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14.02.2012

14:31 Uhr

ACS-Übernahme

Hochtief hat sich mit dem „Feind“ arrangiert

VonGeorg Weishaupt

Management und Mitarbeiter von Hochtief hatten heftig gegen die Übernahme durch ACS protestiert. Ihre Ängste: Zerschlagung und Stellenabbau. Doch ein Jahr später zeigt sich: Es ist nicht so schlimm wie befürchtet.

Mitarbeiter von Hochtief. dpa

Mitarbeiter von Hochtief.

DüsseldorfEs war die wohl erbittertste Übernahmeschlacht in der deutschen Wirtschaftsgeschichte: Hunderte Hochtief-Arbeiter demonstrierten in der Essener Konzernzentrale und in Berlin vor dem Kanzleramt. "ACS? Nein" stand auf den Plakaten, dazu skandierten die Männer: "No hablamos Espanol". Doch nicht nur die Männer in Blaumann und Bauhelm machten gegen die angekündigte Übernahmeofferte des spanischen Konkurrenten Actividades de Construcciones y Servicios (ACS) mobil.

Der damalige Chef des Baukonzerns, Herbert Lütkestratkötter, warnte offen vor einer Zerschlagung des Unternehmens. Zusammen mit dem Hochtief-Aufsichtsrat und BDI-Chef Hans-Peter Keitel versuchte er, die Übernahme politisch mit einer Gesetzesänderung zu verhindern. Die beiden mobilisierten auch die Aufsichtsbehörden gegen den Deal. Keitel ließ sich öffentlich mit den Worten zitieren, ACS würde bei Hochtief Werte "vernichten".

Und selbst als ACS über mehr als 30 Prozent der Anteile verfügte, gab sich das Establishment von Deutschlands größtem Baukonzern keineswegs geschlagen. Stattdessen verweigerte der Aufsichtsrat den Spaniern einen dritten Sitz im Kontrollgremium - ein unglaublicher Affront.

Die Endphase dieses Kampfs um Hochtief war Anfang Februar 2011. Seit einem Jahr nun lebt Hochtief mit dem einstigen "Feind". Und es ist im Grunde kein schlechtes Leben.

Von einer Zerschlagung jedenfalls ist nichts zu sehen; die neuen Herren aus Südeuropa haben Hochtief auch nicht - wie damals befürchtet - ausbluten lassen. Die Konzernzentrale ist nach wie vor in Essen, die Zahl der Beschäftigten in Deutschland ist nur um 500 auf 10300 gesunken, allerdings als Folge von Entscheidungen, die zum Teil noch vom damaligen Konzernchef Lütkestratkötter stammten. Weltweit beschäftigt Hochtief mittlerweile 75500 Menschen - knapp sieben Prozent mehr als vor einem Jahr. Selbst die wertvolle Mehrheitsbeteiligung am australischen Bau- und Bergbaukonzern Leighton gehört immer noch zu Hochtief.

"Es ist relativ ruhig", räumt selbst Siegfried Müller ein, der damals als Betriebsratschef zu den großen Kämpfern gegen die Übernahme gehörte. "Wir treffen die spanischen Kollegen im Aufsichtsrat und können dementsprechend dort mit ihnen reden."

Dennoch hat sich das Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten verändert. Nach der Übernahme traten die streitbarsten Kämpfer gegen ACS ab, allen voran Vorstandschef Lütkestratkötter, Finanzvorstand Burkhard Lohr, der Chef der Flughafensparte Peter Noé und zuletzt Chief Operating Officer Martin Rohr.

Kommentare (3)

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EuroSkeptiker

14.02.2012, 14:53 Uhr

klingt nach schöner neuer Welt:
aber ich tippe mal; die Indianer sind die deutschen, die Häuptlinge die Spanier
kenn ich nur so von diversen Fusionen/Allianzen (Unicredit/HVB, EADS, Höchst (war da mal was ?)
im Hackenzusammenschlagen haben wir Deutsche ja Routine

Pinin

14.02.2012, 18:04 Uhr

Schon irre diese Geschichte:

Da kauft eine Pleitefirma mit Krediten einer Pleitebank, die vor allem am Ende mit deutschen Steuergeldern gerettet wird eine gesunde deutsche Firma.

Dagegen hatten unsere spanische Freunde eine ganz normale Übernahme (EON!) mit Tricks verhindert.

Ich liebe unsere findigen mediterranen Freunde.

Felix

30.08.2013, 09:41 Uhr

scheint ja auch anders zu gehen, z.B. in Holland.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/e-plus-mutter-kpn-stiftung-stoppt-den-reichsten-mann-der-welt/8716586.html

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