Mehrheitseigner formuliert Müller eine harte Ausgangsbedingung: „ACS muss einen rechtsverbindlichen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 erklären, sonst machen Gespräche keinen Sinn“, sagte Müller. Das ist deutlich mehr, als ACS bisher in Aussicht gestellt hatte. In einem Neun-Punkte-Plan, den die Spanier mit der Baugewerkschaft IG Bau ausgehandelt haben, ist nur davon die Rede, dass man sich bemühen werde, bis 2013 keine Stellen betriebsbedingt zu streichen.

Auf eben jenen Neun-Punkte-Plan sind die organisierten Arbeitnehmervertreter bei Hochtief aber ohnehin nicht gut zu sprechen. IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel, der auch im Hochtief-Aufsichtsrat sitzt, hatte das Papier einen Tag vor Weihnachten mit ACS unterschrieben, ohne den Hochtief-Betriebsrat zu informieren. In dem Papier verspricht ACS, den Konzernsitz Essen beizubehalten, Hochtief eigenständig leben zu lassen und eben bis 2013 nicht betriebsbedingt zu kündigen – allerdings hauptsächlich in unverbindlichen Konjunktiv-Formulierungen.

Kommentare (6)

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Wolfgang Press

04.01.2011, 14:08 Uhr

Kann die Mitarbeiter von Hochtief nur unterstützen, aber die Aktionäre die das Umtauschangebot angenommen haben nun überhaupt nicht. Die Hochtief Aktie ist doch viel, viel mehr Wert. ich geben mein Hochtief jedenfalls nicht her, erst recht nicht zu einem so jämmerlichen Kurs eines Unternehmens aus eine Land welches mit dazu beiträgt dass der Euro so unter Druck gekommen ist.

egal

04.01.2011, 16:57 Uhr

Naja wenn man das nicht wollte, hätte man vielleicht keine Aktiengesellschaft gründen sollen? Sondern eine GmbH??? Warum soll eine Deutsche Telekom eine griechische OTE übernehmen, aber eine spanische ACS nicht eine deutsche Hochtief??? Kinderkacke hier...

R.Lobenstein

04.01.2011, 16:59 Uhr

Welch jämmerliches bild hat der kaltschnäuzige Hr.brüderle aber auch unsere Kanzlerin in diesem ganzem Schmierentheather abgegeben.
Aber was erwartet man von einer Splitterpartei mit Leuchten wie Guido S. oder Silvana Koch -Mehrin... (Sie erinnern sich wer das war und welches Zahlen Verständnis sie hat.
Ein mit 9 Milliarden verschuldeter und in Wirklichkeit wahrscheinlich kurz vor dem bankrott stehender spanischer Konzern übernimmt mal schnell zum Gesundstossen den größten dt baukonzern.
Die ACS Zusagen sind das Papier nicht wert auf dem sie gegeben wurden.
Noch witziger ist dass ACS erst durch die massiven-größtenteils deutschen Steuer Milliarden über den europäischen Kohäsionfond an Spanien überhaupt erst groß geworden ist die in irrer bautätigkeit ohne Sinn und Verstand in SP resultierten.
Wann begreift Merkel endlich dass hier unser dt Übernahme Recht dringend dem der anderen europäischen Länder angepasst bzw verschärft werden muss.
Es war schon eine Schande dass vor ein paar Jahren die 2.größte dt bank -die Hypovereinsbank -von einem italienischem bank übernommen wurde.
ich hab prinzipiell gar nichts gegen Übernahmen -aber gegen feindliche. Hier muss der Turbo Kapitalismus in seine Grenzen verwiesen werden.

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